Erfahrungsbericht – Examen in Berlin

Erfahrungsbericht zur Examensvorbereitung: Grimm, HU Berlin, FU, Prüfungsangst, Repetitorium, Aufputschmittel, Ritalin, Ginseng, Lernplan, Examensangst.

Datum
Rechtsgebiet Examen
Ø Lesezeit 29 Minuten
Foto: Andrey_Popov/Shutterstock.com

I. Einführung Erfahrungsbericht

1. Grundsätzliches

Vorab möchte ich etwas klarstellen:

Dass es einen mannigfaltigen Fundus an Literatur über eine erfolgreiche Examensvorbereitung gibt, ist mir durchaus bewusst. Den Unterschied zwischen diesen Beiträgen und dem Ziel dieses Artikels bildet der Umstand, dass sich meist Professoren, Psychologen oder Repetitoren daran versuchen, einem die Do‘s and Don‘ts zu erklären. Ich habe jedoch selten etwas gelesen, dass von einem Frischling, einem Examenskandidaten, der sich gerade durch den Vorbereitungsdschungel durchgekämpft hatte, verfasst worden war. Einem, der gerade erst das durchgemacht hatte, was mir bevor stand und deshalb meine Ängste und Zweifel auf den Punkt brachte.

Ich war daher zwar jedes mal beruhigt, wenn ich Bücher mit Anleitungen für ein erfolgreiches Lernen gelesen habe.

Dabei handelte es sich jedoch immer nur um eine temporäre Sedierung. Denn ich fühlte mich rastlos und hatte gefühlt keine Minute freie Zeit, um in der knapp bemessenen Vorbereitungszeit noch ein Buch über eine erfolgreiche Vorbereitung umfassend zu studieren.

Dieser Aufsatz ist nicht als Pamphlet gegen eine langangelegte Vorbereitung unter Zurhilfenahme von Examensratgebern zu verstehen. Im Gegenteil: Wohl solchen unter euch, die sich vorausschauend langfristig auf das Examen vorbereiten und gerade am Anfang stehen. Denen rate ich sogar, ein Buch mit nützlichen Lernmethoden speziell für die Fachrichtung Jura zu lesen. Nur wer sich früh genug bewährte Lernstrukturen erarbeitet, wird es in den Phasen des Zweifels leichter haben, wenn die Stofffülle und die Versagensangst einen zu vereinnahmen drohen, sich an den erlernten Lernstrukturen hochzuziehen. Und das können manche Bücher (ich selber habe aus dem Buch „Prädikatsexamen: Der selbständige Weg zum erfolgreichen Examen“ von Lutz/Wiedenfels die ein oder andere Idee übernommen) durchaus leisten.

Da ich mein Examen quasi gerade hinter mich gebracht habe, sind mir die vielen Zweifel, Ängste und Rückschläge noch präsent, die einem die Examensvorbereitung neben der ohnehin großen Stofffülle noch zusätzlich erschweren. Und deshalb soll dieser Artikel eher ein Beitrag sein, der die Examensvorbereitungslektüre ergänzen soll. Denn es geht hier zum einen um die emotionalen Tücken, die in dieser Zeit überall lauern, und zum anderen um die Examensvorbereitung speziell in Berlin.

2. Das Jurastudium und die Institutionalisierung von der „Angst vor dem Examen“

Schon im ersten Semester wird einem der „steinernde Weg hin zum Examen“ von Kommilitonen höherer Semester vor Augen geführt. Und diese Mär trägt man von Generation zu Generation weiter. Und damit beginnt ein Dauerdruck, der in fast keinem anderen Studium von Anfang an so präsent ist, wie im Studium der Rechtswissenschaft. Vor allem, wenn die Familie und Jura-fernen Freunde (ja, auch solche sollte man sich unbedingt bewahren) einem ständig mit ihrer Sicht der Dinge konfrontieren: „Du musst doch eigentlich nur die Paragraphen kennen…“.

Von unzähligen Versuchen, Nichtjuristen die Examensvorbereitung verständlich zu machen, rate ich von vornherein ab. Das kostet unnötig Zeit und Nerven und wird vom Gegenüber meist dennoch nicht verstanden.

Denn dass es bei der juristischen Arbeit vielmehr um eine Art Kunsthandwerk geht, bei dem das Werkzeug der Gesetzestext und ansonsten die „schnöde“ Auslegung des Wortlauts, der Systematik, der Ratio der Vorschrift und sein historischer Kontext sind, dürfte zu noch mehr Verwirrung unter besagten Nichtjuristen beitragen und für sie die Juristerei in die Nähe schwarzer Magie rücken.

Seid also nicht zu sehr enttäuscht, wenn ihr mit Unverständnis insbesondere ob der Länge der Examensvorbereitung konfrontiert werdet. So nach dem Motto: „Du hast doch schon so viele Semester studiert. Warum musst du dich denn jetzt nochmal so lange vorbereiten?“  Die Erklärungs- bzw. Rechtfertigungsnot haben schon Generationen von Jurastudenten vor euch kennengelernt.

II. Warum gerade ich euch meine Sicht der Examensvorbereitung erklären will und wen ich damit in erster Linie adressiere

Es gibt zwei Gründe, weshalb ich willens bin, einen weiteren Beitrag zum Thema Examensvorbereitung zu verfassen. Zwei Gründe, weshalb ich von einem Mehrwert meines Beitrags schier überzeugt bin.

Und damit wird es zwangsläufig sehr privat und intim – denn das sind solche Erfahrungsberichte, wenn sie authentisch sein wollen immer. Durch meinen Uniwechsel zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt , der sich aber aus persönlichen Gründen nicht um ein Semester verschieben ließ, war ich gezwungen, fast alle Klausuren noch einmal zu schreiben. Ungünstig war der Zeitraum deshalb, weil ich an meiner Uni nur noch eine weitere Klausur gebraucht hätte, um mein Grundstudium in der Tasche zu haben. So musste ich an der HU nochmal fast komplett neu anfangen. Bei der Anrechnung konnten mir viele bestandene Scheine nicht zugute kommen, weil sie an der HU teilweise Gegenstand des Hauptstudiums waren und Scheine, die an meiner vorherigen Uni erst im Hauptstudium zu erbringen gewesen wären, waren hier nun Voraussetzung für das Grundstudium. Nun ja, ich möchte euch das im Einzelnen ersparen. Wichtig ist nur, mit welchen unerfreulichen Folgen ich mich zu alledem konfrontiert sah: Meine Freunde und Bekannte absolvierten schon ihr Hauptstudium oder diejenigen, die ich aus höheren Semestern kannte, waren mit der Examensvorbereitung beschäftigt. Ziemlich frustrierend, wenn man das Gefühl hat, stecken zu bleiben, während für alle anderen das Leben weiter geht. Weil aber in jedem Negativen auch immer etwas Positives steckt, bekam ich jedes Semester brandheiß die neuesten Examensgeschichten mit. Und ich erfuhr, wer sich wie auf die finale Prüfung vorbereitete und welche Entscheidungen meine Freunde letztlich als kapitale Fehler einordneten. Ich habe also bis zu meiner persönlichen Examensvorbereitung schon etliche vorher durchlebt und konnte mir ein sehr genaues Bild davon machen, was sich als gut oder schlecht erwiesen hatte.

Der zweite Grund ist substanzieller.

Ich gestehe. Ich habe krankhafte Prüfungsangst. Nicht diese Art von Prüfungsangst, die jeder Kandidat vor einer Prüfung wie dem Staatsexamen verspürt bzw. verspüren sollte.

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Juristendasein mittlerweile von einigen mit dem Kastensystem in Indien verglichen wird. Der berufliche Erfolg hängt entscheidend von der Examensnote ab. Es wird dann in der Regel für einen 4-Punkte-Examenskandidaten nicht steil nach oben zum Bundesverfasungsgericht oder Freshfields gehen. Ebensowenig wie ein Paria in der Regel in Indien Priester werden wird. Deshalb der sehr harte aber treffende Vergleich mit dem indischen Kastensystem. Und deshalb gerade in diesem Studium die nackte Angst nach Jahren des harten Studiums, per Punktzahl für immer der unteren Kaste zugeordnet zu werden.

Jedenfalls ging meine persönliche Prüfungsangst über dieses Bewusstsein hinaus. Sie lähmte mich tagsüber, begleitete mich ins Bett und in meinen Träumen, ließ mich oft gar nicht erst schlafen und war sogar dauerpräsent, wenn ich mit Freunden einfach mal entspannen wollte. Ich habe mir deshalb schon am Ende des Grundstudiums psychologische Hilfe geholt und konnte die Früchte meiner jahrelangen Psychoanalyse erst jetzt in der Examensvorbereitung erfolgreich ernten. Ich habe über das Jurastudium hinaus also Jahre eine Art Selbststudium in Form einer Psychoanalyse betrieben, um gegen dieses peinigende Gefühl völliger Ohnmacht anzugehen. Was ich damit sagen möchte ist, dass ich auch und gerade jetzt noch ein sehr genaues Bild von dieser Fratze „Prüfungsangst“ habe.

Deshalb adressiere ich mit diesem Beitrag auch in erster Linie diejenigen unter den Jurastudenten, die sich mit ihrer Prüfungsagst allein gelassen fühlen. Und übrigens: Dieses Gefühl trügt auch nicht. Verständlich. Natürlich ist so ein schweres Gesprächsthema am Mittagstisch in der Mensa nicht gerade en vogue.  Zudem stellt sich bei vielen Kommilitonen eine Abwehrreaktion ein. Klar, denn bei Prüfungsangst herrscht gerade in einer solchen Phase wie der Examensvorbereitung hohe Ansteckungsgefahr. Ihr dürft das nicht persönlich gegen euch münzen, aber jeder muss in dieser mentalen Achterbahnfahrt seine eigene Haut retten. Wie ich persönlich diese Lebensphase einigermaßen gut und erfolgreich bewältigt habe, möchte ich euch im Folgenden erklären. Ihr seid natürlich Individuen mit individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten, eigenen Plänen für die Zukunft und eigenen Vorstellungen, wo es für euch mal hingehen soll.

Dieser Beitrag soll zeigen, wie ich mich MIT diesem Handycap vorbereitet habe. Zunächst wurde ich von allen unisono auf eine Formel verwiesen. Die muss auch für bisherige Organisatonsmuffel beherzigt werden: Nämlich, dass man sich ein gewissen Maß an Organisation und Disziplin aneignen muss – und das macht dann auch richtig Spaß.

Nicht umsonst galt die damalige Gruppe eines bekannten Social Networks mit dem Namen „To-Do-Listen abhaken macht mich glücklich“ damals zu den mitgliederstärksten.

Unumgänglich in diesem Zusammenhang ist zunächst ein realistischer Zeitplan, der sich auf den Examenstermin bezieht und von da an als unantastbar gelten sollte.

Dann sollte man sich mit dem entsprechenden Paragraphen der Ausbildungsordnung des Bundeslandes vertraut machen, in dem man die erste Staatsprüfung absolvieren möchte, um sich so mit dem Umfang des Prüfungsstoff auseinander zu setzen. Für Berlin ist das § 3 JAO Berlin .

Darauf sollte der Lernplan aufbauen. Am Ende der Zeit sollte man alle Bereiche zumindest einmal durchgearbeitet haben. Ich persönlich habe mir mit einer selbstgebastelten Excel-Tabelle (siehe hier) (Wenn ihr an einem, auf eure persönliche Lernplanung zugeschnittenen Lernkalkulator interessiert seid, könnt ihr euch auch an juraindividuell wenden ) einen Lernplan erstellt. Dazu habe ich die Lernziele entsprechend des § 3 JAO formuliert. In einer weiteren Tabelle habe ich eingetragen, welches Rechtsgebiet und welches Unter-/Thema ich dabei an dem Tag bearbeitet habe. In einer weiteren Spalte kamen ein paar Stichworte, die exakt belegen sollten, womit ich mich genau beschäftigt habe. Welche Problematik, welchen Fall, welche Definition, usw. Dies diente zum einen der Nachprüfbarkeit („Was habe ich für dieses Unterthema genau bearbeitet“), zum anderen war es eine nützliche Hilfe, wenn ich mir die Tabelle einige Woche später wieder abgesehen habe. Die Stichworte haben mir das Thema und seine Spezifika wieder ins Gedächtnis gerufen. Dann war ich beruhigt, weil ich gesehen habe, was ich schon alles abgearbeitet habe. In einer weiteren Spalte trägt man die Stunden ein, die man sich an einem Tag mit einem Thema beschäftigt hat. Die Exceldatei errechnet einem dann, wie viele Stunden man pro Tag, pro Woche und insgesamt gearbeitet hat. Wie viele Stunden man sich beispielsweise mit Strafrecht und da mit der Irrtumslehre gequält hat. Dieser Examenslernplan stellte  für mich ein patentes und wertvolles Mittel zur Beruhigung, zur Übersicht und zur Strukturierung meiner Lerntage und –wochen dar.

III. Die juristische Gretchenfrage: Repetitorium –  ja oder nein?

Sehr früh stellt sich für einen jeden Jurastudenten und Examenskandidaten die juristische Gretchenfrage: „Wie hälst du es mit einem (kommerziellen) Repetitorium?“

Soll man eine AG gründen, ein Unirepetitorium oder ein kommerzielles Repetitorium besuchen und wenn ja, eines mit einer großen Besucherzahl oder in einer Kleingruppe?

Auf diese Frage gibt es keine mustergültige Antwort – sie ist individuell zu entscheiden!

1. Lernen in einer Arbeitsgemeinschaft

Diese Form der Vorbereitung kann ein sehr effizienter Weg sein; er kann allerdings auch für alle Beteiligten in ein sehr frustrierendes Erlebnis münden.

Deshalb rate ich jedem, der diese Möglichkeit in Erwägung zieht, für die Vorbereitung einer Lerngruppe separat bis zu drei Monaten Vorbereitung einzuplanen. Denn die Wahl der Mitglieder (!) und der Örtlichkeiten, in denen man wöchentliche Sitzungen abhält, sowie die Häufigkeit der wöchentlichen Treffen, wollen wohl durchdacht sein.

Empfehlenswert ist es, gemeinsam einen – und jetzt wird es förmlich – „AG-Vertrag“ auszuarbeiten. Klar klingt das zunächst nach Prinzipienreiterei. Es kann jedoch die ganze Gruppe vor schwierigen Situationen bewahren. Wenn anfangs alles geklärt ist, zum Beispiel mögliche „Sanktionen“ bei verspäteten Erscheinen, schlechter Vorbereitung etc, weiß jeder, welche Erwartungen an ihn gestellt werden, aber auch was man von den anderen Mitgliedern erwarten darf. Dies erspart am Ende Enttäuschungen, Frust und das Auseinanderbrechen der Gruppe. Die Modalitäten der Sitzungen sollten also feststehen.

Bei einer starken und motivierten Lerngruppe hat die Übung unschätzbaren Wert – auch für die mündliche Prüfung. Juristisches Argumentieren wird geschult und man stellt schnell fest, an welchem Punkt bestimmte Probleme noch nicht genügend vertieft oder durchdacht wurden. Außerdem besteht die zusätzliche Möglichkeit mit einem Coach  in regelmäßigen Abständen zusammenzuarbeiten, um angesammelte Fragen zu klären bzw.  in der Endphase, wenn die Gruppe Bedarf anmeldet, bestimmte Rechtsgebiete auch nochmal von einem Repetitor erläutern lassen. Jura Individuell bietet solche Kleingruppeneinheiten an – das weiß ich aus eigener Erfahrung. So bin ich nämlich selbst auf diese Seite aufmerksam geworden.

2. Universitäre Repetitorien

Aus meiner Erfahrung, die sich aus Gesprächen mit vielen Kommilitonen und auch aus eigener Wahrnehmung speist, sind universitäre Ausbildung und Examensvorbereitung mitunter zwei diametrale entgegenstehende Dinge. Während die universitäre Ausbildung sehr vergeistigt, bisweilen verstaubt wirkt, muss „Examensjura“ pragmatisch sein und Zusammenhänge klar und deutich auf den Punkt bringen. Denn Ziel der Übung ist eine 5-stündige Klausur. Diese Formel wird natürlich nicht jedem Professor gerecht. Ich denke gerne an erkenntnisreiche Stunden in den Vorlesungen von Prof. Dr. Marxen zurück. Einer der großen Koryphäen in Berlin. Ich kenne keinen Jurastudenten, der nicht ins Schwärmen gerät, wenn er diesen Namen hört. Wirklich. Das liegt auch daran, dass man in seinen Vorlesungen das Gefühl bekommt, dass er echt an der Arbeit und dem Erfolg der Studenten interessiert ist.

Was also die Frage angeht, ob man das Rep-Angebot seiner Uni nutzt, hängt sehr stark von den jeweiligen Professoren ab. Ich hatte für mich persönlich entschieden, dass das Gesamtpaket der Professoren, die einem den Stoff examensgemäß aufbereiten sollen, mich nicht zweifelsfrei überzeugte.

Denn eins kann leider als zutreffende Anamnese festgehalten werden: Trotz der Bemühungen der Universitäten in den letzten Jahren, den Studiengang Rechtswissenschaft zu reformieren, bleibt es vorerst bei dieser erschütternden Diskrepanz zwischen dem sehr dogmatischen, theorielastigen Studium und den Anforderungen an den Kandidaten in der Examensrealität.

Ich gebe aber auch gerne zu, dass ich aufgrund der oben angesprochenen Prüfungsangst perfekt vorbereitet sein wollte und mich nicht auf eine Lösung verlassen, sondern auf allen Hochzeiten tanzen wollte. So habe ich mir an der Uni die guten Examenskurse rausgesucht (ich empfehle an dieser Stelle wirklich nochmals die Klausurenwerkstatt von Prof. Marxen) und habe aber hauptsächlich ein kommerzielles Repetitorium besucht. Eine pauschale Antwort dafür oder dagegen werde ich euch aus guten Gründen schuldig bleiben.

3. Kommerzielle Repetitorien

Ich habe, wie viele andere, die von der Angst vor der Stofffülle und der Überforderung getrieben waren, ein kommerzielles Rep besucht. Im Ergebnis fällt mein Urteil ausnahmslos positiv aus. Ich wusste im Studium oft nicht, wofür ich eigentlich was mache. Da wurde dann im Zivilrecht in einer Vorlesung über die historische Herleitung des Grundsatzes von Treu und Glauben philosophiert. Oder über die allgemeinen sachenrechtlichen Prinzipien. Aber an welcher Stelle diese Prinzipien überhaupt je eine Rolle spielen würden, darüber schwieg die Vorlesung. Erst im Repetitorium wurde dann der Bogen zur praktischen Relevanz solcher für sich gesehen recht abstrakten Formeln gespannt. Ich behaupte, dass ich das Examensjura erst im Repetitorium gelernt habe. Es war sein Geld alle Male wert. Wer einen Daniel Hoch im Crashkurs BGB drei Tage erlebt hat, hat danach das BGB verstanden. Das hat die Uni leider in drei Jahren nicht leisten können.

Aber egal, ob und für welches Rep ihr euch entscheidet: der Mentor muss eine Sprache finden, die für euch besonders zugänglich ist. Das kann ein Uniprof sein, ein AG-Mitglied oder ein Repetitor.

Für mich war damals entscheidend, dass mir der organisatorische Kram abgenommen wird. Mir hat es für mein Gewissen gut getan, zu wissen, dass andere sich in Bezug auf die Stoffmenge, den Umfang, die dogmatisch notwendige aber auch ausreichende Stofftiefe schon Gedanken gemacht haben und ich mich nur noch auf mich konzentrieren und den Inhalt verinnerlichen musste.

4. Klausurenkurse

Klausuren geschrieben habe ich an der HU im Examensklausurenkurs. Die FU-Studenten unter uns haben es da sehr viel besser. Jedenfalls wenn sie besonders emsig sind. Sie haben die Möglichkeit, an der HU am Freitag von 9-14 Uhr den Examensklausurenkurs zu besuchen und darüber hinaus am Samstag an ihrer Uni eine weiter Examensklausur zu schreiben. Die HU Studenten können ebenso wie die FUler auch an der HU am Freitag schreiben und bei Abgabe müssen sie ebenfalls 9 Euro für die Korrektur zahlen. Allerdings „dürfen“ sie nicht am FU-Klausurkursen teilnehmen. Unfair, gell? Aber ob es wirklich erstrebenswert ist, zwei „Mammutklausuren“ pro Woche zu schreiben – ich weiß es nicht.

Was die Korrektur solcher Klausuren angeht, fällt die eindeutige Bilanz – nicht nur aus meiner eigenen Erfahrung – eher ernüchternd aus. Wir haben uns so manches mal darüber erschrocken, was als falsch angestrichen wurde und uns gefragt, ob das tatsächlich von Assistenten mit Examen korrigiert wurde. Ja, werden sie.

Auch da sind die Korrekturen von sog. kommerziellen Reps oftmals besser, weil ausführlicher und zuverlässiger. Jedoch treffen die Klausuren des Unikurses oftmals den wirklichen Examensrahmen und -umfang. Auch da gilt wieder: Sucht euch das für euch Beste raus.

Welche Seite ich euch für Berlin auch wärmstens für Fälle im Öffentlichen Recht empfehlen möchte, ist http://www.jura.fu-berlin.de/studium/hauptstadtfaelle/. Hochachtung gewinnt mir auch RA Dr. Paul ab, der für Studenten eine bemerkenswerte Definitionensammlung erschaffen hat. Vielen Dank unbekannterweise auf diesem Wege. Ihr müsst einfach RA Paul und Definitionen eingeben und euch für eines der „Pakete“ entscheiden. Unterteilt sind sie in Definitionen AT, BT 1, BT 2 und BT 3. Eine grandiose Leistung!

5. Resumée

Als Resümee meiner Examensvorbereitung lässt sich zusammenfassen: Ich habe mir die Rosinen (ah, Rosinen… na… klingelt es da bei euch… die sog. Rosinentheorie im Handels- und Gesellschaftsrecht…) rausgepickt. Ich habe an der Uni die Veranstaltung besucht, die sich meiner Meinung nach gelohnt haben, vor allem den Examensklausurenkurs. Darüber hinaus war ich in einem kommerziellen Repetitorium. Und ich halte es diesbezüglich ganz klar mit Edith Piaf: Non, je ne regrette rien. Ich habe dort wirklich Unschätzbares gelernt. Und zu guter Letzt habe ich mir die Hilfe von den Coaches von Jura Individuell geholt, um das Gelernte in einer persönlichen Atmosphäre zu festigen und meine individuellen Schwächen zu erkennen und zu korrigieren.

IV. Die emotionale Seite der Examensvorbereitung

Auch hier warte ich mit einem ganz persönlicher Tipp auf: Bringt Ruhe in euer Privatleben.

Die Trennung vom langjährigen Partner, Beziehungsgrundsatzdebatten, der besten Freundin gerade jetzt mal die Meinung geigen, der engsten Familie endlich mal auftischen, was sie in der Kindheit und Jugend vermeintlich falsch gemacht haben – ich bin ein Mensch, der das offene Gespräch sucht. Aber alles zu seiner Zeit. Ihr braucht einen Rückzugsort, an dem ihr euch von der mentalen und körperlichen Anstrengung erholen könnt. Was ihr gerade jetzt nicht gebrauchen könnt, ist die Tatsache, dass ihr bei denen, die euch am Herzen liegen, zu einer persona non grata erklärt werdet. Tut euch und den euren den Gefallen und erledigt diese Gespräche nach dem Examen. Vielleicht auch deshalb, weil ihr dann ausgeruhter und objektiver seid.

Ein weiterer wichtiger Punkt der oben schon angeklungen ist: Lasst euch nicht in eure Vorbereitung reinreden. Natürlich sind Freunde auch dazu da, dass sie einen vor folgenschweren Fehlern bewahren. Und das ist auch gut und wichtig. Aber nur, weil eure beste Freundin das Karteikartenpauken für ineffektiv erachtet oder euer AG-Kumpel keine Fälle, sondern nur aus dem Lehrbuch paukt, ist das kein Grund von seiner Art und Weise abzuweichen. Schon gar nicht, wenn man für sich bei ehrlicher Betrachtung erste Erfolge vorweisen kann.

Und das Wichtigste in dieser Zeit: Jeder kennt diese Sorte von Jurastudenten schon ab dem ersten Semester, die mit „Kennst du schon das letzte Woche zu dem und dem Thema ergangene Urteil?“ „Wie? Du lernst nicht 10 Stunden netto?“ Unruhe stiften. Lasst euch nicht davon beeindrucken. Jeder lernt anders. Und nicht immer lernen die lautesten Ratgeber am besten. Da kann bestimmt jeder Jurist die eine oder andere Geschichte erzählen zu den vermeintlichen Superkandidaten, die dann am Ende erfolglos ihre 4-Punkte-Examen anzweifeln.

Viel wichtiger ist es ein Gefühl für die innere Stimme zu entwickeln. Es gibt in der ca. 1½- jährigen Vorbereitung auch Phasen, in denen man nicht die gewünschte Stoffmenge in der dafür vorgesehen Zeit schafft. Der Körper braucht solche Phasen. Ich habe mich am Ende immer geärgert, wenn ich zu müde zum Lernen war. Andere lernten bis nachts und ich musste alle 3 Stunden ’nen power nap einlegen. Ich erspare euch jetzt eine Abhandlung über neurologische Vorgänge. Im Ergebnis habe ich persönlich bei diesen power naps vieles verinnerlicht und verarbeitet und war wieder leistungsfähiger. Also, keine Scheu in der Bibliothek den Kopf mal kurz hängen zu lassen.

Zu meiner ganz persönlichen Hürde, der Prüfungsangst, habe ich euch ja schon einiges berichtet. Sicherlich gibt es jede Menge Bücher, die dieses Phänomen thematisieren. Wenn ihr tatsächlich noch geistige und zeitliche Kapazität habt, könnt ihr darin ja mal schmöckern. Ansonsten rate ich euch eher, wie oben erwähnt, die psychologische Betreuung eurer Uni aufzusuchen. Ich habe abends übrigens in einem Buch von Klaus Marxen zur Prüfungsangst gelesen. Leider ist es im Handel nicht mehr erhältlich. Ihr könntet allenfalls mal beim Fachschaftsrat der Juristischen Fakultät an der HU fragen, ob die ein Exemplar haben.

Wie gesagt, es gibt eine große „Dunkelziffer“ an Kommilitonen, die psychologische Betreuung jedweder Art in Anspruch nehmen. Man würde sich wundern, wenn die sonst so selbstsichere Kommilitonin, die jeden Morgen als erste um acht schon in der Bib sitzt oder der eloquente Kommilitone, von dem man glaubt, er sei über jeden Zweifel erhaben, bei einem Bier mal Klartext reden würden.

Ich habe selber eine tragische Geschichte miterlebt und lange überlegt, ob es pietätlos ist, sie hier zu präsentieren. Aber ich erhoffe mit davon, dass sie  Jurastudenten hilft, sich mit ihrer Angst weniger alleine oder als verängstigte Versager zu fühlen oder sich früh genug um Hilfe zu bemühen.

Ich habe in meinem Studium eine Kommilitonin und später gute Bekannte kennengelernt. Sie war Erstimentorin und hat mir mit Ratschlägen auch darüber hinaus in der ersten Hausarbeit und den ersten Klausuren mit einer Engelsgeduld und viel knowhow zur Seite gestanden. Sie war immer in der Bibliothek, bekannt bei allen Professoren und bei ihren Mitstudenten als echte Leistungsträgering respektiert. Jeder wusste: da lernt eine, die sich mit aller Leidenschaft ins Studium stürzt und mal ein Traumexamen hinlegen wird. Was wir nicht ahnten, ist, dass der Erfolgsdruck für sie so unerträglich wurde, die Prüfungsangst sie derart übermannte, dass sie sich einen Tag vor ihrem Staatsexamen das Leben nahm. Für uns alle unverständlich, war sie doch ein tolles Mädchen und eine ausgezeichnete Studentin. Was ihre ureigensten Beweggründe für diese unfassbare Tat waren, kann man heute nicht genau sagen. Aber da sie genau einen Tag vor Beginn ihrer Kampagne den Entschluss fasste, sich das Leben zu nehmen, war sogar für eine große deutsche Boulevardzeitung der wahre Grund schnell ausgemacht und sie titelte mit ihren bekannten roten Lettern: Prüfungsangst. Ich bin mir fast sicher, dass dieser Umstand tatsächlich ein wesentlichen Ausschlag für diese Tat gegeben hat. Einmal mehr wird hier deutlich, dass diese Angst jeden überkommen kann. Jeden. Auch die sehr guten, die ihren ganz eigenen Erfolgsdruck haben, den sie sich auferlegen und dann auf die Familie, Professoren oder Kommilitonen projezieren.

Ich denke heute noch sehr oft an diese außergewöhnliche Person, der man das wie so vielen niemals angesehen hätte.  Ihre äußere Selbstsicherheit war bemerkenswert. Während ich im geheimen meine inneren Zweifel hegte.

Heute weiß ich, dass wer durch die Examensvorbereitung so ganz ohne Zweifel kommt, etwas falsch gemacht hat. Jeder kommt früher oder später an diesen Punkt. Die entscheidende Frage ist also viel mehr, wie man mit den temporär aufkommenden Zweifel umgeht.

Wenn sie zu groß werden, scheut euch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich habe mal von einer Bekannten von mir, die selbst Therapeutin ist, gehört, dass einen Großteil des Therapeutenklientel Doktoranden oder Examenskandidaten ausmachen. Das Stammklientel vieler Therapeuten sind demnach Personen, die das Leben eigentlich toll meistert, dem aber eben am Ende eines Lebensabschnitts erhebliche Zweifel kommen, ob und wie es weiter gehen soll.

Ob es gleich eine Verhaltenstherapie, eine Psychoanalyse oder kurzfristige Gesprächstherapie sein muss, vermag ich als Laie nicht per Ferndiagnose zu beurteilen. Vielleicht genügt auch ein klärendes Gespräch mit engem Vertrauten. Das sollte jeder für sich entscheiden. Oder man eruiert in ein paar wenigen Sitzungen mit einem vertrauenswürdigen Therapeuten, der auf diesem Gebiet bewandert ist, welche optimalen Lösungswege es in dieser Situation gibt.

Erste Hilfe gibt es an der HU bei der psychologischen Beratung:

Holger Walther holger.walther@uv.hu-berlin.de

und an der FU in der Brümmerstraße 50 (am Thielplatz):

Email: psychologische-beratung@fu-berlin.de

Damit in Verbindung steht ein weiteres Dauerbrennerthema, das eher hinter vorgehaltener Hand aber sehr rege diskutiert wird:

Doping: ja oder nein?

Ich selber habe unzählige Berichte und Selbstexperimente über das vermeintliche Wundermittel und den Geheimtipp für Examenskandidaten schlechthin gelesen: Das Medikament Ritalin.

Nach allem, was sich da so findet, wusste ich: Das wollte ich haben. Das sollte es sein. Mein Garant für eine nonstop-konzentrierte Examensvorbereitung. Deshalb habe ich alle Hebel versucht in Bewegung zu setzen und mit verschiedenen Tricks und Kniffen meinem Wundermittel näher zu kommen. Ich habe es in ganz Berlin nicht ohne medizinische Indikation bekommen – und das ist auch gut so!

Parallel habe ich über Amphetamine gelesen, um wach und leistungsstark zu bleiben. Diese gibt es in medizinischer Form (zum Beispiel als Tablette: Captagon). Ein Medikament von dem mir sogar mein jahrelanger Hausarzt einst beichtete, dass sich sein ganzer Examensjahrgang seinerzeit aufputschte.

Insgesamt muss man aber nach solchen gedanklichen Ausflüchten zwingend zu dem einen Ergebnis kommen: Chemische Aufputschmittel sind allesamt nicht zu empfehlen. Dafür gibt es gerade im Hinblick auf das Juraexamen auch einen handfesten Grund: Auf Dauer – und Examensvorbereitung ist ein zu langer Zeitraum – kann man diesen Leistungspegel nicht aufrecht halten. Und kurzfristige Experimente à la „die letzten Tage vor dem Examen probiere ich mal diese Pille“ sind für das, was auf dem Spiel steht, viel zu riskant!

Zudem ist die Suchtgefahr nicht zu unterschätzen.

Ergo: Auch wenn jeder Kandidat, der das Beste aus sich rausholen möchte, im Laufe der Vorbereitung mit solchen Substanzen liebäugelt, um nach einem langen Studium dem Traumberuf näher zukommen, solche Gedanken hegt: Durch ein solches Experiment verkehren sich die Chancen auf ein gutes Examen ganz schnell ins Gegenteil.

PS: es gibt dieses Leben jenseits des Examens und da möchte man auch noch mit einem gesunden Körper und Geist durch wandern.

Aber es gibt dennoch eine gute Nachricht. Es gibt sie: Ein paar „natürliche Freunde“.

Gerade Substanzen wie Lecithin (Burlecithin ist ein weiterer weitaus gesünderer Geheimtipp meines Arztes aber auch vieler anderer Mediziner, wenn sie an ihr Studium zurückdenken), Gingko oder Ginseng erhöhen die Merkfähigkeit. Diese natürlichen Substanzen kann man in jeder Drogerie oder Apotheke bekommen und bei Einhalten der Höchstmenge ist mit Nebenwirkungen nicht zu rechnen. Und auch diese Präparate halten, was sie versprechen, was die Konzentrationsfähigkeit, die Wachheit und die Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum angeht.

V. Zu guter Letzt: Ein paar Berlin-Spezifika

Besser früher als später stellt sich die Frage: Wo lernen?

Die FU-Studenten präferieren neben ihrer Fachbereichsbibliothek oftmals das „Brain“ (in der Habelschwerdter Allee; U Thielplatz bzw. Dahlem Dorf). Die Bibliothek ist eine freundliche und helle Location. Wenn man für kreative Pausen während des Lernens gerne im Grünen wandert und mal Luft holen möchte, ist Zehlendorf eine gute Adresse. Aber auch die Fachbereichsbib oder die der BWLer gleich nebenan eignet sich gut, da sie relativ leise sind.

Die HUler haben ebenfalls die Qual der Wahl: Wenn ihr eine fruchtbare und effektive Lernatmosphäre sucht, solltet ihr in die komplett eigene Atmosphäre der Grimm abtauchen. Die spezifische Atmosphäre zeichnet sich durch die vom Bau vorgegebene Kühle und Funktionalität aus. Diese hochmoderne Bibliothek ist nicht für Jedermann. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Bau so meine Probleme hatte. Da es sich um die Universitätsbibliothek handelt, findet man auch nur bedingt Bücher, aber in der Examensvorbereitung hat jeder in der Regel seine eigenen Unterlagen, in Form von Fälle bzw. Karteikarten und muss nur gelegentlich auf eine gutausgestattete Lehrbuchsammlung zurückgreifen. Die Standardwerke jedenfalls gibt es auch dort. Aber diese Funktionalität erzeugt eben ihre eigene sehr dynamische Lernatmosphäre. Für die Fuler unter euch oder sogar Leser von der Uni Potsdam dürfte hier noch erwähnenswert sein, dass die Grimm von 9-19 Uhr eine sog. HU Homezone hat. Das heißt, dass es den HU Studenten in dieser Zeit vorbehalten ist, die Arbeitsplätze in der 2. bis 4. Etage zu nutzen.

Ansonsten rate ich persönlich, wenn einem die Lernmüdigkeit überkommt und man in seiner gewohnten Umgebung feststellt, dass die Konzentration nachlässt und man vermehrt gedanklich abschweift, dazu, die Umgebung zu ändern. In einer anderen Umgebung ist alles neu, die Sinne werden wieder für andere Gerüche und andere optische Reize geschärft. Man ist wieder wacher, aufnahmefähiger.

Gerade in Berlin wimmelt es von kleinen, gemütlichen Bibliotheken. Viele von uns hatten während der Vorbereitung Phasen, in denen sie keine Mitleidenden ertragen konnten. Entweder, weil diese ihnen durch die eigene Angst die Situation fast unerträglich vor Augen führten, aber auch, weil diese Spezies niemals schweigender vermeintlicher Superbrains immer wieder mit der Frage nach den neuesten Urteilen oder einer ernüchternden Bestandsaufnahme des Erlernten jede Hoffnung und jedes Selbstbewusstsein in Grund und Boden analysierten. Empfehlenswert ist es, sich dann mit seinem Schönfelder und seinen Lernunterlagen in andere Fachbereichsbibliotheken zu setzten, nach Hause zu gehen oder in die Stadtbibliotheken der jeweiligen Bezirken abzutauchen. Hier findet man Ruhe vor den Ewignervenden und die Konzentration erhöht sich automatisch wieder. Am Besten ihr schnappt euch eine Freundin oder einen Freund, der ebenfalls eine Abwechslung braucht, und mit dem ihr dann die Pausen verbringen könnt.

Natürlich gibt es auch diejenigen, die den immer gleichen Trott brauchen. Für die wäre es ineffektiv, sich zum Bibliothekshopping zu zwingen. Dann würde gerade dadurch eine Ablenkung geschaffen. Und da kommen wir wieder zu dem wichtigsten Punkt in der Examensvorbereitung:

Die Examensvorbereitung ist, wie gesagt, eine Zeit, in der ihr ganz besonders mit der inneren Stimme in euch in Kontakt treten müsst. Hierbei handelt es sich nicht um esoterisches Gedöns. Aber wie relevant das innere Wohlbefinden für die Abschlussnote ist, ist kaum zu unterschätzen. Es werden viele Kommilitonen Ratschläge erteilen, die sicherlich gut gemeint sind. Wenn es aber eurer momentanen Situation nicht entspricht, dass ihr einen netto Workload von 9-10 Stunden habt, dann kann das demjenigen noch so viel bringen. Für euch sind vielleicht fünf Stunden mit fünf 10-minütigen Pausen die optimale Vorbereitung. Und das kann sich dann auch wieder nach zwei Monaten spontan ändern. Und ob ihr abends noch im Berghain oder Watergate feiern geht, um eure Anstrengung weg zu tanzen, oder um 21 Uhr im Bett noch einen nichtjuristischen Groschenroman lest, kann auch keiner verurteilen oder gut heißen. Wichtig ist, dass ihr euren Weg findet, um mit dem Stress umzugehen.

Zum Schluss noch: Wohin mit dem ganzen Lernbalast. Wo finden die acht schriftlichen Prüfungen denn statt?

Das hängt natürlich davon ab, wie viele Kandidaten sich für diese Kampagne anmelden. Natürlich ist die eine feste Adresse die Senatsverwaltung für Justiz in der Salzburger Strasse 21-25 in Schöneberg (das GJPA-Gebäude). Ein weiterer Ort, an dem ihr die Schriftlichen ablegen könnt, ist die Polizeidirektion 2 in der Charlottenburger Chaussee 67 in 13597 Berlin. Hier habe ich übrigens geschrieben und war dafür sehr dankbar. Denn die Tatsache, dass man in der Polizeimensa schreibt, nimmt einem irgendwie die ungesunde Ehrfurcht vor den anstehenden Prüfungen. Die Damen und Herren, die einem in der Zeit überwachen, tun ihr Übriges. Sie sind nett, zuvorkommend und äußerst verständnisvoll für die Horde kopfloser Studenten, die um ihr Leben schreiben. Das trifft natürlich auch für diejenigen in anderen Räumlichkeiten zu. Allesamt bemühen sich um eine gute und ruhige Schreibatmosphäre und nehmen einem die Angst vor dem großen Unbekannten.

Falls euch der Artikel geholfen hat, würde ich mich über ein Feedback freuen. Natürlich stehe ich euch auch für weitere Fragen oder Anregungen zur Verfügung.

Ich wünsche euch jedenfalls maximalen Erfolg und das nötige Quentchen Glück!

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VI. Anmerkungen

Zur Ergänzung siehe auch die Kategorien Examensvorbereitung sowie Juristische Ausbildung.

Jura Individuell informiert Sie über das juristische Studium vom ersten Semester bis zum zweiten Staatsexamen. Lesen Sie daher unsere nützlichen Artikel zur Motivation im Studium, über die Organisation und Struktur im Jura-Studium  und was man gegen Lernprobleme machen kann. Außerdem beschäftigen sich unsere Artikel mit den Themen  des richtigen Lernens im Studium, dem Schutz gegen Überarbeitung  (Burnout) und wie man sich verhalten sollte, wenn man durch eine Prüfung durchgefallen ist. Weiterhin geben wir nützliche Tipps  zur Anfertigung einer Klausur oder Hausarbeit  sowie Vorbreitungshilfestellungen für die mündiche Prüfung.

Des weiteren erhalten Sie Hilfestellungen bei der Vorbereitung und Anfertigung der  Abschluss-, Schein-, Zwischenprüfungsklausuren (Zivilrecht, Öffentliches Recht, Strafrecht) und des  Staatexamen (Ablauf, mündliche Prüfung, Die Klausuren, Die Vorbereitung, Examen im Zivilrecht, Examensplan). Wir informieren Sie ebenfalls über Crashkurse zur Vorbereitung auf Klausuren und das Referendariat (Der erste Tag, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz).

Erfahren Sie mehr über die Tradition der Repetitorien, die Geschichte der modernen Universität, die Notwendigkeit der Repetitorien bei der Klausur- und Examensvorbereitung, die verschiedenen Formen von Repetitorien, den Ablauf des Individualunterrichtes sowie den Nutzen von ergänzenden juristischen Privatunterricht.

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