Notenverbesserungsversuch im Examen – Ja oder Nein?

Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Examen!

Ihr habt nun in vielen Bundesländern die Möglichkeit, euer Ergebnis noch einmal zu verbessern. Ob ihr diese Option in Anspruch nehmt, liegt ganz bei euch.

Im Vorfeld anzumerken ist, dass die Chance einer Notenverbesserung nur für diejenigen besteht, die entweder im Freischuss oder im ersten „scharfen“ Versuch ihr Examen bestanden haben. Für den letzten endgültigen Versuch besteht leider keine Möglichkeit eines Verbesserungsversuchs.

Aufteilung nach Bundesländern

Im Folgenden erläutert euch eine kleine Übersicht in welchen Bundesländern der Notenverbesserungsversuch überhaupt zulässig ist und wenn dies der Fall ist, unter welchen Voraussetzungen:

Baden- Württemberg: Notenverbesserungsversuch auch ohne Freischuss, wenn StEx bis zum 10. Semester; binnen 2 Semestern (Kosten 390 €)

Bayern: Notenverbesserungsversuch auch ohne Freischuss binnen 2 Semestern

Berlin: Notenverbesserungsversuch nur mit bestandenem Freischuss binnen 2 Semestern

Brandenburg: s. Berlin (gemeinsames Prüfungsamt seit 2005)

Bremen: Notenverbesserungsversuch auch ohne Freischuss

Hamburg: Notenverbesserung nur bei Freischuss

Hessen: Notenverbesserung auch ohne Freischuss, wenn Examensanmeldung bis 10.   Semester (Kosten: 400 Euro)

Mecklenburg- Vorpommern: Notenverbesserung nur bei Freischuss

Niedersachsen: Notenverbesserung möglich

Nordrhein-Westfalen: Notenverbesserung nur bei Freischuss

Rheinland- Pfalz: Notenverbesserung möglich

Saarland: Notenverbesserung möglich

Sachsen: Notenverbesserung möglich

Sachsen-Anhalt: Notenverbesserung möglich (Kosten: 300 Euro)

Schleswig-Holstein: Notenverbesserung nur bei Freischuss

Thüringen: Notenverbesserung nur bei Freischuss

Hier sollen euch ein paar Ratschläge und Entscheidungshilfen an die Hand gegeben werden, die euch helfen könnten.

Verbesserungsversuch – JA!

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur zu einem Verbesserungsversuch raten.

Euch wird eine Möglichkeit geboten, die euch im Leben so nicht häufig widerfahren wird:

Eine Prüfung schreiben, ohne dass es auf das Ergebnis noch effektiv ankommt.

Ihr könnt euch entspannt vorbereiten, reinsetzen, schreiben. Ihr werdet plötzlich Zugriff auf Teile eures Gedächtnisses haben, die ihr so in einer regulären Prüfungssituation nicht haben würdet.

An vielen Orten werden die Verbesserer in einem separaten Raum schreiben, sodass ihr euch in relativ entspannter und bestenfalls ebensogut gelaunter Gesellschaft befinden werdet.

Denkt immer daran: was ihr schon einmal habt, kann euch keiner mehr nehmen. Habt Spaß an einer solchen Prüfung. Es schadet nicht, ebendiese Situation noch einmal zu durchleben.

In der Regel werdet ihr auch das 2. Staatsexamen machen, um endgültig euren Volljuristen in der Tasche zu haben.

Die nochmalige Prüfungssituation kann die Aufregung beim nächsten Mal reduzieren. Einfach, weil man mehr Erfahrung mit Prüfungszuständen hat.

Sollte es zu einem entsprechend positive(re)n Ergebnis kommen, könnt ihr auch gleichzeitig ein weiteres Mal eine mündliche Prüfung üben. Das stärkt das Selbstbewusstsein und das Auftreten. Ihr werdet nicht mehr im Ansatz so nervös sein, wie beim vorigen Mal, als es noch auf etwas „ankam“ und ihr euch beweisen musstet. Die mündlichen Prüfungen werden während des Jurastudiums viel zu wenig geübt, sodass es eine gute Chance ist, um auch diese Konstellation nochmals zu bewältigen.

Oftmals könnt ihr euch für das Referendariat bewerben und sozusagen „nebenbei“ das Examen erneut ablegen. Ihr werdet für diese Zeit entsprechend von der Teilnahme an den Arbeitsgemeinschaften im Referendariat befreit werden. Der Zeitverlust ist also insoweit nur gering, sollte man endlich seinem Ziel des Volljuristen schnellstmöglich näher kommen wollen.

Verbesserungsversuch – Nein!

Nicht zu vernachlässigen ist dabei aber natürlich die Ernsthaftigkeit in einer solchen Situation. Nehmt ihr die Prüfung zu locker, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zu keiner Verbesserung eures ersten Ergebnisses führen.

In den wenigstens Fällen wird es zu einer deutlichen Optimierung kommen. Sei es, weil die Vorbereitungszeit entsprechend verkürzt ist (weil ihr zB direkt im nächsten Termin erneut startet), oder weil die Motivation doch erheblich nachlässt, solltet ihr noch ein wenig mit dem Termin warten.

Stellt euch darauf ein, dass die Selbstmotivation schwächer ist. Ihr seid euch eures ersten Ergebnisses bewusst, zu überehrgeizig werdet ihr im Zweifel nicht mehr an die Sache herangehen.

Die Erfahrung zeigt, dass es in der Regel zu keiner erheblichen Verbesserung kommt. Normalerweise sind noch 1-2 Punkte mehr möglich; allerdings kann es auch passieren, dass ihr durchfallt. Das könnte manch einen wiederum verunsichern und an sich und seinen Fähigkeiten zweifeln lassen.

Seid euch immer bewusst, dass ihr die gesamte (zunächst ein Mal) schriftliche Prüfung erneut ablegen müsst. Dies ist häufig mit einigen Strapazen verbunden. Jeder von euch kennt die Examenssituation, die mit viel Aufregung im Vorfeld und auch währenddessen verbunden ist.

Solltet ihr einer derjenigen Kandidaten sein (und das ist die Mehrheit), die zu sensibel in der Situation reagieren, würde euch ein erneuter Versuch wenig nützen. Da gibt es viele andere sinnvollere Beschäftigungen. Eine gesunde Selbsteinschätzung kann hier helfen.

Schlusswort

Im Endeffekt ist es jedem selbst überlassen, ob er diese erneute Chance nutzt. Ihr müsst euch selbst entsprechend gut einschätzen können, ob ihr für die erneute Examenssituation gewappnet seid. Wenn ihr es nicht zu locker nehmt, kann es euch – und wenn nur in einer Art der Prüfungssimulation – helfen auch im Zweiten Staatsexamen souveräner als viele andere mit der Lage umzugehen. Wenn noch der Bonus einer tatsächlichen Notenverbesserung abfällt, umso besser!

Schaden kann es nicht und dümmer wird davon auch nicht.

Euch noch viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung!

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  1. Ella

    13.03.2017, um 01:39 Uhr

    Eine Nottenverbesserung ist im Freischuss gem. § 26 JAG NRW möglich. Dies ist im Artikel falsch.

  2. Alexandra Senske

    14.05.2017, um 12:47 Uhr

    Vielen Dank für den Hinweis, der Artikel wurde entsprechend geändert.

    Jura Individuell-Team

  3. Daniel

    20.06.2017, um 10:48 Uhr

    Auch in Baden-Württemberg kostet der Verbesserungsversuch 400 €. Das kann man noch ergänzen.

  4. Alexandra Senske

    24.06.2017, um 22:42 Uhr

    Danke, der Artikel wurde ergänzt!

    Jura Individuell-Team

  5. Anna

    08.08.2017, um 23:59 Uhr

    Also ich finde das NJAG nicht sehr eindeutig. Darf man sich dort wirklich ohne den Freiversuch verbessern? Sprich, sozusagen sich im 11. Semester zum Erstversuch anmelden und bei Bestehen wiederholen? Was haltet ihr von dem Gedanken, die Uni zu wechseln, um einen Verbesserungsversuch zu haben, weil man den Freiversuch an seiner derzeitigen Uni zeitlich nicht meistert?

  6. Alexandra Senske

    16.08.2017, um 13:48 Uhr

    Hallo Anna,
    in Niedersachsen darf man sich auch ohne Freiversuch nach bestandenem Examen zum Verbesserungsversuch melden. Dies steht auch ausdrücklich auf der Internetseite des LJPA Niedersachsen (und eben im NJAG etwas umständlich). Für den Freischuss die Uni zu wechseln lohnt sich nicht, da es sich um eine Landesregelung handelt. Man müsste schon das Bundesland wechseln und selbst das lohnt sich kaum, da in fast allen der Freiversuch bis zum 8. Semester gewährt wird. Geht es um noch zu bestehende Klausuren, die die Prüfungsordnungen der Universitäten vorschreiben, sollte man genau abwägen, ob sich der Aufwand lohnt und ob es wirklich eine Zeitersparnis mit sich bringt. Die Prüfungsordnungen sehen oft andere Klausuren vor (Kombi-Klausuren aus zwei Fächern oder Einzelklausuren), die gegebenenfalls wiederholt werden müssen, weil keine Anrechnung erfolgt. Das Risiko sollte in die Überlegung einbezogen werden.

    Jura Individuell-Team

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