Lerntipps Teil 2 – das Lernen lernen

Dieser Beitrag gibt Ihnen einen allgemeinen Überblick über bewährte Lerntechniken gerade für das juristische Studium. Er setzt den vorigen Artikel zur Motivation als Teil 2 fort und möchte Ihnen unsere Erfahrungen und Beobachtungen zum Thema erfolgreiches Lernen näherbringen. Lassen Sie sich einfach von den Tipps inspirieren und geben Sie uns gerne Feedback, was Ihnen geholfen hat. Wir haben alle Tipps sorgsam recherchiert und getestet und präsentieren Ihnen einige „Do’s“ und „Dont’s„. Auch persönliche Erfahrungen fließen in den Artikel mit ein. Am Ende stellen wir Ihnen noch Literaturtipps zur Verfügung.

Lernen

Dass Lernen ein leidiges Thema ist, müssen wir Ihnen nicht mehr sagen. Gerade in Jura stehen wir vor dem Problem, dass im Vergleich zu früheren Jahrzehnten die Stofffülle immens angestiegen ist (schauen Sie mal zum Spaß alte Buchauflagen in Ihrer Bibliothek durch und vergleichen Sie sie mit den Neuen), dabei aber die Regelstudienzeiten verkürzt worden sind, ebenso die Dauer des Referendariats. Auf eine dringend nötige Reform des Studiums kann man erfahrungsgemäß lange warten. So hilft nichts anderes, als dass man sich selbst helfen und die „richtige“ Lerntechnik zur Bewältigung des Stoffbergs finden muss. „Richtig“ ist aber relativ, weil wir alle unterschiedliche Vorstellungen und Gewohnheiten zum Thema haben. So lernen die einen lieber vormittags und die anderen in der Nacht. Es gibt aber ein paar Grundsätze, die allgemein gültig und auf jeden Lerntyp anwendbar sind.

1. Kein Bulimie-Lernen

Hüten Sie sich von Anfang an davor, in Jura auf das Kurzzeitgedächtnis vor der Prüfung zu lernen. Gerade in Jura kommt es auf langfristig erworbenes Struktur- und Grundlagenwissen an, das sich nicht von heute auf morgen im Gedächtnis verankert. Grund ist, dass unser Gehirn nicht dazu da ist, in kurzer Zeit Unmengen an Wissen abzuspeichern. Es ist ein Anwendungsorgan. Es funktioniert einfach nicht auf Knopfdruck, wenn Sie nicht gerade eine autistische Inselbegabung haben. Gelernte Informationen müssen mühsam in einen Kontext, ein Gerüst gebracht werden. Dazu sollten Sie durch kreatives Lernen beide Hirnhälften einsetzen, um eine gewisse Nachhaltigkeit zu erzeugen. Sie werden es sonst in den späteren Semestern bereuen, wenn das Grundlagenwissen schon vorausgesetzt wird und viel Neues dazukommt. Nehmen Sie sich also erst einmal Zeit und lernen Sie kontinuierlich und unabhängig davon, wie lange es noch zu den Klausuren hin ist. Das Gute daran ist, dass Sie es sich dann auch kurz vor Prüfung und Examen leisten können, mal ein paar Tage nichts mehr zu machen, ohne in Panik zu verfallen. Sie haben ja schon gelernt.

2. Wie fange ich an?

Ein Beispiel aus dem dritten Semester: Das Semester startet, am Ende sollen Sie in der Lage sein, eine Klausur im Sachenrecht, Strafrecht BT, im Verwaltungsrecht und in einem Nebenfach zu bestehen. Ein Blick in die einschlägigen Bücher verschafft schnell Ernüchterung. Auch in den dünneren Büchern warten mehrere hundert Seiten darauf, durchgearbeitet zu werden. Vom Falltraining ist da noch gar nicht die Rede. Sie haben nur ca. 15 Wochen Zeit, dann muss der Stoff sitzen. Was nun?

Verschaffen Sie sich einen Überblick und setzen Sie Prioritäten!

Zunächst sollte man in einem ersten Schritt seine Lernstrategie finden, um der Unsicherheit bezüglich der Prüfung Herr zu werden. Sie müssen sich zuerst im Klaren sein, was genau in den Klausuren zu erwarten sein wird. Hier hilft es schon viel höhere Semester oder Ihren AG Leiter (und gegebenenfalls die Professoren) um eine Einschätzung zu bitten. Was sind die wichtigsten Delikte, die wichtigsten Themen im Sachenrecht und die Klassiker, die im Verwaltungsrecht immer wieder drankommen? Suchen Sie erstmal diese Grundlagen und Meilensteine und fangen Sie damit an. Das Wichtigste hat Priorität und wird zuerst „abgelernt“. Danach, wenn Sie schon etwas mehr Verständnis haben und beruhigter sind, kümmern Sie sich um die zwar auch wichtigen, aber eben doch eher weniger oft geprüften Gebiete. Das können etwa die Grundpfandrechte im Sachenrecht sein, das Recht der öffentlichen Sachen im Verwaltungsrecht oder Nebendelikte im Strafrecht. Sortieren Sie also den Stoff erst einmal vor.

Beschaffen Sie sich gutes Material

Beschaffen Sie sich für Sie gut geeignetes Lernmaterial. Hören Sie den Empfehlungen der Professoren und AG-Leiter ruhig zu. Aber treffen Sie die Kauf- oder Leihentscheidung stets selbst. Richten Sie Ihre Entscheidung danach aus, ob Sie mit Sprache, Layout und Umfang der Bücher klarkommen und das Gefühl haben, dass dieses Skript oder Buch Sie am Ende gut auf die Prüfung vorbereitet haben wird. Sie können natürlich auch ergänzend auf unsere Artikel und Beiträge auf dieser Seite zugreifen.

Jura Individuell Tipp: Es gibt erfahrungsgemäß leider kaum Lehrbücher und Skripte, die den examensrelevanten Stoff für sich wirklich umfassend darstellen können (oder wollen). Jeder Autor hat seinen eigenen Stil und seine eigene Schwerpunkte. Legen Sie deshalb zur Kontrolle immer noch ein weiteres Werk zu Ihrem Hauptbuch dazu. Sie werden dort immer wieder nachschlagen und abgleichen und dadurch ein noch besseres Verständnis aufbauen können. Sie müssen aber nicht nur mit Skripten oder Büchern arbeiten. Wenn Sie merken, dass ein Punkt für die Klausur wichtig ist, Sie aber nicht ganz zufrieden sind mit den Lehrbuchausführungen, empfehlen wir Ihnen zwischendurch einen speziellen Beitrag zum Thema aus den gängigen Ausbildungszeitschriften (JuS, JA, Jura) rauszukopieren und durchzuarbeiten. Oder Sie drucken sich einen unserer Beiträge auf dieser Seite aus. Arbeiten Sie viel mit Aufsätzen, denn diese sind für Sie geschrieben und oft von hervorragender Qualität. So können sie durchaus ganze Lehrbuchkapitel ersetzen.

Allein oder in der Gruppe?

Hat man nun geeignetes Material gefunden stellt sich die Frage, ob man sich allein durchs Semester kämpft oder mit einer Lerngruppe arbeitet. Diese kann ergänzend oder sogar als Ersatz zur Erarbeitung eines Stoffgebietes herangezogen werden. Wenn Sie alleine lernen, sind Sie flexibler und schaffen mehr. Dafür haben Sie aber niemanden, mit dem Sie bestimmte Fragen in der Tiefe diskutieren können und der Sie kontrolliert und korrigiert. Das ist in der Lerngruppe möglich. Die erfahrungsgemäße Idealgröße besteht aus drei bis vier Gleichgesinnten. Zuviele sollten es nicht sein, da aufgrund des unvermeidlichen Klatsch und Tratsch sonst so gut wie keine Arbeit mehr möglich ist. Bewährt hat es sich, dass für jeden Termin eine Person den „Vorsitz“ übernimmt. Diese Person moderiert den zu besprechenden Fall oder den Stoff für die anderen und achtet darauf, dass alle mitkommen. Vorteil hierbei ist, dass Ihre Teamfähigkeit und mündliche Ausdrucksweise geschult wird. Sie können sich auch nicht mehr so leicht aus der Verantwortung ziehen, weil der Termin vereinbart ist. Außerdem versteht man den Stoff besser, den man anderen erklären muss. Probieren Sie einfach beide Varianten aus. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag zur Lerngruppe.

3. Ab in den Lernmodus

Wie man sich richtig motiviert behandelt Teil 1 dieses Beitrags. Um gut ins Lernen reinzukommen, sollte man sich erst einmal warmlaufen. Fangen Sie mit den Dingen an, die recht angenehm von der Hand gehen. So kann erstmal der Stoff von gestern kurz wiederholt werden oder man liest sich die Inhaltsverzeichnisse seiner Bücher durch und markiert den Teil, den man heute schaffen will.

Zeitlimits setzen – eine Wunderwaffe

Sie kennen das bestimmt: Am Freitagnachmittag fliegen Sie in den Urlaub. Bis dahin müssen noch etliche Dinge gepackt und organisiert werden. Das Ziel ist, bis Donnerstagabend fertig zu werden. Sie werden alle Hebel in Bewegung setzen, um Ihr Ziel zu erreichen. Denn danach ist ja Freizeit und somit sieht man über den jetzigen Stress nochmal hinweg. Dieselbe Taktik klappt auch beim Lernen. Wenn um 19 Uhr im Fernsehen Ihre Lieblingsserie läuft, schön! Sie können diese ja als benchmark für Ihren heutigen Lerntag nehmen. Dadurch arbeiten Sie schneller und effizienter, weil Sie Ihren Stoff bis zur Serie fertigbringen wollen. Man erzeugt  also künstliche Zeitknappheit. Die Vorteile: Mehr Motivationmehr Freizeit, mehr Struktur im Lerntag, weniger Toleranz für Ablenkungen.

4. Die Suche nach dem Global Picture und den Grundlagen

In diesem Lernschritt sollten Sie sich bewusst werden, um was es eigentlich genau geht. In Jura kommt man schnell an Grundsatzfragen. Man braucht eine Basis, auf dem das Wissen aufgebaut wird. Dadurch versteht man auch komplizierte Einzelheiten leichter, da diese auf dem Grundsätzlichen aufbauen.

Hinter jedem Rechtsgebiet stecken politische Aussagen und Ideen, die auf Missstände und Sachzwänge zurückzuführen sind und diese ausgleichen wollen. Im Zivilrecht ist das ganz große Thema der Interessenausgleich. Im Strafrecht geht es um Zurechnung. Und im öffentlichen Recht geht es um die Organisation staatlicher Macht gegenüber dem Einzelnen und dem Staat selbst, ob auf Bundes- oder Landesebene; hier spielt das Grundgesetz und seine Auswirkungen eine entscheidende Rolle. In den Untergebieten wiederum finden sich wichtige Themenkreise, die auf bestimmte Bedürfnisse und Komplexe eingehen. So will das Erbrecht einen gerechten Interessenausgleich im Todesfall schaffen. Das Arbeitsrecht will hauptsächlich den Arbeitnehmer schützen usw. Stellen Sie beim Lernen immer die Frage nach dem Warum einer Regelung. So wird der Stoff lebendiger und einprägsamer; die Details lernen sich leichter.

5. Strukturieren und Verarbeiten, dann Reduzieren

Aktiv statt passiv lernen – persönliche Erfahrung und Lehren

Dieser Schritt ist der wohl Wichtigste. Der Stoff, der in Form eines Buches, eines Skripts oder eines Aufsatzes noch quasi roh vor uns liegt muss nun verarbeitet werden. Im Grunde genommen muss man den Stoff so bearbeiten, dass er für einen selbst verständlich wird. Ich rate aus Erfahrung vom rein passiven Lesen des Stoffes ab. Das passive Lesen des Stoffes mag zwar recht schnell gehen und man hat zwar das Gefühl, etwas getan zu haben, doch es ist einfach nicht nachhaltig. Mir ist es beispielsweise auch nach dem vierten mal lesen verteilt über ein paar Semester einfach nicht gelungen, wichtige Sachen aus der ZPO ohne größere Mühe zu rekapitulieren. Auch im Arbeitsrecht habe ich eher konsumiert als aktiv gearbeitet. Ich habe es vor dem zweiten Examen aber bereut. Dahingegen habe ich beobachtet, dass in den Fächern, auf die ich Lust hatte, in denen ich mir schon im Studium eigene Zusammenfassungen erstellt habe, die Noten immer deutlich besser waren. Das Wissen blieb auch besser im Kopf hängen. Das war beispielsweise im Erbrecht, im Strafrecht BT und im Sachenrecht so. Diese Beobachtungen werden auch von Lernpsychologen bestätigt. Es müssen die wesentlichen Zusammenhänge aktiv erarbeitet und visualisiert werden. Auch die Querverbindungen zwischen den einzelnen Gebieten sind nicht unwichtig. Dadurch erzeugt man die wichtige Vernetzung des Wissens im Kopf, das sonst nur zusammenhanglos gelernt werden würde. Dies sollte eben aktiv geschehen, damit das Gehirn gefordert wird und sich neue Nervenbahnen bilden. Zusätzlich helfen Tricks der Kodierung.

Kodierung bedeutet, dass man versucht, komplexe Prüfungsabfolgen in einfache Worte zu kleiden. Ein Beispiel: Wir müssen uns die Voraussetzungen der Rechtsscheinvollmacht merken. Diese sind: Rechtsschein, Zurechenbarkeit, Schutzbedürftigkeit des anderen Teils, Kausalität des Rechtsscheins. Bildet man aus den jeweils ersten Buchstaben ein Kunstwort, erhält man „ReZuSchKa“ . Und schon kann man sich diese Voraussetzungen viel leichter merken. Auch Skizzen kann man manchmal malen (etwa ein größerer Kreis für den prozessualen Tatbegriff nach § 264 StPO, in dem ein kleinerer Kreis auftaucht, der etwa eine materielle Tat innerhalb dieses Geschehens abbildet).

Eine weitere gute Empfehlung stammt von Professor Gregor Kirchhof: Er rät dazu, beim Lernen stets mit dem Gegenbegriff der zu erlernenden Rechtsfigur zu arbeiten. Dadurch schlägt man Pflöcke für das eigene bessere Verständnis. Beispiel aus dem Wirtschaftsverwaltungsrecht: Zu lernen ist der Begriff des „Gewerbes“. Die Merkmale mit ihren jeweiligen Gegenbegriffen in Klammern sind 1. Erlaubte Tätigkeit (also nicht verboten), 2. Gewinnerzielungsabsicht (also eben nicht die Verfolgung eines gemeinnützigen Zwecks), 3. Dauerhaftigkeit (also nicht nur gelegentliche Tätigkeit), 4. Selbständigkeit (also nicht Handeln in fremdem Namen und auf fremde Rechnung), 5. Keine Urproduktion (also ein komplexerer, nachgelagerter Vorgang der Verarbeitung o.ä.), 6. Kein freier Beruf (also ein Beruf der „normalen“, fortgesetzt arbeitenden Bevölkerung mit Gewinnerzielungsabsicht), 7. Keine Verwaltung eigenen Vermögens (sondern ein Vorgang, der nicht mehr als üblich und angemessenen in diesem Bereich betrachtet wird). Sie sehen, dass der Stoff auf diese Art plastischer wird und man zu besseren Ergebnissen bei der Subsumtion kommt.

Experimentierfreude!

Im Grunde genommen steht es uns aber frei, wie wir den Stoff angehen. Das ist beruhigend, weil wir selbst entscheiden können, wie wir den Stoff verarbeiten wollen. Sklavische Arbeit muss nicht sein. Einzige Vorgabe ist, dass es aktiv geschehen sollte, mit einem Schuss Leidenschaft und Experimentierfreude. So arbeitet unser Hirn am erfolgreichsten. Wie könnte man das konkret ausgestalten?

Bewährt hat sich nach meinen Beobachtungen und aus eigener Erfahrung folgendes:

Viele schwören auf Karteikarten. Diese strukturieren den Stoff gut vor. Meines Erachtens braucht man hierfür aber Übung, da man sonst auch unwichtige Dinge auf eine Karte packt und der Stapel schnell unheilvoll in die Höhe wächst. Wenn jemand das erfolgreich macht, sollte man ihn fragen, wie er das genau anstellt und es auch mal ausprobieren.

Ausgiebig getestet habe ich vor dem ersten Examen Mindmaps. Dazu kann man sich gut im Internet oder kleinen Büchern informieren. Diese helfen, den Stoff in klaren Hierarchien abzubilden. Es macht Spaß, sie zu zeichnen und dadurch geht das Lernen leichter von der Hand. Sie versagen aber leider, wenn es um tiefere Streitdarstellungen geht oder man mehr Platz für Definitionen o.ä braucht.

Im Referendariat habe ich dann auf die Erstellung sogenannter „gegenkommentierter Zusammenfassungen“ gewechselt. Damit bin ich gut gefahren. Das Konzept bedeutet aber Zeitaufwand und Arbeit. Es funktioniert so: Anhand eines guten und vertrauenswürdigen Skripts oder Buches erstellt man auf leeren Blättern Zusammenfassungen. Man schreibt sich immer die Kernaussagen raus und nummeriert die Blätter durch. Hilfreich ist es natürlich, wenn das Buch schon im Fettdruck hierfür Vorgaben macht (Beispiel: Das ausgezeichnete Erbrechtslehrbuch von Leipold). Kapitel für Kapitel wird das Wichtigste festgehalten, während man dazu im Gesetzbuch mitliest. Bei der Wiederholung der eigenen Zusammenfassungen werden dann wichtig erscheinende Punkte nochmals mit einem Leuchtstift markiert. Damit ist der Stoff schonmal zweimal komprimiert worden. Das spart Zeit für das spätere Wiederholen. Das Gehirn wird aktiv, weil man schreibt und dabei mitdenken muss, wie man den Buchtext z.B. kürzer formulieren könnte. Zugleich versteht man den Stoff besser, weil man mehrkanalig arbeitet und der Buchautor lange, flüssige Erklärungen bringt. Am Ende ist man stolzer Besitzer seiner eigenen Zusammenfassungen. Diese sind lose Blätter, die man zu einem Skript zusammenfasst (durch Abheften).

Vorteil daran: Man kann problemlos weitere Übersichten und Zusammenfassungen aus anderen Büchern, die man gut findet, kopieren und einfach an die passende Stelle im Skript beifügen. Das war aber noch nicht alles. Um den Lernerfolg abzusichern und das Skript noch besser zu machen, sollte man sich jetzt eine Reihe repräsentativer Klausuren zum Themengebiet beschaffen. Diese arbeitet man durch und schreibt sich dann mit einem Stift in anderer Farbe weitere Erkenntnisse aus den Fällen in sein Skript an die betreffende Stelle hinein (Gegenkommentierung). Das hat den Vorteil, dass man den Stoff auch in der Fallanwendung erlebt hat. Das Wissen wird von einer anderen Perspektive gelernt und wiederholt, das Skript weiter vervollständigt. Auf die erste Seite des Skripts notiert man sich dann, wieviele Klausuren in das Skript schon eingearbeitet sind (Strichliste).

Kurz vor der Klausur wiederholt man dann in Windeseile an einem Tag anhand seiner Zusammenfassungen ein ganzes Rechtsgebiet, und zwar gründlich. Man kann sich durch die Methode auch ganze Vorlesungen schenken, in denen man nur passiv Stoff durch Zuhören konsumieren werden würde. Ferner weiß man, dass das Skript eine ganze Menge Stoff aus der Theorie und den Fällen bündelt. Nirgendwo wird man etwas Besseres finden für die Prüfungen als sein eigenes gegenkommentiertes Skript. Das verschafft einem das im Jurastudium seltene Gefühl, ein Rechtsgebiet tatsächlich erfolgreich abschließend bearbeitet zu haben. Tatsächlich fielen die Klausuren in den Fächern, in denen ich das getestet habe, fast durchweg sehr erfolgreich aus.

Jura Individuell Tipp: Diese Hinweise sind natürlich vollkommen unverbindlich. Es ist auch schwer durchzuhalten und für alle Rechtsgebiete solche Taktiken zu fahren. Manchmal hat man darauf einfach keine Lust oder keine Zeit mehr dafür. Dann sollte man sehen, wo man stärker aufgestellt sein will und wo man meint, auch mit eher passiverem Lernstil gut durchzukommen. Zusammenfassend, nach sieben Jahren Lernen und Ausprobieren, kann ich aber guten Gewissens empfehlen, zum Lernen immer diese oder eine ähnliche Art der „Salamitaktik“ zu fahren. Häppchen für Häppchen messbar zum eigenen Skript und Erfolg. Man geht dadurch kleine, machbare Schritte, kommt gut vorwärts und ist dadurch auch motiviert weiter zu machen. Sie müssen also kein Zauberer oder keine Intelligenzbestie sein, der alles zufliegt. Sie schaffen das auch so!

 6. Wiederholung und Training

In regelmäßigen Abständen, die am Anfang tendenziell kürzer sind und mit der Zeit länger werden, sollte man seine Zusammenfassungen noch einmal durchgehen. Dadurch verfestigt sich der Stoff im Gehirn. Erstaunlicherweise stolpert man so auch immer wieder über Fragen und Punkte, die einem vorher noch nicht so ganz klar waren, dann aber im Kontext mit dem schnell wiederholten restlichen Stoff leichter verständlich werden. Sie sollten auch schauen, dass Sie immer wieder mal eine Klausur zum Themenkomplex mitschreiben, um auch in der Klausurenpraxis des jeweiligen Faches in der Übung zu bleiben.

7. Lernzeiten und Pausen

Pausen und Entspannung

Lernen ist geistige Schwerstarbeit. Ab einem gewissen Punkt, üblicherweise nach 60 Minuten Dauerkonzentration, sinkt die Denkfähigkeit ab. Ab diesem Punkt sollte eine zehnminütige Pause eingelegt werden. Auch ist es nach meiner Erfahrung nicht sinnvoll, am Tag netto mehr als sechs Stunden zu lernen, auch dann nicht, wenn man aufs Examen lernt. Geht man darüber hinaus, hält man das nicht allzu lange durch. Das Jurastudium gleicht eher einem Marathon, bei dem man seine Kräfte einteilen sollte. Kurzfristige Sprints (8h Lerntag aufwärts) sollten zur Kraftschonung die Ausnahme bilden.

Es müssen immer wieder Pausen gemacht werden. Auch das Wochenende sollte nicht mit zu viel Lerntätigkeit aufgeladen werden. Wir dürfen nicht den Fehler machen und meinen, in Pausen sind wir unproduktiv. Im Gegenteil: In diesen Phasen kann unser Kopf das Gelernte verarbeiten und verfestigen, wir lernen weiter.

Geeignete Lernzeiten

Auch wenn jeder individuell bei der Gestaltung seines Lerntages vorgeht, empfiehlt es sich, die Lernzeiten um die biologischen Leistungshochs zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr und zwischen 14.00 Uhr und 17.00 Uhr zu legen. Erfahrungsgemäß schlecht ist es auch, direkt nach dem Mittagessen weiterzulernen. Durch die Verlagerung des Blutes vom Kopf in Magen und Darm kommt es hier zum berühmten Fresskoma. Ruhen Sie sich nach dem Essen also lieber ein wenig aus.

Sport

Die Wichtigkeit von Sport und körperlicher Betätigung im Jurastudium kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wir werden dadurch entspannter, belastbarer, aufnahmefähiger und genießen mehr Lebensqualität. Auch Haltungssschäden vom vielen Sitzen können so vorgebeugt werden. Fragen Sie sich also, wie Sie Ihre Lernwoche durch ein effektives Sportprogramm erfolgreich abrunden können.

8. Literaturtipps/Quellen

Barbara Lange: Jurastudium erfolgreich, 7. Auflage 2012

Krengel, Martin: Bestnote – Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren, 2. Auflage, Berlin 2012

ders: Golden Rules – Erfolgreich lernen und arbeiten: Alles, was man braucht, 4. Auflage 2013

Wolfgang Fasching: Mental fit im Alltag – 111 Mentaltipps zum praktischen Anwenden, 3. Auflage 2010

Spiegel-Magazin (Nr. 32/1.8.2015): Titelthema- „Schnell im Kopf- Hirnforschung: Wie Bewegung das Denken verbessert“, S. 90-97.

Wissenswert: Wie wir lernen

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