Crashkurse im Jura-Examen – Pro und Contra

Ein regelmäßig angebotenes Element zur Vorbereitung auf Examina und Zwischenprüfungen sind sogenannte Crashkurse, die eine Wissensvermittlung in Rekordzeit anbieten. In der Werbung kommen sie nicht selten wie eine Art Allheilmittel daher und machen geltend, innerhalb kürzester Zeit wesentliche Teile des prüfungsrelevanten Stoffs präsentieren zu können. Mit den so erworbenen Kenntnissen sollen dann die Aussichten verbessert werden, Prüfungen und Klausuren mit akzeptablen Noten zu bestehen. Doch wie ist es bei nüchterner Betrachtung um den Nutzen dieser Kurse bestellt? Eine kurze Präsentation der spezifischen Vor- und Nachteile soll mehr Klarheit schaffen.

1. Was spricht für Crashkurse?

Die Vorteile eines Crashkurses liegen auf der Hand. Die wesentlichen Punkte eines Fachgebietes werden in kürzester Zeit abgearbeitet, sodass man sie mit vergleichsweise geringem Aufwand Revue passieren lassen kann. Die Hauptpunkte des Fachgebietes werden in kondensierter Form präsentiert und können einigermaßen leicht verinnerlicht werden.

Angesichts des gewaltigen Umfangs des potentiellen Prüfungsstoffes im Examen ist diese Art des Schnelldurchlaufs bestens geeignet, um rasch ein Gebiet nach dem anderen abzuarbeiten und auch bei der Vorbereitung auf eine Prüfung in einem bestimmten Gebiet ist so das Abarbeiten der Grundlagen in Rekordzeit möglich.

Nicht zuletzt erspart die Präsentation durch eine Lehrperson eigene Anstrengungen zum Lernen, sodass man im Idealfall mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine Menge lernen oder wiederholen kann.

Ihre größte Wirkung entfalten Crashkurse zweifellos bei der Wiederholung. Bei dieser kann die rasche und vergleichsweise oberflächliche Abhandlung der Hauptpunkte auf bereits Gelerntes zurückgreifen und vorhandene Strukturen (re-)aktivieren oder stärken. Außerdem kann man auf diese Weise besser einschätzen, wo möglicherweise noch Nachholbedarf besteht und die eigentliche Lernarbeit darauf abstimmen.

2. Was spricht gegen Crashkurse?

Die auf den ersten Blick verlockenden spezifischen Eigenschaften eines Crashkurses sind gleichzeitig auch seine Achillesferse. Da die Zeit begrenzt ist, kann ein Crashkurs kaum mehr leisten, als die wichtigsten Grundlagen eines Fachgebietes abzuarbeiten; eine Vertiefung der Inhalte und Strukturen ist praktisch nicht möglich.

Mit diesem beschränkten Rahmen eignen sich Crashkurse nur sehr bedingt zum erstmaligen Erlernen von Wissen, Kenntnissen und Fertigkeiten. Durch die Beschränkung auf das Wesentliche, und das Unterbleiben der Vertiefung und der Anwendung des Gelernten, können Crashkurse beim Erstlernen bestenfalls einen allgemeinen Überblick und Grundkenntnisse vermitteln. Für mehr ist die Wirkung eines Crashkurses schlicht zu flüchtig und zu oberflächlich, was gleichzeitig das Risiko in sich birgt, dass die im Rekordtempo auf den Verstand abgefeuerten Informationen sich rasch wieder verflüchtigen. Immerhin können diese Grundbegriffe als Grundlage für eigene vertiefende Studien dienen.

3. Schaden und Nutzen

Bei Abwägung der Vor- und Nachteile ergibt sich ein ziemlich klares Bild. Crashkurse haben eine schnell verpuffende Wirkung, die nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll angewendet werden kann. Für ein erstmaliges Erlernen von Fertigkeiten und Kenntnissen eignet er sich deshalb nur sehr bedingt, da es hier auf eine größere Vertiefung und Anwendung ankommt, welche diese Lernform nicht oder nur ungenügend bieten kann.

Ganz anders kann es dagegen aussehen, wenn der Crashkurs zur Wiederholung stattfindet. Durch das kurze Antippen von Informationen, die man zu einem früheren Zeitpunkt gelernt hat (oder die doch wenigstens mal an einem vorbeigeschwommen sind), fällt eine erneute Aktivierung des bereits Gelernten erheblich leichter.

Unterm Strich eignen sich Crashkurse am ehesten zur Wiederholung von bereits Bekanntem, dass durch die schnelle Präsentation noch einmal ins Gedächtnis gerufen werden kann. Mit dem Crashkurs können auch Lücken in der eigenen Vorbereitung erkannt und geschlossen werden.

Zum Erstlernen sind Crashkurse dagegen nur sehr bedingt geeignet. Für eine gründliche und tiefergehende Behandlung des Stoffs, oder gar eine praktische Anwendung, fehlt meist schlicht die Zeit, sodass kaum mehr als die Grundbegriffe und Hauptpunkte vermittelt werden können. Das ist jedoch immer noch besser als gar nichts. Und obwohl ein Crashkurs keine eingehenden Kenntnisse eines spezifischen Fachgebietes vermitteln kann, vermag er doch wenigstens die beschämendsten Lücken zu füllen. Hat man es jedoch auf eine gründlichere Behandlung abgesehen, muss man durch einen vertiefenden Kurs oder eigene Studien auf den vermittelten Grundlagen aufbauen. Da die im Schnellverfahren abgehandelten Inhalte eines Crashkurses sich oft rasch verflüchtigen, sollte dies bald nach dem Crashkurs geschehen.

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