Staatsexamen vs. Bachelor of Laws

In Deutschland ist der Studiengang Jura eines der beliebtesten Fächer unter Studienanfängern. Mit einem Abschluss des klassischen Rechtswissenschaften Studiums stehen einem lukrative Berufschancen zum Anwalt, Notar oder Richter offen. Als Alternative zu dem traditionsreichen Jura Studium bietet sich jedoch auch ein Bachelor-Studium der Rechtswissenschaft an. Im folgenden Beitrag werden euch die wesentlichen Unterschiede sowie Vor- und Nachteile der beiden Studiengänge dargestellt.

I. Voraussetzungen für ein juristisches Studium

Da viele Studienbeginner Jura oftmals nur als Notlösung wählen, solltet ihr euch genau überlegen, ob der Studiengang wirklich das Richtige für euch ist. Neben komplexen Denkstrategien ist auch eine Menge Fleiß und Arbeitswille gefragt.

Formale Voraussetzungen

Ein klassisches Jura Studium wird bislang nur als Präsenzstudium an Universitäten (einzige Ausnahme: Fernuniversität Hagen) angeboten, weshalb eine Hochschulreife erworben sein muss. Je nachdem, wo ihr studieren möchtet, sollte euer Abitur auch nicht miserabel sein, da es teilweise einen Numerus Clausus als Zugangsvoraussetzung gibt.

Ein juristisches Bachelor Studium wird an Universitäten sowie an Fachhochschulen angeboten. Je nachdem für welche Form ihr euch entscheidet, wird eine Hochschulreife oder eine Fachhochschulreife benötigt. Die meisten Unis/FHs haben keinen NC als Zugangsbeschränkung, dennoch gibt es an einigen Universitäten eine Eignungsprüfung.

Persönliche Voraussetzungen

Egal, ob ihr euch für ein klassisches Jura Studium oder einen Bachelor entscheidet: die persönlichen Voraussetzungen sind ähnlich. Neben Spaß am Lesen und Schreiben von Texten, sollten Fleiß, Arbeitswille und Eigenmotivation zu euren Charaktereigenschaften zählen. Ihr solltet logisch denken können und vor allem Durchhaltevermögen beim Lernen beweisen. Auch wenn ein Bachelor-Studiengang einen praxisnäheren Bezug hat, so habt ihr hier intensivere Prüfungszeiten, zu denen ein fleißiges und selbstständiges Lernen wie im klassischen Jura Studium zur Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss gehört.

II. Dauer der Studiengänge

Ein Studium der Rechtswissenschaften hat eine Regelstudienzeit von neun Semestern bis zur ersten juristischen Prüfung. Im Anschluss daran folgt das zweijährige Rechtsreferendariat mit der zweiten juristischen Prüfung. Insgesamt dauert der Weg bis zum Volljuristen rund sieben Jahre.

Ein Bachelor Studiengang hingegen hat nur sechs Semester und dauert somit nur drei Jahre. Ein berufsqualifizierender Abschluss wird also schneller erworben.

III. Studieninhalte

Sowohl im klassischen Jura Studium als auch in einem juristischen Bachelor Studiengang beschäftigt ihr euch mit den drei klassischen Gebieten des Rechts: dem Zivilrecht, dem Öffentlichen Recht und dem Strafrecht.

In beiden Studiengängen wird ebenfalls ein Englisch Kurs, eine Qualifikation zu den Grundlagen des Rechts, sowie eine Schlüsselqualifikation in Form einer Seminararbeit mit anschließendem Vortrag vorausgesetzt. Außerdem gibt es bei beiden Studienformen Praktika in der vorlesungsfreien Zeit.

1. Das klassische Jura Studium

Im klassischen Jura-Studium gibt es das Grundstudium vom ersten bis zum dritten Semester, wo die „Kleinen Scheine“  auf den Gebieten des BGBStrafrechts und Öffentlichen Rechts zu bewältigen sind. Hierfür sind Klausuren und eine Hausarbeit zu schreiben. Im Anschluss daran findet das Hauptstudium statt, wo die „Großen Scheine„, ebenfalls mittels Klausuren und Hausarbeiten, zu bestehen sind. Im fünften, oder optional im siebten Semester, beginnt ihr mit dem Studium in dem von euch gewählten Schwerpunktbereich.

Ebenfalls beschäftigtet ihr euch mit den Nebengebieten des Rechts, wie z. B. mit der Zivilprozessordnung (ZPO) und der Strafprozessordnung (StPO).

Mit erfolgreichem Bestehen der „Großen Scheine“ beginnt die zwei- bis dreisemestrige Examensvorbereitung auf die erste juristische Prüfung. Dabei wird der Stoff vom ersten bis zum sechsten Semester gefestigt und anhand von Klausuren dessen Anwendung geprüft.

2. Das juristische Bachelor-Studium

Nachfolgend wird hauptsächlich der Studiengang „Law in Context“ betrachtet. Im diesem juristischen Bachelor Studiengang werden ebenfalls die Gebiete des Zivil-, Straf-, und Öffentlichen Rechts vom ersten bis zum sechsten Semester gelehrt. Im Anschluss an jedes Semester werden im Durchschnitt rund fünf Prüfungen geschrieben. Ab dem vierten Semester wählt ihr euren Schwerpunkt, in dem drei Veranstaltungen und Prüfungen pro Semester hinzukommen.

Der größte Unterschied liegt wohl darin, dass in der vorlesungsfreien Zeit keine Hausarbeiten zu schreiben sind. Nach Abschluss der Klausuren ist lernfrei bis zum nächsten Semester.

Ein anderer Unterschied zum klassischen Jura Studiengang ist, dass zwei Rhetorik-Kurse bewältigt werden müssen. In diesem werden die rhetorischen Fähigkeiten durch Psychologen bzw. durch Volljuristen geschult. Außerdem wird neben dem juristischen Bezug des Studiums durch einen obligatorischen Besuch der Vorlesungen VWL und BWL mit anschließender Prüfung auch ein Einblick in die Wirtschaftswissenschaften gegeben.

Ein weiterer Unterschied ist, dass im sechsten Semester zum Einen ein Mediationskurs und zum Anderen ein Praktikerforum besucht wird. In Mediation werden Einblicke in die Arbeit eines Mediators gegeben und anhand von Konfliktfällen Schlichtungen geübt. Im Praktikerforum werden Berufschancen mit einem juristischen Bachelor-Abschluss vorgestellt. Es referieren neben Volljuristen auch Absolventen des Studiengangs „Law in Context“.

In Anbetracht der kürzeren Dauer des Studiums werden einige Gebiete gar nicht oder weniger vertieft wie im klassischen Jura Studium behandelt. Es gibt z. B. keine reguläre Vorlesung zur StPO oder zur ZPO. Auch werden Gebiete des Öffentlichen Rechts, insbesondere das Staatshaftungsrecht, nicht vertieft. Im Jura Studium gibt es dazu eine eigene Vorlesung, im Bachelor wird es lediglich während der Verfassungsrechtsvorlesung behandelt. Da sich die Strafrechts-Vorlesung auch nur über zwei Semester erstreckt, werden einige Straftatbestände, die Jura Studenten bearbeiten, nicht behandelt. Andererseits wird auf dem Gebiet des Zivilrechts der Stoff wie im klassischen Jura Studium vertieft. Eine Besonderheit ist beispielsweise eine verpflichtende Vorlesung zum Insolvenzrecht.

3. Schwierigkeitsgrad

Bei beiden Studiengängen wird Motivation und Durchhaltevermögen verlangt. Da sowohl im klassischen Jura Studium als auch im Bachelor-Studium, bis auf ein paar Nebengebiete, nahezu der gleiche Stoff gelehrt wird, kann nicht gesagt werden, dass einer von beiden leichter oder schwerer ist.

Natürlich ist zu bedenken, dass am Ende des Jura Studiums die erste juristische Staatsprüfung ansteht, bei der der Stoff vom ersten bis zum sechsten Semester abverlangt wird. Es bedarf mindestens ein Jahr intensiven Lernens, um diesen Schritt zu schaffen. Dabei benötigt ihr neben Fleiß auch gute Nerven, um diesem Druck  Stand zu halten. Ein regelmäßiger Freizeitausgleich ist dafür unerlässlich!

Bei einem juristischen Bachelor finden im Anschluss an jedem Semester Prüfungen statt. Dabei kann ein großer Lerndruck entstehen, da begleitend zu den Vorlesungen mit Lernen angefangen und der Stoff der verschiedenen Rechtsgebiete innerhalb weniger Wochen beherrscht werden muss. Aber auch hier kann der Stoff nicht nach den Prüfungen vergessen werden, da im nächsten Semester teilweise darauf aufgebaut wird. Bewertet wird hier übrigens nicht mit Punkten, sondern mit einem herkömmlichen universitären Notensystem von 1,0 bis 5,0.

Wenn etwas als schwieriger betitelt werden kann, dann ist es wohl die konstante Lernphase im Repetitorium. Dabei wird viel Ehrgeiz und Eigeninitiative verlangt.

IV. Schwerpunktbereiche

In beiden Studiengängen spezialisiert ihr euch auf ein Gebiet, welches euch besonders liegt (und hoffentlich auch noch Spaß macht).

Im Jura Studium gibt es eine breite Auswahl an Spezialisierungen, wobei verschiedene Universitäten auch unterschiedliche Schwerpunkte anbieten. Grundsätzlich gibt es jedoch immer eine Auswahl zwischen Unternehmensrecht, Arbeitsrecht, Kriminologie, Internationales Recht, Steuerrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Bau- und Umweltrecht.

Eine Prüfung findet erst im Rahmen der ersten juristischen Prüfung statt, also im Anschluss an den Besuch aller Pflicht- und Wahlvorlesungen sowie nach erfolgreichem Bestehen des Zulassungsseminars.

In einem juristischen Bachelor Studiengang findet teilweise eine Vertiefung von Beginn an statt. Zum Beispiel gibt es spezialisierte Studiengänge wie Wirtschaftsrecht, Management und Recht oder Europäisches Recht. Es gibt aber auch Bachelor-Studiengänge wie z. B. „Law in Context“, wo eine Vertiefung auf den Gebieten des Wirtschafts-, des Umwelt- und Technikrechts oder des Internationalen Rechts ab dem vierten Semester möglich ist. Hierbei werden jedes Semester mehrere Vorlesungen angeboten und es werden ungefähr zwei bis drei Prüfungen pro Semester geschrieben. Ebenfalls wird eine Seminararbeit in eurem Schwerpunktbereich als Zulassung für die Bachelorarbeit verlangt.

V. Abschluss

Das Jura Studium mit Staatsexamen als Hochschulabschluss endet mit der ersten juristischen Prüfung. Im Anschluss beginnt das zweijährige Rechtsreferendariat mit verschiedenen Stationen bei Gerichten, der Staatsanwaltschaft oder Kanzleien. Darauf folgt die zweite juristische Prüfung. Bei erfolgreichem Bestehen bist Du „Volljurist“ und kannst als Rechtsanwalt oder im Staatsdienst als Richter oder Staatsanwalt tätig werden. Für eine staatliche Tätigkeit bedarf es aber in der Regel eines „Prädikatsexamens“.

Dein juristisches Bachelor-Studium endet im sechsten Semester mit der Bachelorarbeit. Um diese zu schreiben, müssen alle vorangegangen Prüfungen bestanden und die nötigen Leistungspunkte erworben sein. Danach ist sowohl ein Einsteig in das Berufsleben möglich, als auch ein anschließendes Master Studium oder ein Wechsel zum klassischen Jura Studium.

VI. Berufsfelder

Nach dem zweiten Staatsexamen stehen euch viele Möglichkeiten offen: Rechtsanwalt, Staatsdiensttätigkeit, Notar aber auch Behörden oder Unternehmen benötigen Volljuristen. Ein Weg in die Politik ist ebenso gut denkbar.

Mit dem juristischen Bachelor ist man befähigt, Verträge auszuhandeln und diese Anwälten vorzulegen. Somit kommen Unternehmen als potentielle Arbeitgeber in Betracht. Aber auch eine Anstellung bei Wirtschafts- und Steuerprüfern ist denkbar. Ein Tätigwerden als Rechtsberater ist ebenfalls möglich. Auch bei Behörden als Verwaltungsbeamter ist ein Arbeitseinstieg möglich und wird gut vergütet.

Leider ist der juristische Bachelor nicht allzu bekannt, was einen direkten Berufseinstieg erschwert. Jedoch kannst Du durch sorgfältig ausgewählte Praktikaplätze Kontakte knüpfen und dir deinen Einstieg ins Berufsleben erleichtern.

VII. Fazit

Ein herkömmliches Jura Studium mit einem Staatsexamen als Abschluss bietet viele Vorteile, insbesondere eine Bandbreite an Möglichkeiten nach erfolgreichem Abschluss. Natürlich setzt dies viel Fleiß voraus und benötigt einige Jahre Zeit. Wer nicht sieben Jahre lang studieren möchte, für den eignet sich ein juristischer Bachelor als sinnvolle Alternative. Stabile juristische Grundlagenkenntnisse werden gelehrt und ein berufsqualifizierender Abschluss wird schneller erreicht. Der größte Unterschied zwischen beiden Studiengängen liegt wohl in der Dauer bis zum Abschluss. Außerdem gibt es bei Bachelor-Studiengängen mehr Klausurenphasen, dafür aber keine Hausarbeiten während der vorlesungsfreien Zeit.

Wer Spaß am Studieren gefunden hat, für den gibt es danach immer noch die Möglichkeit, zum Jura Studium zu wechseln oder einen juristischen Master anzustreben. Da wie oben schon genannt, einige Teilgebiete des Rechts gar nicht oder nicht so intensiv behandelt werden wie im klassischen Jura Studium, muss eine Bereitschaft zum Nacharbeiten bestehen. Jedoch ist es nicht unmöglich, nach dem Bachelor sein Staatsexamen zu schaffen. In der Regel werden hier sogar recht gute Ergebnisse erzielt.

Insofern haben beiden Studiengänge eine Daseinsberechtigung und bieten einige Vorteile, je nach dem, welche Ziele Du verfolgst. Beide Studiengänge sollten jedoch wohl überlegt sein und nicht als Notlösung begonnen werden. Die wenigsten Studierenden mit dieser Motivation werden wirklich Spaß an der Juristerei entwickeln.

Solltet ihr euch jedoch bewusst für einen juristischen Studiengang entschieden haben, werdet ihr merken, dass das Vorurteil „Jura sei trocken“ aufgrund der unterschiedlichen Fallkonstellationen, die das Leben so spielt, nicht stimmt.

 

 

 

 

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