Burnout im Jura-Studium

Das sogenannte Burnout-Syndrom ist besonders aufgrund der immer stärkeren Leistungsorientierung in der Wirtschaft in den letzten Jahren verstärkt in den Vordergrund gerückt. Grob vereinfacht handelt es sich dabei um eine Form der emotionalen und körperlichen Erschöpfung, die durch eine nachhaltige Überanstrengung ausgelöst wird und mit einem Wort auch als Erschöpfungsdepression umschrieben werden kann. Da die juristische Ausbildung insbesondere in ihrer Endphase oft ebenfalls extreme Anstrengungen über einen längeren Zeitraum von den Kandidaten erfordert, möchte ich dieses Krankheitsbild hier gern vorstellen und einige Anmerkungen zur Prävention und Überwindung geben.

Symptome

Wie aus dem Namen ersichtlich, bezeichnet der Begriff einen Zustand des „Ausgebranntseins“. Dieser stellt sich nicht über Nacht ein, sondern ist stets der Endpunkt einer langandauernden Entwicklung, welche durch eine fortgesetzte Überbeanspruchung der eigenen Kräfte bestimmt wird. Die mit dem Krankheitsbild verbundenen Symptome sind überaus vielfältig und betreffen jeden Lebensbereich; am hervorstechendsten sind jedoch eine umfassende Erschöpfung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit, tiefgreifende Frustration, sozialer Rückzug, emotionale Taubheit und Verlust der Lebensqualität. Laut dem Diagnosebild lassen sich die Symptome in drei Hauptkategorien unterteilen:

 – Emotionale Erschöpfung

 Durch permanenten Stress sind viele Emotionen gedämpft oder überlagert und manchmal kaum noch wahrnehmbar. Manchmal spürt der Betroffene auch andere Dinge nicht mehr, wie z.B. Hunger oder Durst. Damit einher gehen permanente Gefühle der Müdigkeit, Kraftlosigkeit oder Antriebslosigkeit, oft begleitet von erhöhter Reizbarkeit und gesteigerter Aggressivität.

 – Depersonalisierung

 Durch die permanente Überlastung mit seinen eigenen Problemen versucht der Betroffene oft, andere nicht mehr so nah an sich heranzulassen, um von ihren Schwierigkeiten nicht auch noch belastet zu werden. Die Folge ist das Schaffen einer emotionalen Distanz zu den meisten anderen Personen, die sich in Teilnahmslosigkeit, Zynismus und sozialem Rückzug manifestieren kann.

– Misserfolgserlebnisse

Oft haben die Betroffenen den Eindruck, dass sie trotz permanenter Überbelastung mit ihren erbrachten Leistungen kaum etwas ausrichten können. Das kann viele Ursachen haben, wie etwa das Fehlen von Erfolgserlebnissen, mangelhafte Selbstwahrnehmung sowie die ständige Veränderung und/oder das Anwachsen der Leistungsanforderungen. Die gesteigerte soziale Distanz verstärkt regelmäßig das Problem, da der Betroffene sich von seinem Umfeld entfremdet und nicht mehr hinreichend auf die Erwartungen eingehen kann, die dieses an ihn stellt.

Ursachen

Wie genau kommt es dazu? Vereinfachend lässt sich sagen, dass die als Burnout-Syndrom umschriebenen Symptome ihre Ursache in einem tatsächlichen und subjektiv empfundenen Missverhältnis zwischen den an den Betroffenen gestellten Anforderungen und den ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen in Bezug auf Leistungs- und Regenerationsfähigkeit über einen langen Zeitraum haben. Damit verbunden ist fast immer ein Gefühl der Ohnmacht, dem Gefühl, dem Druck ausgeliefert zu sein, ohne genug Anerkennung oder Entlohnung dafür zu erhalten. Das löst einen langsamen Prozess aus, bei dem immer mehr Ressourcen für die Aufgabe aufgewendet werden müssen, weiterhin zu funktionieren und zu versuchen, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden, während sich durch die beständige Überforderung die dazu zur Verfügung stehenden Kräfte immer weiter vermindern. Damit einher geht eine immer stärkere Belastung des Nervensystems durch fortdauernden und immer stärkeren Stress, bis irgendwann endgültig keine Kraft mehr vorhanden ist und ein Zusammenbruch droht. Eine eingehendere Darstellung der Symptome und Mechanismen findet sich beispielsweise in dem sehr empfehlenswerten Artikel zum Thema in der deutschen Wikipedia.

Die weitaus meisten Darstellungen des Burnout-Syndroms zielen auf permanente Überbeanspruchung im Beruf ab. Aber auch die Staatsexamina stellen für viele Kandidaten eine erhebliche Belastung dar und sind der pure Stress. Insbesondere Wackelkandidaten fühlen Versagensängste im Nacken, und selbst solche, die mit einer guten Note rechnen dürfen, bangen oft um die nötigen Bestnoten, die gute Chancen auf eine steile Karriere versprechen. Da solche Ängste bereits in der mitunter sehr ausgedehnten Phase der Examensvorbereitung eine Rolle spielen und manche Kandidaten zu gehetzter Betriebsamkeit antreiben, liegt auf der Hand, dass Burnout auch in der Examensvorbereitung eine Rolle spielen kann. Deshalb hier einige Hinweise, wie Stress und permanenter Anspannung sowie Angstzuständen entgegengesteuert werden kann.

Prävention

 Zur Bekämpfung der Symptome ist in erster Linie die Reduzierung von Stress sowie die Stärkung der regenerativen Ressourcen geeignet, d.h. Entspannungstechniken, Vermeidung fortdauernder Überbelastung, mehr Freizeit etc. Oft liegt das eigentliche Problem jedoch an anderer Stelle, z.B. in übertriebenem Perfektionismus, mangelhafter Selbstregulierung und -organisation sowie dem Drang, unrealistisch hohen Standards zu genügen.

 Studien zufolge sind Personen mit nur wenig ausgeprägter Selbstkontrolle und Willenskraft sehr viel anfälliger gegen das Burnout-Syndrom als solche mit gut entwickelter Selbstkontrolle und starkem Willen. Entsprechend liegt ein Schlüssel zur Prävention in der Stärkung der entsprechenden Fähigkeiten. Laut einem von dem Psychologen Professor Howard Gardner formulierten Ansatz setzt dies die Klärung von drei fundamentalen Fragen voraus:

a) Wer bin ich?

Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität sowie der eigenen Stärken und Schwächen behindern ein gesundes Selbstwertgefühl, eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und die Bestimmung der eigenen Ziele und Strategien.

b) Was will ich?

Klare Zielsetzungen setzen Energie frei. Wer nicht weiß, was er will, kann auch nicht mit Energie darangehen, es zu bekommen.

c) Wie erreiche ich effizient meine Ziele?

Wie lassen sich die eigenen Ziele unter möglichst geringem Zeit- und Ressourcenaufwand erreichen? Dies betrifft vor allem die Strategien zum sparsamen Umgang mit diesen Schlüsselressourcen.

Eingehendere Hinweise sowie Verweise auf weiterführende Literatur finden sich auch zur Prävention in dem Wikipedia-Artikel zum Thema.

Überwindung

Wer sich auf die Examina vorbereitet und dabei das Gefühl hat, selbst auf einen bevorstehenden Burnout zuzusteuern, sollte sich auf jeden Fall helfen lassen. Auch wenn die Examensvorbereitung eine zeitraubende und anstrengende Angelegenheit ist, die man ungern abbricht, so hat es doch keinen Zweck, den großen Sprung wagen zu wollen, wenn man an Körper und Geist völlig erschöpft ist. Viel besser ist es, zuerst das Problem zu beheben und dann einen neuen Versuch mit frischer Kraft zu wagen.

Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass es in derartigen Fällen mit so schwerwiegenden Beeinträchtigungen keineswegs ehrenrührig, sondern vielmer unbedingt erforderlich ist, die Hilfe von Psychologen oder Psychiatern in Anspruch zu nehmen. Neben einer Behandlung der Erschöpfungssymptome und der Wiederherstellung der regenerativen Fähigkeiten ist sehr darauf zu achten, dass Anforderungen und Ressourcen in Zukunft in ein besseres Verhältnis zueinander gebracht werden.

Zu guter Letzt bleibt mir nur zu sagen: macht euch nicht kaputt und bleibt gesund!

Anmerkung

Zu dieser Problematik siehe auch: Psychische Probleme im Jura-Studium

Zur Ergänzung siehe auch die Kategorien Juristische Ausbildung sowie Examensvorbereitung.

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