Uni Hamburg Jura

I. Hamburg, das Tor zur (Jura-)Welt

Hamburg, die zweitgrößte Stadt Deutschlands, ist eine moderne Großstadt am Wasser. Benannt nach der im 8. Jahrhundert erbauten Hammaburg, entwickelte sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte stetig zum größten Seehafen Deutschlands. Hamburg liegt an der Elbe, etwa 100 km landeinwärts ihrer Mündung in die Nordsee. Die Stadt wird von den beiden Nebenflüssen Alster und Bille sowie einer Vielzahl von Kanälen durchzogen, wodurch Hamburg mehr Brücken als Venedig hat. Das Freizeitangebot auf dem Wasser ist dementsprechend vielseitig. Prägend für das Stadtbild sind die vielen Türme der zum Teil sehr alten Kirchen und des Rathauses in der Hamburger Innenstadt. Dabei sticht besonders die Hauptkirche St. Michaelis, zärtlich „Michel“ genannt, hervor. Von seinem Turm aus hat man den besten Blick auf das Herz der Stadt: einerseits Stadtkern, Binnen- und Außenalster sowie St. Pauli und die Reeperbahn, andererseits den Hafen mit den riesigen Kränen wie auch Container- und Kreuzfahrtschiffen.

Die Elbphilharmonie direkt am Ende des neuen Stadtteils Hafencity war bereits vor BER ein Synonym für explodierende Baukosten – ist aber ebenfalls ein Zeichen für Hamburg als Kulturstadt. Als Standort der ersten deutschen Oper am Gänsemarkt ab 1678 bemüht sich die Stadt heute mit einer Vielzahl an Theatern, Musicaltheatern und Konzertsälen auch ein Angebot für Studierende zu schaffen. Diese erhalten im Wintersemester Eintrittskarten zu wirklich bezahlbaren Preisen.

II. Universität

Die Universität Hamburg wurde 1919 gegründet und ist mit über 40.000 Studierenden eine der größten Hochschulen Deutschlands. Der Campus liegt zentral im eher schicken Stadtteil Rotherbaum, mit dem Hauptgebäude direkt am Fernbahnhof Hamburg Dammtor. Einige der acht Fakultäten haben aber auch Gebäude in anderen Stadtteilen.

III. Juristische Fakultät

1. Gebäude

Das Gebäude der juristischen Fakultät, das „Rechtshaus“, befindet sich an der Rothenbaumchaussee 33 mit einem weiteren Eingang zur Schlüterstraße. Hierdurch gelangt man direkt zum Auditorium der Universität und dem restlichen Campus. Das Gebäude ist überwiegend ein recht praktischer Bürobau, vermutlich aus den 1970er Jahren. Das Erdgeschoss und das Untergeschoss sind jedoch renoviert und mit modernen Seminarräumen und einem großen Hörsaal ausgestattet. Direkt an das Foyer des Rechtshauses schließt sich der 2005 fertig gestellt Neubau der juristischen Bibliothek an. Hinter der Glasfassade befinden sich unzählige Arbeitsplätze für Studierende, Gruppen- und Computerräume und die gesamte rechtswissenschaftliche Literatur.

2. Zahlen, Daten, Fakten

An der juristischen Fakultät werden aktuell über 4000 Studierende von 34 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Gerade zum Wintersemester beginnen bis zu 400 Erstsemester mit dem Studium.

3. Organisation des Jurastudiums

Die Regelstudienzeit beträgt in Hamburg 9 Semester inklusive des ersten Staatsexamens. Es ist gegliedert in Grundstudium, Hauptstudium und Schwerpunktstudium. Die aktuelle Studienordnung gilt für Studierende, die zum Sommersemester 2014 oder später mit dem Studium beginnen. Die „älteren Semester“ richten sich nach der zum Teil deutlich anderen vorherigen Studienordnung. Vor Beginn des ersten Semesters wird eine einwöchige Orientierungseinheit angeboten, die zum Kennenlernen von Uni und KommilitonInnen sehr zu empfehlen ist.

a) Grundstudium (1.-3. Semester)

Im Grundstudium werden sieben Vorlesungen im Zivilrecht, fünf im Öffentlichen Recht und vier im Strafrecht angeboten, die besonders klausurrelevanten davon jeweils mit einer zweistündigen Arbeitsgemeinschaft. Die Klausuren und Hausarbeiten werden dazu als Gemeinschaftsklausuren gestellt, d. h. etwa im 1. Semester werden eine Klausur und eine Hausarbeit inhaltlich zu den beiden Vorlesungen BGB AT und Vertragsrecht I angeboten. Gleiches gilt im Öffentlichen Recht. Im Strafrecht werden im Grundstudium lediglich eine Hausarbeit und eine Klausur als Prüfungen verlangt. Zum Bestehen der Zwischenprüfung ist daneben das Bestehen einer Klausur/Hausarbeit in einer der Veranstaltungen zu den Grundlagen des Rechts, etwa Rechtsgeschichte oder Rechtsphilosophie, notwendig. Die insgesamt 10 Prüfungsleistungen sind bis spätestens zum Ende des 5. Semesters zu erbringen. Wer sich an der Regelstudienzeit orientieren will, sollte sie aber schon in drei Semestern absolvieren.

b) Hauptstudium

Im Hauptstudium werden die übrigen examensrelevanten Fächer unterrichtet. Pro Rechtsgebiet sind hier 2 Klausuren und 1 Hausarbeit zu bestehen, die aus dem Angebot frei gewählt werden können. Es erleichtert die spätere Examensvorbereitung jedoch, wenn man alle Vorlesungen besucht. Außerdem ist eine weitere Grundlagenveranstaltung zu besuchen, die mit einer Klausur geprüft wird. Hier wird unter anderem das sehr beliebte Fach Kriminologie angeboten, aber auch Ökonomische Analyse des Rechts oder Einführung in die VWL.

Während des Hauptstudiums, spätestens bis zur Anmeldung zum staatlichen Teil des ersten Examens, sind ferner der Fremdsprachennachweis, der Schlüsselqualifikationsnachweis und die Praktika zu erbringen.

Das Fremdsprachenangebot ist jedes Semester dozentenabhängig und daher sehr unterschiedlich. Es werden immer Kurse in englischer Sprache angeboten, daneben aber wechselnd auch Veranstaltungen auf Spanisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Türkisch. In letzteren Kursen ist die Unterrichtssprache überwiegend die jeweilige Fremdsprache. Es bietet sich also an, diese nur zu wählen, wenn man schon vorher ein gehobenes Sprachniveau erreicht hat. Die Englischkurse sind auch für diejenigen zu meistern, deren Englisch nicht verhandlungssicher ist. Es kommt natürlich auf die Lehrperson an, aber scheitert das Jurastudium nicht an fehlenden Fremdsprachenkenntnissen. Trotzdem sollte man sich im Klaren darüber sein, dass wenigstens ein gesprächstaugliches Englisch für die berufliche Zukunft, aber auch die Lektüre ausländischer Texte im Studium, sehr nützlich ist.

Die Schlüsselqualifikationen werden in kleinen Gruppen mit viel Praxis unterrichtet. Auch dieses Angebot ist jedes Semester etwas unterschiedlich. Mediation, Verhandlungspraxis und Vertragsgestaltung, aber auch Genderkompetenz und Interkulturelle Kommunikation sind dabei.
Es wird erwartet, dass man drei Monate Praktika absolviert. Mindestens 1 Monat muss in Hamburg absolviert werden und es müssen zwei verschiedene Rechtsgebiete abgedeckt sein. Es bietet sich an, hier schon einmal Kanzleien kennenzulernen, bei denen sich vor und im Referendariat die Möglichkeit bietet, als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in zu arbeiten. Aber auch eher unpopuläre Praktikumsplätze wie solche am Verwaltungsgericht Hamburg sind bei entsprechendem Interesse sehr spannend und überdies recht leicht zu bekommen.

c) Schwerpunktstudium

Nach dem Hauptstudium kann man an der Universität Hamburg einen Schwerpunktbereich wählen. Abhängig vom Lehrpersonal werden einige Schwerpunktbereiche nicht immer angeboten. Die 13 Wahlbereiche könnten nicht unterschiedlicher sein: Einige zeichnen sich durch eine großartige persönliche Betreuung durch die ProfessorInnen aus, andere durch einen hohen Anteil an Praktikern unter den Lehrenden oder die Ausbildung in Randbereichen, die die spätere Spezialisierung in diesem Bereich enorm erleichtern. Die Qual der Wahl:

I         Europäische Rechtsgeschichte
II        Zivilverfahrensrecht (alt)
III      (neu) Rechtspflege und Rechtsgestaltung – national und         international
IV        Sozialrecht mit arbeitsrechtlichen Bezügen
V          Internationales und Europäisches Privatrecht und Rechtsvergleichung
VI        Ökonomische Analyse des Rechts
VII       Information und Kommunikation
VIII     Planungs-, Wirtschaftsverwaltungs- und Umweltrecht
IX        Öffentliche Finanzordnung und Steuerrecht
X          Europa– und Völkerrecht
XI        Kriminalität und Kriminalitätskontrolle
XII      Maritimes Wirtschaftsrecht
XIII    Arbeitsrecht mit gesellschaftsrechtlichen Bezügen

Im Wahlschwerpunkt müssen, zumeist innerhalb von 2-3 Semestern, teilweise überlappend mit dem Hauptstudium, die vorgeschriebenen 4 Veranstaltungen pro Semester besucht und 1 Klausur und eine Hausarbeit geschrieben werden. Abschließend folgt eine mündliche Prüfung.

c) Schlussphase

In der Examensvorbereitung vertrauen viele Studierende auch in Hamburg auf die Unterstützung von kommerziellen Repetitorien (auch Jura Individuell ist in Hamburg mit erfahrenen Dozenten vertreten) . Daneben bietet die Uni Hamburg den Hamburger Examenskurs, kurz HEX, an. Ganzjährig wird hier in einer Gruppe von etwa 40 Studierenden der gesamte examensrelevante Stoff wiederholt: montags Zivilrecht, dienstags Öffentliches Recht und mittwochs Strafrecht, jeweils von 9-13 Uhr. Abhängig vom der Lehrperson nehmen teilweise auch über 200 Studierende an einzelnen Veranstaltungen teil. Unterrichtet wird von ProfessorInnen, PrivatdozentInnen, RichterInnenn, die auch im Examen prüfen, wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und AnwältInnenen. Der HEX sowie die sehr guten Begleitskripte sind kostenlos, die Skripte in gedruckter Form deshalb schnell vergriffen.

Jeden Samstag wird eine Probeklausur in einem der 3 Rechtsgebiete angeboten. Diese werden 11 Tage später korrigiert zurückgegeben und besprochen.
Ferner kann man sich im Examinatorium probeweise der Situation einer mündlichen Prüfung im Examen stellen. Hierfür ist eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich.
Sehr beliebt ist der Kurs Aktuelle Rechtsprechung, der immer mittwochs um 18 Uhr stattfindet. Anhand von aktuellen Entscheidungen der obersten Gerichte erläutert Professor Dr. Broemel die „Examensfälle von morgen“.

4. Sonstiges

a) Auslandsstudiumsangebote

Die Fakultät ist sehr auf internationales Studieren ausgerichtet. Sie beteiligt sich an der China EU School of Law, der einzigen europäisch-chinesischen Hochschule in China, mit der gemeinsam sie Doppelmaster-Programme betreut.

Viele Lehrstühle bieten Summer Schools zu unterschiedlichen Themen an, die in Prag, Budapest, Istanbul oder Neu Delhi stattfinden. Hierfür sollte man dringend die Ausschreibungen am „Schwarzen Brett“ der Fakultätswebsite im Auge behalten.
Daneben ist natürlich der „normale“ Erasmus-Auslandsaufenthalt möglich. Auslandsemester werden beim sogenannten Freischuss angerechnet, sodass man keinen Nachteil erleidet, wenn sich das Studium dadurch um ein Semester verzögert.

b) Wohlfühlfaktor

Man muss sich im Klaren sein, dass ein Jurastudium an der Universität Hamburg ein Massenstudium in einer Großstadt bedeutet. Das heißt eine familiäre Atmosphäre kommt eher nicht auf. Im Gegenteil hat man häufig das Gefühl, einige Studierende wollen es anderen unnötig schwer machen; durch herausgerissene Seiten aus Büchern oder das Verstecken von ganzen Bücherstapeln in der Universität. Wer eine persönliche Unterhaltung mit ProfessorInnen wünscht, muss die Sprechstunden nutzen, sich mündlich auch in den Vorlesungen (wenn nötig per Mikrofon) beteiligen und Eigeninitiative zeigen. Man lernt während des Studiums nicht alle KommilitonInnen kennen, aber wer die Einladungen zu Diskussionsveranstaltungen, Oktoberfesten und den Sofaraum des Fachschaftsrates nutzt und auch sonst offen ist, kann mit sehr netten Leuten schöne 4-7 Jahre (je nach dem), auch in Cafés und Kneipen rund um die Uni und im nicht weit entfernten Stadtteil Sternschanze, verbringen.

c) Der Wohnungsmarkt

Der Hamburger Wohnungsmarkt ist fast legendär. Gerade Studierende brauchen extrem viel Glück, um bezahlbaren Wohnraum in Uninähe zu finden. Doch gerade auf der Ostseite der Außenalster (also der anderen Alsterseite) gibt es ein recht gutes Wohnungsangebot. Die Uni ist von dort mit dem Fahrrad in 10-20 Minuten zu erreichen und auch die Anbindung mit dem ÖPNV ist durch verschiedene S- und U-Bahn-Linien gewährleistet. Gleiches gilt etwa für die Elbinsel Veddel und Gegenden wie Bahrenfeld und Stellingen.

d) Konkurrenz zur Bucerius Law School

Unter Juristen in Hamburg spielt es eine relativ große Rolle, welcher der beiden juristischen Fakultäten in Hamburg man angehört. „Uni oder Buce“ (norddeutsch „Butze“ ausgesprochen) ist eine der Fragen, die beim Kennenlernen von KommilitonInnen gerne zu Beginn gestellt werden. Man erkennt allerdings auch oft genug an der Art des Fragens, ob der andere besonderen Wert darauf legt, als Student der privaten Hochschule erkannt zu werden. Das Angebot und insbesondere die Betreuung der Studierenden an der Bucerius Law School sind dem der Universität deutlich überlegen, aber am Ende schreiben alle das gleiche Examen am hamburgischen Oberlandesgericht.

e) weitere Aktivitäten und Fachschaft

Besonders beeindruckend sind die Möglichkeiten, sich abseits vom Lehrplan zu engagieren. Der Fachschaftsrat ist außerordentlich aktiv und lädt alle neuen Studierenden ein, sich zu beteiligen.
Daneben gibt es die Cyber Law Clinic und die Refugee Law Clinic, zwei Projekte, die Studierende auf die Rechtsberatung im Internet- sowie Asylrecht vorbereiten sollen. Letztere gewann 2016 den Lehrpreis der Freien und Hansestadt Hamburg.

f) Homepage

https://www.jura.uni-hamburg.de

g) Persönliches Fazit

Mir hat das Studium an der Universität Hamburg genug Freiraum gegeben, um nebenbei eine Sprache zu lernen und verschiedenen Hobbys und Nebenjobs nachzugehen. Gerade die Chance, auf Summer Schools Studierende aus anderen Ländern, aber auch meine eigenen KommilitonInnen kennenzulernen, waren neben dem Wahlschwerpunkt die Höhepunkte des Studiums. Das Veranstaltungsangebot war immer groß genug, um etwas zu finden, was meinen Interessen entsprach und trotzdem flexibel genug, um es meinen Bedürfnissen anzupassen. Da ich nach der alten Studienordnung studiert habe, kann ich nicht einschätzen, ob das immer noch so funktionieren würde. Ich denke aber, dass Jurastudium in Hamburg ist so nah an einem Studium (im früheren Sinne des Wortes), wie man heute noch kommen kann: Es ist, was man daraus macht!

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