Studieren mit Kind – Das Examen

Wie die Überschrift erahnen lässt, richtet sich dieser Artikel in erster Linie an die weiblichen Studierenden der Rechtswissenschaften, die entweder schon Mutter sind, gerade Mutter werden oder mit dem Gedanken spielen Mutter zu sein und gleichzeitig den Wunsch haben, das Studium zu beenden. Auch die Papas, die sich Elternzeit nehmen und weiterhin ihr Studium vorantreiben möchten, können einige Anregungen aus diesem Artikel mit auf ihren Weg nehmen. Ich persönlich kann meine Erfahrungen lediglich auf das Jurastudium beziehen, da mir die Abläufe anderer Studiengänge nicht bekannt sind; allerdings werden die meisten Probleme sicherlich auch auf andere Studierende anderer Fakultäten anwendbar sein.

Der Bericht basiert dabei auf meinen eigenen, persönlichen Erfahrungen, sodass er lediglich eine Anregung und kein Leitfaden zum Studieren mit Kind sein kann. Weiterhin steht die Examensvorbereitung mit Kind im Vordergrund, da das Jurastudium in jedem Bundesland etwas anders aufgebaut ist und andere Voraussetzungen an das Absolvieren von Zwischenprüfung und Großen Übungen hat. Das Durchspielen der verschiedenen Varianten wäre zu umfangreich. Das Ziel sollte also sein, spätestens bis zur Geburt die Pflichtprüfungen abzuschließen, um mit der Examensvorbereitung beginnen zu können.

I. Die Schwangerschaft

1. Ein Wunder entsteht

Ein Kind in die Welt zu setzen ist ein große und lebensverändernde Entscheidung. Bei einigen Paaren ist sie von langer Hand geplant, andere denken weniger darüber nach und tun es einfach. Das Ergebnis ist dann aber immer gleich: Ein positiver Schwangerschaftstest, ein positiver Bluttest und die Gewissheit, dass ein neues Leben in einem heranwächst. Diese Nachricht verändert einen, ob man es möchte oder nicht, und zwar nicht nur zwangsweise physisch, sondern ebenso psychisch. Zu Beginn der Schwangerschaft ist man als Frau zunächst einmal von den Gefühlen überwältigt und nicht immer ist die Freude zu Beginn groß. Manche Frauen leiden sehr unter Übelkeit, während andere von der Schwangerschaft und deren Veränderungen gar nichts merken. Manche Frauen kämpfen mit Hautunreinheiten und fühlen sich unattraktiv, während andere mit einem makellosen Gesicht vor Freude nur so strahlen. Einige Frauen haben Angst vor der Zukunft und wissen nicht, ob die Beziehung ein Kind aushält, ob sie ein Kind alleine groß ziehen möchten und diejenigen, die ein Wunschkind bekommen, zweifeln häufig an ihren eigenen Fähigkeiten. Während man in dem einen Moment völlig klare Gedanken und überwältigende Vorfreude in einem spürt, stellt man im nächsten Moment alles in Frage und die Gedanken überschlagen sich.

Jede Frau sollte sich die Zeit nehmen, die in ihr aufkeimenden Gedanken zu ordnen, die Zukunft zu planen und bereits getätigte Pläne zu hinterfragen.

2. Die Zukunftsplanung

Nach dem anfänglichen Gefühlschaos ist es Zeit sich über die Zukunftsplanung Gedanken zu machen. Je nachdem, wann man von dem Wunder erfahren hat, bleiben einem bis zu 36 Wochen, in denen man planen kann. Dabei geht es nicht darum die Farbe für das Kinderzimmer auszuwählen oder zu entscheiden, ob man einen Kinderwagen mit Schale, einen Jogger oder doch einen Kombiwagen wählt. Auch wenn man am liebsten in den nächsten Babyladen fahren möchte oder im Internet surfen und alles für das kleine Wunder kaufen möchte, kann und muss das noch warten. Nun steht vielmehr das Studium im Vordergrund. Von dem errechneten Geburtstermin sind vier bis sechs Wochen abzuziehen. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass das Kleine etwas eher anklopft als erwartet und zum anderen wird die Konzentration für das Lernen in dieser Zeit stark abnehmen. Die Gedanken werden nur noch darum kreisen, ob alles besorgt und vorbereitet ist und darum, wann man das Baby endlich in den Händen halten darf. Auch wenn man sich das zum Beginn der Schwangerschaft noch nicht vorstellen kann, werden diese Gedanken vermutlich kommen. Außerdem sollte man berücksichtigen, dass man im Berufsleben ebenfalls sechs Wochen vor dem Geburtstermin in Mutterschutz geht und das hat auch seine Gründe.

Wenn man also jetzt schon weiß, dass man sechs Wochen vor der Geburt das Studium vorerst beendet und dann die Gedanken vollständig um die Geburt kreisen dürfen, dann kann man den Rest der Zeit viel effektiver planen.

Nachdem nun das vorläufige Ende feststeht, sollte die Zeit bis dahin geplant werden. Ganz gleich, ob noch Zwischenprüfungsklausuren zu schreiben sind, die großen Übungen anstehen oder man mitten in der Examensplanung ist. Es ist wichtig das Studium so weit wie möglich voranzutreiben, bis das Baby da ist. Je weiter man schon im Studium ist, desto einfach lässt sich das Studium später mit dem Kind beenden. Muss man sich hingegen erst noch in den Ablauf des Jurastudiums einarbeiten oder weiß noch gar nicht, ob das Studium überhaupt etwas für einen ist, dann wird es mit einem Kind im Gepäck nahezu unmöglich ein Examen zu bestehen.

Man sollte sich einen groben Plan machen, was man bis zu dem beginnenden Mutterschutz realistisch erreichen kann. Stellt man fest, dass um den Geburtstermin herum Klausuren anstehen, sollte man nicht der Illusion erliegen, dass man diese auf jeden Fall mitschreiben kann. Man kann daher überlegen, ob man die Klausuren (sofern es Zwischenprüfungsklausuren oder große Scheine sind) eventuell nachschreiben kann oder vielleicht sogar die Möglichkeit besteht, die Klausuren vorzuziehen. Wenn man sich rechtzeitig an den entsprechenden Lehrstuhl wendet und die Verantwortlichen auf diese Möglichkeiten anspricht, eröffnen sich oftmals ungeahnte Wege. Häufig können auch Klausuren in Examensklausurenkursen zu Hause geschrieben und zu einem abgesprochenen Zeitpunkt nachgereicht werden. Dies hat den Vorteil, dass man nicht mit dickem Bauch in viel zu engen Stuhlbänken über fünf Stunden lang mit Rückenschmerzen und dicken Füßen Klausuren schreiben muss. Rechtzeitiges Erkundigen nach Alternativen lohnt sich also.

Sobald die Planung abgeschlossen ist, kann gelernt werden!

3. Die Gefühle und das Lernen

Eigentlich könnte man denken, dass die Schwangerschaft selbst das Studium in keiner Weise beeinträchtigen dürfte, denn schließlich ist „fast“ alles genau so wie zuvor. Dies ist jedoch ein Trugschluss, denn nichts ist mehr wie zuvor. In einem selbst wächst mit jedem Tag ein kleines Wesen heran. Man fragt sich, wie es wohl aussehen wird, ob es gesund ist und was man dem Baby alles zeigen und beibringen möchte.

Zunächst kann man die Schwangerschaft beim Arbeiten vielleicht ignorieren, sofern man nicht gerade von einem Übelkeitsschub geplagt wird. Nach wenigen Monaten spürt man das kleine Wesen aber in einem. Man merkt, wie es sich bewegt, wie es tritt oder sogar greift und manchmal tanzt der ganze Bauch, wenn das Kleine einmal mehr einen Schluckauf hat. Diese Situationen kann man nicht einfach ignorieren. Man freut sich und möchte diese Momente genießen. Oder sie lenken einen einfach ab. Außerdem kann man immer wieder bemerken, dass die Gedanken statt bei den Schadensersatzansprüchen aus §§ 280 ff. BGB auf einmal doch wieder bei den Kleidergrößen und der neuen Einrichtung des Kindes sind, obwohl man das gar nicht bewusst möchte.

Eigentlich ist es in der Schwangerschaft mit der Konzentration nicht anders, als vorher auch; nur die Themen wechseln. Hatte man zuvor Konzentrationsprobleme und hat lieber noch den Haushalt gemacht, abgewaschen, noch schnell nach den Mails geschaut, bevor man endlich weitermacht, so überlegt man jetzt, wie weit sich das Ungeborene bereits entwickelt hat und was es schon alles kann.

Es ist wichtig, dass man sich sein Ziel bewusst vor Augen führt, immer wieder kämpft, sich aufs Neue diszipliniert und weiterlernt. Auf der anderen Seite muss man diese Gedanken und Gefühle auch zulassen, darf sich nicht allzu sehr bestrafen, wenn man mal einen Tag nicht die nötige Konzentration aufbringen kann.

Es bietet sich an, den Tag ganz bewusst so zu gestalten, dass man morgens eine Stunde alle das machen darf, was sich um die Schwangerschaft dreht. Ob das Pläne für die anstehenden Einkäufe, eine Babyparty, das Suchen einer Hebamme oder das Buchen eines Geburtsvorbereitungskurses sind; die Gedanken an die bevorstehende Zeit oder aber das bloße Anschauen, das Streicheln und Fühlen des stetig wachsenden Bauches. Ganz gleich was man in dieser Stunde macht, man sollte sich diese Zeit nehmen. Auch am Abend bietet es sich an, den Tag bewusst mit Gedanken um die Schwangerschaft ausklingen zu lassen. Ob das bei einer warmen Dusche oder einem Bad geschieht, bei einer Bauchmassage oder im Gespräch mit dem Partner, Freunden oder der Familie ist widerum gleichgültig. Hauptsache ist nur, dass man sich diese Zeit bewusst nimmt. Nur so kann man verhindern, dass einem im Laufe des Tages die Gedanken beim Lernen entgleisen und die Konzentration verloren geht. Irgendwo muss man sich den Raum für die Schwangerschaft geben. Und wenn man das tut, wird man schnell merken, dass es einem morgens wesentlich einfacher fällt die Gedanken auf die Arbeit und das Lernen zu fokussieren, denn man weiß, dass man schon sehr bald wieder nur an das Baby denken darf.

Wenn der große Moment näher rückt und der Mutterschutz fast erreicht ist, dann sollte man ganz bewusst einen Schlussstrich ziehen. Es ist wichtig, dass man einen genauen Überblick hat, wo man gerade beim Lernen steht und was als nächstes kommt. Am besten heftet man seine Unterlagen fein säuberlich ab und erstellt einen kleinen Plan. In diesem Plan sollte man sich notieren, welchen Stand man in den einzelnen Fächer hat, was man gerade bearbeitet hat, wo man stehen geblieben ist und was man als nächstes bearbeiten. Wenn all diese Punkte aufgeschlüsselt und die Unterlagen weggeheftet sind, hat man es vorerst geschafft: Das Baby kann kommen!

In diesen sechs Wochen bis zur Geburt braucht man keinerlei schlechtes Gewissen haben, dass man nicht lernt und arbeitet, denn auf diesen Tag hat man die letzten Monate bewusst hingearbeitet. Bevor einem aber die Decke auf den Kopf fällt – was ich nicht denke – dann kann man jederzeit seine Unterlagen herausholen, Stoff wiederholen oder man liest ein paar neue Entscheidungen und versucht diese zu verstehen. Etwas Neues sollte man aber keinesfalls anfangen, denn sonst ist man hinterher unnötig unzufrieden, wenn man es nicht abschließen kann.

Irgendwann ist es dann soweit: Das Baby wird das Licht der Welt erblicken und ich verspreche jeder Erstmama, dass sie diesen Moment wirklich niemals vergessen wird!

II. Die Geburt und das Wochenbett

Herzlichen Glückwunsch! Das Baby ist endlich da und die Wochenbettzeit beginnt. Abhängig davon, wie die Geburt verlaufen ist, wird man mehr oder weniger fit sein. Eines ist aber immer gleich: Die erste Zeit ist sehr aufregend. Das Baby ist auf einmal da und verändert das komplette Leben. Man ist überglücklich und zugleich verunsichert, dass man etwas falsch machen könnte. Vielleicht kommt das erste Fieber oder die erste Erkältung; man macht sich einfach Sorgen, wie man es zuvor nie für möglich gehalten hätte.

Man sollte diese erste Zeit ganz bewusst genießen, denn sie wird nie wiederkommen. Außerdem sollte man sich an sein Baby und die neue Lebenssituation gewöhnen und sich nicht mit den Gedanken an das Studium quälen, denn das gehört nun wirklich nicht in diesen Zeitraum. Vielmehr steht Ruhe im Vordergrund und das bewusste Tanken von Kraft, die man in den nächsten Monaten zweifelsfrei benötigen wird. Man sollte langsam beginnen einen Tagesryhtmus zu finden, sich an das kleines Baby und die neuen Umstände zu gewöhnen. Es gilt möglichst schnell zu den gleichen Zeiten aufzustehen und abends ins Bett zu gehen und für das Baby einen Zu-Bett-geh-Ablauf einzuführen. Egal ob dieser Ablauf darin besteht, dass man das Baby wickelt, stillt und dabei eine Gutenachtgeschichte vorliest und das Baby anschließend in den Schlaf singt, bevor man es behutsam in sein eigenes Bett legt oder, ob man sich einen anderen Ablauf ausdenkt. Wichtig ist einzig und allein, dass dieser Ablauf immer gleich erfolgt, damit das Baby eine Sicherheit bekommt, sich entspannen und zur Ruhe kommen kann. Auch wenn das Baby nachts noch mehrmals wach wird, so wird es sich an den gleichbleibenden Ablauf gewöhnen und sehr schnell lernen, wann es schlafen soll. Und auch wenn es noch gar nicht die vorgelesenen Geschichten wahrnimmt, so hört es noch einmal ganz bewusst vor dem Schlafen eine vertraute Stimme, fühlt sich geborgen und kann sich somit viel einfacher fallen lassen.

Sechs bis acht Wochen nach der Geburt wird man merken, dass die Abläufe im Alltag routinierter sind. Man kann den Kinderwagen schnell auf- und abbauen, man weiß, wann das Baby Hunger hat oder eine neue Windel benötigt, man kann das Weinen immer besser deuten und die nächtlichen Schlafstörungen gehören schon zur Gewohnheit. Gleichzeitig hat man sich von den Strapazen der Geburt erholt und die Rückbildung der Gebärmutter ist weit fortgeschritten. Jetzt endet die Mutterzeit und damit die Schonzeit. Es wird Zeit, das Studium wieder aufzunehmen und voranzutreiben!

III. Das erste halbe Jahr

Wenn man morgens aufgestanden ist, sich und das Baby fertig gemacht und gefrühstückt hat, wird das Baby vermutlich wieder schlafen. Dann sollte man diese Zeit nutzen, sich an den Schreibtisch setzen und wieder mit dem Lernen beginnen. Je nachdem, ob man nun mit der Examensvorbereitung anfängt oder diese fortsetzen möchte, holt man die vor der Geburt angefertigten Pläne und Unterlagen heraus und schaut wie man weiter machen muss. Anschließend sollte man sich einen groben Zeitplan machen, in dem man das Leben mit Kind und die Erfahrungen der letzten Wochen so gut wie möglich einbindet.

Am Anfang ist das Lernen gar nicht so einfach, wie man zunächst denken könnte.

Vor der Geburt vermutet man häufig, dass man ein Problem mit der Müdigkeit haben würde, wenn man Tag und Nacht im Einsatz ist und das Baby füttern und wickeln wird. Das ist aber gar nicht das Problem. Aufgrund des gesamten Adrenalins, und der Glückshormone, die man zweifelsfrei besitzt, ist die Müdigkeit eher zweitrangig. Das Problem besteht häufig vielmehr darin, dass man die eigenen Gedanken schwer in den Griff bekommen kann. Die gesamte Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Wenn man Mutter ist, dann wird man feststellen, dass man nicht nur wenig sondern vor allem einen sehr unruhigen Schlaf hat. Während der Papa so manches Mal das Weinen des Babys in der Nacht gar nicht mitbekommt und am nächsten Morgen erfreut über die vermeintlich ruhige Nacht ist, hört man als Mutter jedes kleine Geräusch, jede Unregelmäßigkeit in der Atmung, jede Bewegung und jedes andere Geräusch. Am Anfang macht man sich häufig sehr große Sorgen darüber, ob das Baby was neben einem liegt wirklich schläft. Man wird gerade zu Beginn die Angst nie ganz los, dass vielleicht etwas passiert. Man hat Angst dieses gerade gewonnene Wunder wieder zu verlieren. Wenn man sich allerdings genügend Zeit gibt, dann bekommt man seine Gefühle in den Griff. Dennoch möchte man Tag und Nacht das Baby am liebsten um sich haben und alle paar Minuten nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Man lebt als Mutter daher in einer Art Stand-by Zustand.

Hinsichtlich des Lernens ist das deshalb schwierig, da man einen Weg finden muss die Konzentration und die Gedanken auf das Lernen zu fokussieren aber gleichzeitig die Signale des Kindes wahrzunehmen. Eine einfache Lösung ist daher ein Stubenwagen, den man sich neben den Schreibtisch stellen kann. Man legt das Baby nach dem Füttern oder wenn es müde ist dort hin und kann es überall hinschieben. Wenn man dann am Schreibtisch sitzt und lernen möchte, bekommt man einerseits alle Signale des Kindes mit und kann dem Bedürfnis, dem Baby jederzeit zuzusehen, nachgehen. Auf der anderen Seite kann man in die Bücher und Unterlagen schauen und lernen.

Die Pausen muss man nicht gesondert machen – die gibt grundsätzlich das Baby vor. Jede Stillpause oder Fütterungspause ist eine Pause und wenn das Baby schläft, dann arbeitet man.

Am Anfang sollte man nicht der Illusion erliegen, dass man täglich acht netto Stunden arbeiten könnte. Für den Anfang reicht es völlig aus, wenn man drei bis vier Stunden aufbringen kann. Den Rest der Zeit nutzt man, um den Haushalt zu erledigen und sich um das Kind zu kümmern. Im Laufe der Monate sollte man versuchen immer mehr Zeit für das Lernen aufzubringen. Hat man Familie und Freunde, die einen entlasten und sich ein paar Stunden um das Kind oder den Haushalt kümmern, dann kann man sicherlich einfacher das Arbeitspensum steigern, als wenn man auf sich alleine gestellt ist. Solange aber der Lebensunterhalt gesichert und der Kopf für das Baby und das Lernen frei ist, kann man das Ziel mit Disziplin und Durchhaltevermögen erreichen! Es dauert dann nur vielleicht ein wenig länger, da die täglichen Nettostunden nicht mehr wirklich gesteigert werden können.

IV. Die Zeit zwischen dem sechsten Monat und dem ersten Geburtstag

Das Alter des Babys macht einem sehr schnell deutlich, wie lange man schon für die Examensvorbereitung nach der Geburt aufgewendet hat. Ist das Kind bereits sechs Monate alt, dann wird sich der Tagesablauf allmählich verändern. Die meisten Mütter fangen langsam mit der Einführung der Beikost an. Das bringt zweifelsfrei einige Veränderung mit sich. Während man einerseits merkt, dass das Kind allmählich selbstständiger wird und die Stillzeiten weniger werden, stehen auf der anderen Seite die festen Fütterungszeiten. Egal, ob man kocht oder sich für Gläschen entscheidet: Die Beikosteinführung kostet Zeit. Hinzukommt, dass das Baby längst nicht mehr still und ruhig in seinem Stubenwagen liegt, sondern immer mehr spielen und unterhalten werden möchte. Es fängt langsam an sich zu drehen, zu sitzen, zu krabbeln und macht vielleicht schon die ersten Gehversuche. Dieses zweite Lebenshalbjahr des Kindes ist genau so schön wie das erste und man kann feststellen, dass das kleine Wesen gar nicht mehr so zerbrechlich wirkt, wie noch vor wenigen Monaten. Vielmehr kommt es immer mehr in unsere Welt, schaut interessiert in der Gegend herum, lacht und macht auf sich aufmerksam. Auch die Nächte sind nicht mehr so anstrengend, wie zuvor. Manchmal schläft das Baby die Nacht durch oder aber es zahnt oder verarbeitet in der Nacht seine ganzen Entwicklungsfortschritte und wacht nachts ein bis zwei Mal auf, sucht die Nähe oder möchte einfach noch etwas essen oder trinken. Aber in der Regel muss man nachts nicht mehr alle drei Stunden aufstehen und das Baby wickeln und füttern.

So schön die Zeit auch ist; sie ist mit dem Lernen schwieriger zu vereinbaren. Genau wie der Stubenwagen sollte das Kind aber auch in dieser Zeit möglichst dicht neben dem Arbeitsplatz liegen, damit man es jederzeit im Auge hat und es unterhalten kann. Am besten legt man das Kind entweder auf eine Krabbeldecke oder in einen Laufstall und gibt ihm ein wenig Spielzeug, damit es sich selbst beschäftigen kann. Wenn es an den Sachen kein Interesse mehr hat, so tauscht man es einfach gegen etwas Neues aus. Wenn das Kind aber vielmehr an den Juraunterlagen und Jurabüchern interessiert ist, dann hilft es manchmal, wenn man dem Kind selbst ein Buch gibt oder einen alten Schmierzettel, den man nicht mehr benötigt. Dieser kann nämlich nicht nur zerknittern und aufgegessen werden, sondern es ist von Mama und macht daher besonders Spaß. Wenn das Kind viel zu unruhig ist und nach Aufmerksamkeit giert, dann bietet es sich manchmal an, sich gemeinsam mit dem Kind auf die Krabbeldecke zu setzen und dem Kind eine Geschichte zu erzählen. Allerdings nicht irgendeine Geschichte, sondern Jura. Für das Kind ist es lediglich wichtig, dass es die Sprache kennenlernt und das man mit ihm redet. Was genau man aber erzählt, ist derzeit noch nebensächlich. Daher kann man versuchen, den gerade anstehenden Übungsfall mündlich zu lösen und dem Kind jeden einzelnen Prüfungspunkt genau zu erläutern. Eben genau so, als würde man ein Gutachten lösen. Meine Erfahrung zeigt, dass man dadurch nicht nur selbst sehr viel lernt, sondern gleichzeitig auch dem Kind gerecht wird. Außerdem hat Jura bei Kindern manchmal den schönen Nebeneffekt, dass es unglaublich schläfrig machen kann.

In den Sommermonaten bietet es sich zudem an mit dem Kind gemeinsam nach draußen in den Garten oder den Park zu gehen. So bekommt das Kind zum einen frische Luft und man kann gleichzeitig auf einer Parkbank oder einer Decke für das Examen lernen.

Wie man allerdings an den ganzen Schilderungen dieser Zeit erkennen kann, wird das Lernen immer wieder unterbrochen. Außer in den Schlafzeiten des Kindes, die jedoch immer kürzer werden und sich schon bald tagsüber auf einen Mittagsschlaf und einen Vor- oder Nachmittagsschlaf beschränken, sind längere, durchgehende Arbeitszeiten sehr rar. Man muss also lernen, mit der wenigen Zeit, die einem zur Verfügung steht, sehr gewissenhaft umzugehen. Außerdem muss man versuchen, dass einen kleine Unterbrechungen nicht ständig zurückwerfen. Je mehr man durchhält, desto einfacher wird einem dies allerdings fallen. Und auch hier gilt wiederum, dass man mehr Nettoarbeitszeit herausholen kann, wenn man familiäre oder freundschaftliche Unterstützung erhält. Aber auch ohne diese Unterstützung kann man genügend für die Examensvorbereitung schaffen, allerdings benötigt man am Ende etwas mehr Zeit, als wenn man Unterstützung hätte. Aber es ist nicht unmöglich!

Weiterhin ist es wichtig, dass man das Kind so gut wie möglich mit in das Lernen einbindet. Wenn man nicht das Gefühl hat, dass man sich zwischen der Examensvorbereitung und dem Kind entscheiden muss und entweder nur einer Sache oder gar keiner gerecht wird, dann ist man am Ende wesentlich effizienter. Definitionen lassen sich problemlos bei einem Spaziergang mit dem Kind lernen, Fälle auf der Krabbeldecke oder dem Rasen gliedern und lösen. Bücher kann man auch auf einer Parkbank lesen und Probefälle während der Schlafenszeit des Kindes ausformulieren, häufig in den Examensklausurenkursen ein bis zwei Tage später nachreichen. So hat man nicht den Druck fünf Stunden am Stück schreiben zu müssen, sondern sich die Zeit einteilen zu können.

Das Lernen mit dem Kind bedarf daher einiger Kreativität.

Wenn der erste große Tag des Kindes gekommen ist und die erste Kerze auf dem Geburtstagskuchen erleuchtet, wird es Zeit die Examensvorbereitung zum Abschluss zu bringen und sich zum Staatsexamen anzumelden. Anderenfalls ist die Gefahr groß, dass man sich in der Vorbereitung verliert und das Examen zu lange vor sich hinausschiebt. Sicherlich sollte man nicht unvorbereitet das Examen antreten, es aber unnötig oder gar aus Angst vor dem Versagen zu lange hinauszuzögern ist allerdings keine Alternative.

V. Ergebnis

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Examensvorbereitung mit Kind zwar möglich, aber nicht einfach ist. Wichtig ist, dass man nicht der Illusion erliegt, das Examen in der gleichen Zeit wie ohne ein Kind vorbereiten zu können. Hinzu kommt, dass natürlich alles einfacher wird, wenn man Unterstützung bekommt und den Kopf frei hat zum Lernen. Aber auch ohne diese Unterstützung ist das Examen nicht ausgeschlossen. Dann bedarf es aber viel Kreativität, damit man das Kind in den Alltag und das Lernen mit einbinden kann. Weiterhin benötigt man viel Durchhaltevermögen und Disziplin. Wenn man sich also stets mit dem Kind schlafen legt, geht wertvolle Arbeitszeit verloren. Wenn man sich nicht an der Universität nach Sonderbehandlungen für Studierende mit Kind erkundigt und die Angebote nicht wahrnimmt, wird das Schreiben von Probeklausuren nahezu unmöglich, denn fünf Nettostunden am Stück wird man im ersten Lebensjahr des Kindes ohne äußere Unterstützung so gut wie niemals aufbringen können.

Das Wunder Kind wird einem viel Kraft durch seine bedingungslose Liebe geben, einen stärken und aufbauen. Das Glück, das man durch ein Kind bekommt, ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Wenn man am Ende sogar noch sagen kann, dass man mit dem Kind ein Examen geschafft hat, dann darf man zweifelsfrei stolz sein, denn viele schaffen es nicht einmal ohne das Kind dieses Ziel zu erreichen!

Ich wünsche allen Eltern und werdenden Eltern viel Kraft, Durchhaltevermögen und Erfolg für das Examen und eine wunderschöne Zeit mit ihrem Kind!

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  1. Anna

    20.04.2016, um 11:03 Uhr

    Ich bin selbst Mutter einer fast 2 jährigen Tochter und schreibe gerade mein erster Staatsexamen. Und ich finde die geschilderten Ansichten in Teilen doch sehr einseitig. Etwas außer Acht gelassen wurde, dass Kinder sehr unterschiedlich sind. Am Anfang dachte ich: Babys schlafen viel. In der Zeit werde ich einfach lernen und dann mal gucken wie ich voran komme. Doch mein Kind schläft bis heute nicht durch, meldete sich in den ersten Monaten nachts stündlich und ließ sich zunächst zum schlafen auch nicht ablegen. Nichts mit Stubenwagen neben dem Schreibtisch. Das funktionierte überhaupt nicht. Dann fing sie auch noch an sich mit ungefähr 6/7 Monaten an sich überall hochzuziehen und rumzukrabbeln. Ab da war nichts mehr sicher. Man konnte sie nicht eine Minute aus den Augen lassen. Wirklich undenkbar (!) so wie die Autorin mit einem wachen Kind nebenbei zu lernen! Sie brauchte meine zumindest 90% Aufmerksamkeit. Mit Lernen nicht zu vereinbaren. Manche Kinder machen in dem Alter einen schönen Mittagsschlaf von ca. 3 Stunden und schlafen dann eventuell vormittags noch eine Weile. Nicht so mein Kind. Maximal eine Stunde. Und man darf nicht vergessen: Ab und zu muss man sich auch was zu Essen machen und wenigstens das nötigste Wegräumen. Im Ergebnis bleibt für die Examensvorbereitung kaum Zeit. Und ein Tag mit Baby ist anstrengender als man denkt. Wer, so wie ich, sich Illusionen macht abends noch einige Stunden konzentriert lernen zu können wird auch hier enttäuscht. Und natürlich hatte ich Angst, dass ich das Examen wohl nie schreiben werde, da der Termin immer weiter nach hinten rückte. Ein starker Wille und Disziplin ist hier definitiv von Vorteil. Aber dann kam sie mit einem Jahr in die Kita und nach 2 Monaten(!!) Eingewöhnung konnte ich mich endlich konzentriert an die Vorbereitung machen und habe stets in der Kitazeit die Stunden in der Bibilothek verbracht. Jetzt bin ich nicht schlechter vorbereitet als andere vor ihrem Examen. Das zum Thema Nachteile und Fehlvorstellungen zu Studieren mit Kind in der Examensvorbereitung. Trotzdem: ich würde es immer wieder so machen!!! Auch wenn ich dank diverser Kita Seuchen gerade krank mein Examen schreiben muss und nachts leider auch keinen Schlaf bekomme (und das liegt nicht an der Aufregung). Natürlich beschreibt die Autorin nur ihre Erfahrungen, aber Leser sollten sich nicht die Illusion machen, dass das bei ihnen genau so laufen könnte. Ein wirklich komplexes Thema zu dem sicherlich noch nicht alles gesagt ist.

  2. 27.01.2017, um 10:16 Uhr

    Ein wirklich sehr guter Artikel, aber es hängt eben sehr vom jeweiligen Kind und den jeweiligen Umständen bzw. der Unterstützung ab.

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