Das Referendariat – Zivilstation

In den meisten Bundesländern beginnt das Referendariat mit der Zivilstation. Der größte Teil der neuen Referendare kommen direkt vom Studium und hatte nur wenig Zeit sich über den Ablauf des Referendariats zu erkundigen. Daher fehlt bei vielen das Wissen, was sie im Referendariat erwartet und wie die ersten Monate von statten gehen.

Dieser Artikel soll daher einen Überblick geben, was die neuen Referendare in den ersten Monate erwartet und aufzeigen, was in der Zivilstation von dem Einzelnen erwartet wird.

Allgemeines

Grundlegend ist einmal festzustellen, dass das Referendariat in der Zivilstation zweigeteilt ist. Zum einen gibt es eine Regelarbeitsgemeinschaft, welche wie eine Lehrveranstaltung angelegt ist. Diese Regelarbeitsgemeinschaft besucht man mit allen anderen Referendaren, die zum gleichen Zeitpunkt begonnen haben. Der andere Ausbildungsteil ist die Arbeit bei einem Zivilrichter. Der Referendar wird gleichzeitig zur Regelarbeitsgemeinschaft einem Richter zugeteilt, bei welchem er die Praxis besser kennenlernen soll.

Am Anfang des Referendariats, also zu Beginn der Zivilstation, steht wie bei jeder weiteren Station eine  Einführungsveranstaltung. Diese zweiwöchige Einführungsveranstaltung besteht darin, dass prozessuale Grundlagen gelegt werden und aufgezeigt wird, wie Schriftsätze, Urteile und Beschlüsse formal ausgestaltet sind. Dies soll dazu dienen, dass der Referendar nach der Einführungswoche nicht völlig unvorbereitet zu seinem ausbildenden Richter kommt.

Einziger Unterschied zum Ablauf der Einführungswoche am Anfang des Referendariats ist, dass am ersten Tag von den zuständigen Verwaltungsmitarbeitern des Gerichtes formale Dinge besprochen werden und eine Erläuterung des gesamten Ablauf des Referendariats vorgenommen wird. Erst am zweiten Tag wird dann mit der Einführung in das Zivilprozessrecht begonnen.

Nach Ende der zweiwöchigen Einführungsveranstaltung wird der Referendar dann seinem ausbildenden Richter zugeordnet und es wird bekanntgebenen an welchem Tag die wöchentliche Regelarbeitsgemeinschaft stattfinden wird.

Die Regelarbeitsgemeinschaft

Die Regelarbeitsgemeinschaft verfolgt den selben Zweck wie die zweiwöchige Einführungsveranstaltung. Den Referendaren soll gemeinsam wichtige prozessuale Grundlagen vermittelt werden. Die Regelarbeitsgemeinschaft wird von der selben Person (meist ein Richter) geführt, die auch die Einführungsveranstaltung geleitet hat. Der Ausbilder der Regelarbeitsgemeinschaft gibt am Ende der zweiwöchigen Einführungsveranstaltung bekannt, an welchem Tag der Woche die Regelarbeitsgemeinschaft stattfindet.

In der Regelarbeitsgemeinschaft werden zusammen maximal 20 Referendare ausgebildet. Je nach Ausbildungsort können es deutlich weniger als 20 Leute sein. Es gibt auch Ausbildungsgerichte, die bei einem Durchgang weniger als fünf Referendare haben. Dies hat für die Referendare den Vorteil, dass diese besser in die Veranstaltung einbezogen werden und daher in der Regelarbeitsgemeinschaft auch mehr lernen können.

In der zivilrechtlichen Station liegt der Fokus im Zivilprozessrecht, sodass die folgenden Problematiken ausführlichst durchgesprochen werden:

Weiterhin werden neben den zivilprozessualen Besonderheiten ebenso wichtige Bearbeitungstechniken, die für den Zivilstation unerlässlich sind, durchgesprochen.

Während der gesamten Ausbildung in der Regelarbeitsgemeinschaft werden Klausuren geschrieben und es werden Aktenvorträge gehalten. Die Klausuren sind so aufgebaut, dass jeder als Sachverhalt eine gekürzte Akte bekommt, die einen Seitenumfang von circa 8 bis 15 Seiten hat. Dieser Sachverhalt wird sodann bearbeitet. Auf Grundlage des Sachverhaltes soll innerhalb von 5 Stunden ein Urteil (Tenor, Tatbestand, Entscheidungsgründe) oder ein Beschluss gefertigt werden. Der Aktenvortrag ist hingegen ein mündlicher Vortrag, der ungefähr 10 Minuten dauern soll. Auch hier bekommt man eine kurze Akte, aber nur eine Stunde zur Vorbereitung. In dieser einen Stunde Vorbereitungszeit soll für den circa 10 minütigen Vortrag eine Zusammenfassung des Sachverhalts erstellt, eine rechtliches Würdigung vorgenommen und ein Schlussergebnis formuliert werden.

Bei den Klausuren und Aktenvorträgen ist zu beachten, dass je kleiner die Gruppe ist, desto öfter Klausuren geschrieben und Aktenvortäge gehalten werden müssen. Dies hat einen großen Vorteil für das Examen, denn je öfter man einen Aktenvortrag hält und je öfter man eine Klausur schreibt, desto sicherer wird der Einzelne bei der Bearbeitung der jeweiligen Problematik. Deshalb ist es gerade  unter diesem Aspekt sehr ratsam zu schauen, an welchen Gerichten nicht so große Gruppen für das Referendariat gebildet werden.

Die Regelarbeitgemeinschaft soll nicht nur die eben aufgezeigten Stoff näher bringen, sie soll auch dazu dienen, dass die Referendare ihre Erfahrungen und Probleme, die sie während der praktischen Ausbildung bei ihrem zugeteilten Zivilrichter haben, miteinander teilen. Dieser Austausch zwischen den Referendaren ist für den Einzelnen sehr hilfreich, weil so bei eigenen praktischen Arbeit Fehler vermieden werden können.

Die Arbeit beim Richter

Nachdem man die Einführung absolviert, wird man, wie bereits erläuert, einem Zivilrichter am Land- oder Amtsgericht zugeordnet, der einem den praktischen Alltag der Zivilgerichtsbarkeit nahebringen soll.

Zu Beginn der Arbeit mit dem zugeteilten Richter wird zunächst abgesprochen, wann der Richter seine Sitzungstage hat und ob der Referendar an einem oder mehreren Sitzungstagen anwesend sein soll. Ist dies geklärt, wird der weitere Ablauf abgestimmt. Die meisten Richter geben immer eine Wochenaufgabe, das heißt, der Referendar bekommt eine Akte und muss diese bearbeiten. Außerdem wird es bei den meisten ausbildenden Richtern so gehandhabt, dass der Referendar ein Tag vor dem Sitzungstag oder dem letzten Sitzungstag die Akten für den kommenden Sitzungstag anschaut. Einige Richter sprechen sodann die Akte für den nächsten Verhandlungstag im Anschluss an das Aktenstudium mit dem Referendar durch, andere hingegen verzichten aus Zeitgründen darauf.

Bei der Bearbeitung der Akten gibt es verschiedene Aufgabenstellung. Eine Aufgabenstellung besteht darin den nächsten Schritt des Verfahrens durch das Studium der Akte herauszubekommen. Dabei kann man zu dem Ergebnis kommen, dass die Akte entscheidungsreif ist und man folglich ein Urteil mit Tenor, Tatbestand und Entscheidungsgründen schreiben muss. Kommt man hingegen zu der Auffassung, dass noch Beweise erhoben werden müssen oder Hinweise erteilt werden müssen, so muss ein Sachbericht, Gutachten und Beschluss gefertigt werden. Eine weitere  Aufgabenstellung besteht darin, dass eine Güterverhandlung oder Zeugenvernahme vorbereitet werden soll.  Auch dabei muss die Akte gründlich studiert werden. Bei der Vorbereitung einer Güteverhandlung ist es wichtig, dass man die Problematik des Sachverhaltes darstellt und sodann eine rechtliche Würdigung zum derzeitigen rechtlichen Stand vornimmt. Soll eine Beweisaufnahme hingegen durchgeführt werden, muss ebenfalls der Akteninhalt sorgsam betrachtet werden. Wichtig ist hierbei aber, dass man sich den Beweisbeschluss des Richters, zu welchem der Zeuge oder Sachverständige geladen worden ist, genau durchliest und dann eine Strategie entwickelt, wie man die Verhandlung leitet und welche Fragen man bei der Vernahme stellt.

Während der praktischen Ausbildung müssen daher verschiedene Urteile, Sachbericht, Gutachten und Beschlüsse angefertigt sowie Aktenvorträge gehalten werden. Am Ende der Station wird dann eine Relation angefertigt. Dazu wird einem vom Richter eine anspruchsvolle Akte zugeteilt und man muss dazu einen Sachbericht, ein Gutachten und ein Endergebnis, also ein Urteil oder Beschluss, formulieren.

Die einzelnen Bearbeitung des Referendares werden dann vom Richter bewertet und am Ende des Referendariarts bekommt man eine Gesamtbewertung.

Der Referendar soll durch die Teilnahme an den Sitzungen, dem Studium der Akten und der Bearbeitung der Akten den Ablauf der Zivilgerichtsbarkeit verstehen, aber vor allem durch das Schreiben von Urteilen und die Anwendung des Zivilprozessrechtes eine gute Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen haben.

Lernplan

Am Anfang der Zivilstation sollte sich jeder Referendar schon eine Einteilung der Arbeit vornehmen, um die Station gut absolvieren zu können. Zur Aufstellung eines Lernplanes ist es daher wichtig, zu schauen an welchem Tag die Regelarbeitsgemeinschaft stattfindet und an welchem Tag der Sitzungstag beziehungsweise die Sitzungetage sind. Hat man diese Tage ermittelt, so sieht man an welchen Tagen man Zeit für die Bearbeitung der wöchtenlichen Akte hat und wann Zeit für das Lernen zivilprozessualer Problemstellungen ist.

Für die Bearbeitung der wöchentlichen Akte sollte der Referendar zwei bis drei Tage einplanen. Zu Beginn der Station eher drei Tage, weil viele Formalien noch erarbeitet werden müssen.

Wieviel Zeit man sich nimmt, um materielles und prozessuales Zivilrecht zu lernen, kommt auf den Lerntyp an und auf die ausbildenden Richter. Die Richter nehmen sich für die Ausbildung der Referendare sehr unterschiedlich Zeit. Einige Richter nehmen sich soviel Zeit für den Einzelnen, dass der Referendar nur wenig nacharbeiten muss, da der Richter vieles erklärt und auch wiederholt. Es gibt aber auch Richter, die nicht die Zeit haben, sich internsiv um ihren Referendar zu kümmern und so eine große Eigentintiative des Referendares verlangt wird.

Auch die Regelarbeitsgemeinschaft kann verschieden durch den Ausbilder gestaltet werden. Der eine gestaltet einen intensiveren Kurs, der andere behandelt nur oberflächlich die jeweilige Materie.

Je nachdem muss man für das Lernen des Zivilrechts einen halben Tag bis zwei Tage einplanen. Was jedem Referendar zu raten ist,  die Regelarbeitsgemeinschaft vor- und nachzubereiten, sodass man zum einen gut mitarbeiten kann und zum anderen keinen Lücken anhäuft.

Insgesamt sollte jeder Referendar aber daran denken, dass mindestens ein Tag in der Woche zur Erholung genutzt wird. Denn die Gefahr von Überarbeitung und schlimmsten Falls einem Burnout ist im Referendariat sehr schnell möglich.

Probleme in der Zivilstation

Viele Referendare sind gerade am Anfang des Referendares mit der Gesamtsituation überfordert. Da ist die Regelarbeitsgemeinschaft, an der man gut vorbereitet teilnehmen will und bei der regelmäßig Klausuren geschrieben sowie Aktenvorträge gehalten werden müssen. Eine gute Vorbereitung ist daher unerlässlich. Hinzu kommt aber auch noch, dass neben der Vorbereitung auf die Arbeitsgemeinschaft der ausbildene Richter jede Woche die Ablieferung eines Urteils oder eines Gutachten/Sachberichtes erwartet und die Vorbereitung des Sitzungstages durch ein ausführliches Aktenstudium voraussetzt.

Wichtig ist, wenn man mitbekommt, dass es Defizite gibt und die verlangte Arbeit nicht schafft, bereits zu Beginn der Zivilstation Hilfe sucht. Zwar hören sich vier Monate nach einem sehr langen Zeitraum an. Aber man wird sehr schnell mitbekommen, dass die Zeit sehr schnell verfliegt und durch die hohen Anforderungen sehr schnell Stoff liegen bleibt, welcher für das zweite Staatsexamen unerlässlich ist. Gute Ausbildungssysteme und Lernpläne für das Referendariat bieten Repetitoren an. Die Einzelrepetitorien stellen individuell auf den einzelnen Referendar ein Ausbildungsystem beziehungsweise einen Lernplan zusammen und unterstützen ihn bei der praktischen Ausbildung, sodass die erste Station sowie das gesamte Referendariat ohne Probleme mit guten Leistungen absolviert werden kann, ohne dass dabei Lücken in der einzelnen Station zurückbleiben, die möglicherweise dann im zweiten Examen zu verherrenden Folgen führen können.

Anmerkungen

Jura Individuell informiert Sie über das Referendariat. Lesen Sie daher unsere nützlichen Artikel zur Motivation im Referendariat, über die Organisation und Struktur, über die Überwindung von Prüfungsangst und was man gegen Lernprobleme machen kann. Außerdem beschäftigen sich unsere Artikel mit den Themen  des richtigen Lernens, dem Schutz gegen Überarbeitung  (Burnout) und wie man sich verhalten sollte, wenn man durch eine Prüfung durchgefallen ist.

Des weiteren erhalten Sie Hilfestellungen für ihr Referendariat (Der erste Tag, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz).

Wir informieren Sie ebenfalls über Crashkurse zur Vorbereitung auf Klausuren.

Erfahren Sie mehr über die Tradition der Repetitorien, die Geschichte der modernen Universität, das Beamtentum, die Notwendigkeit der Repetitorien bei der Klausur- und Examensvorbereitung, die verschiedenen Formen von Repetitorien, den Ablauf des Individualunterrichtes sowie den Nutzen von ergänzenden juristischen Privatunterricht.

 

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