Die Assessorklausur

Die Klausur ist und bleibt die Königsdisziplin im Jurastudium, deren Beherrschung über Erfolg und Misserfolg entscheidet. In beiden Staatsexamina nehmen Klausuren die zentrale Rolle ein, hinter der Hausarbeiten und mündliche Prüfungen zurücktreten. Trotz vieler Ähnlichkeiten bestehen jedoch gewichtige Unterschiede zwischen den für die Staatsexamina anzufertigenden Klausuren.

A. Allgemeines

Im Unterschied zu den Klausuren im Ersten Staatsexamen spielt bei den Klausuren für das Assessorexamen auch das Prozessrecht eine Rolle. Die im ersten Examen so wichtigen Streitstände und Entscheidungen spielen hier in der Regel keine Rolle mehr, da in der Praxis so gut wie immer der herrschenden Meinung in der Rechtsprechung gefolgt wird. Außerdem gibt es neben dem klassischen Gutachten mehrere weitere Klausurentypen, wie etwa die Urteilsklausur, die Anwaltsklausur oder die Staatsanwaltsklausur. Von entscheidender Bedeutung ist weiterhin, dass als Bearbeitungshilfe neben den Gesetzestexten auch Kommentare zugelassen sind. Mit diesen Unterschieden erhält die Assessorklausur einen völlig anderen Charakter als die Klausuren für das erste Staatsexamen.

B. Die Kommentare

Den auffälligsten Unterschied zum ersten Staatsexamen stellen die als Bearbeitungshilfe erlaubten Kommentare dar. Tatsächlich sind sie schon aufgrund ihrer schieren Masse nicht zu übersehen, was sowohl im Vorfeld, als auch während der Klausur zu logistischen Problemen führen kann. Glücklicherweise werden alle Klausuren zum zweiten Staatsexamen an einem zentralen Ort geschrieben, meistens ein Raum in einem Gericht oder einer Behörde. Manchmal kann man die Kommentare am Schreibeort verwahren lassen, manchmal muss man sie auch jeden Morgen aufs Neue mitschleppen. Im letzten Fall sollte man am besten nur die an diesem Tag benötigten Kommentare und Gesetze mitführen oder eine Tragehilfe organisieren. Schreibt man in einem Gericht, sollte man rechtzeitig eintreffen, da sich jeden Morgen eine ganze Karawane schwer bepackter Kandidaten durch die Eingangskontrolle drängelt, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Da der Raum auf den Tischen oft beschränkt ist, tut man aus Gründen der Übersichtlichkeit gut daran, nur die für den betreffenden Tag wichtigen Kommentare und Gesetze auf dem Tisch zu haben.

Neben dem hohen Gewicht ergibt sich bei den Kommentaren noch ein weiteres Problem. Natürlich möchte man möglichst aktuelle Kommentare besitzen, diese kosten jedoch viel Geld. Wer tatsächlich alle Kommentare neu kauft, ist leicht mit mehreren Hundert Euro dabei. Für kostenbewusste oder weniger gut bemittelte Kandidaten gibt es mittlerweile jedoch genau für diesen Zweck auch Kommentarverleihe.

Auf den ersten Blick erscheint die Möglichkeit, Kommentare als Bearbeitungshilfe nutzen zu dürfen, wie ein Geschenk des Himmels. Diese juristische Fachbibliothek im Kleinformat enthält eine gewaltige Informationsfülle, welche die Klausurbearbeitung entscheidend erleichtern kann. Die Informationsfülle kann jedoch auch zum Hemmschuh werden, wenn man nicht schnell genug findet, wonach man sucht.

Das effektive Lesen von Kommentaren unter Zeitdruck wird dabei zur überragend wichtigen Fertigkeit. Hier kommt es darauf an, tausend eng bedruckte Seiten voll juristischer Fachtermini in kürzester Zeit die benötigten Informationen zu entlocken. Gelingt das nicht, kann es geschehen, dass die Kommentarsammlung vom Rettungsanker zum zeitfressenden Hindernis wird, in dem man sich rettungslos verirrt.

C. Zeiteinteilung und Effizienz

Die richtige Einteilung der zur Verfügung stehenden Zeit und ihre effiziente Verwendung ist bei Klausuren stets von größter Wichtigkeit. Im zweiten Staatsexamen wird diese Aufgabe mit den Kommentaren noch schwieriger, da dies auch bei gekonntem Gebrauch stets Zeit, Mühe und Aufmerksamkeit kostet.

Hier macht, wie auch sonst, vor allem Übung den Meister. Nicht nur die für die Prüfung benötigten Fertigkeiten müssen geübt und geschärft werden, es kommt auch darauf an, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Regenerationsfähigkeit aufzubauen und zu pflegen. Das geht nur durch das Schreiben möglichst vieler Übungsklausuren im Klausurenkurs als simulierten Ernstfall.

Effiziente Zeitnutzung ist nicht gleichbedeutend mit Aktionismus. Effizient genutzt wird die Zeit, wenn sie in Tätigkeiten investiert wird, die zum Erreichen des Endziels – die erfolgreiche Vollendung der Klausur – geeignet sind. Das schließt auch Pausen und regenerative Tätigkeiten wie Essen, Trinken und Ruhen mit ein. Zu vermeidende Zeitfresser sind z.B. baden in Verzweiflung und/oder Selbstmitleid, zielloses Blättern im Kommentar oder Gesetz.

D. Verschiedene Arten von Klausuren

In jedem Rechtsgebiet gibt es verschiedene Klausurtypen. In den folgenden Artikeln wird jede davon beschrieben, und es werden Hinweise gegeben, was vom Bearbeiter erwartet wird und wie man am besten mit ihnen umgeht.

Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass man vor Beginn der Bearbeitung den Sachverhalt sorgfältig durchliest, um den Typ der Klausur zu bestimmen und den Fall entsprechend zu bearbeiten.

Zivilrecht

Urteilsklausur

Anwaltsklausur

Kautelarklausur

Strafrecht

Urteilsklausur

Revisionsklausur

– Anwaltsklausur

– Kautelarklausur

Staatsanwaltsklausur

Öffentliches Recht

– Anwaltsklausur

– Kautelarklausur

– Verwaltungsgerichtliches Verfahren

– Beschluss

– Urteil

– Verwaltungsbehördliches Verfahren

– Ausgangsbescheid

– Widerspruchsbescheid

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