Jura lernen – Karteikarten oder Skripten

Gleich nach Beginn des Jurastudiums kristallisiert sich relativ schnell heraus, dass eine gewaltige Menge an Materialien zur Unterstützung des Lernens zur Verfügung steht. Es scheint schier unmöglich sich zu entscheiden, mit welchen Lehrmitteln man wohl den bestmöglichen Erfolg erzielen kann. Nicht jeder Student hat die Möglichkeit, sich an Familienmitglieder oder Freunde zu wenden und sich diesbezüglich Tipps zu holen. Auch mag die Lernstrategie des Anderen nicht unbedingt die richtige für einen selbst darstellen. Es ist daher ratsam, sich in den ersten Semestern des Studiums zu informieren und zu experimentieren, welche Art von Lehrmittel und vielleicht auch, welcher Verlag einem persönlich am besten liegt. Es hat nämlich keinen Sinn, sich fünf  verschiedene Materialien zu dem gleichen Themenbereich zu suchen und alle nacheinander durchzuackern und zu vergleichen. Das Studium der Rechtswissenschaft beinhaltet verschiedene Herangehensweisen und Meinungen zu ähnlichen Themenkomplexen und es gilt, sich nicht unnötig durcheinander bringen zu lassen, sondern einer geraden Linie zu folgen. Von Anfang ist es unausweichlich das Wichtigste herauszuarbeiten und sich einen guten Grundstock anzueignen. Denn nur mithilfe dieses Grundwissens und der richtigen Herangehensweise an das Gesetz ist es möglich, Examensklausuren zu bewältigen und auch unbekannte Sachverhalte souverän zu meistern. Auf die Details kommt es vorerst nicht an, auch wenn diverse Klausurlösungen dies vorzugeben pflegen. Eine gute Übersicht über die wichtigsten Inhalte der verschiedenen Rechtsgebiete findet man in den „kleinen Fällen“. Diese kurzen und knappen Fallbearbeitungen gibt es von den verschiedensten Verlagen und eignen sich hervorragend dazu ein gewisses Gespür für „das, was wichtig ist“ zu entwickeln.

Vor- und Nachteile des Lernens mit Karteikarten

Eine Möglichkeit des Lernens ist es, sich selbst in der Phase der Wiederholung Karteikarten anzufertigen. Allerdings ist dies nur ratsam, sofern man schon einen gewissen Überblick über das Rechtsgebiet hat. Andererseits endet es damit, dass unendlich viele Karteikarten angefertigt werden, von denen letztendlich die Hälfte unbrauchbar ist, da sie nicht die eigentlichen Probleme der Materie, sondern Randprobleme behandeln. Auch ist es manchmal verwirrend nach einer gewissen Zeit wieder seine eigenen Karten durchzulesen, da man vielleicht nicht mehr weiß, was man mit der Karteikarte eigentlich zum Ausdruck bringen wollte.

Kauft man sich schon fertige Karteikarten in Handel, ist man hier auf der sicheren Seite. Denn es ist wenigstens klar, dass die Karteikarte professionell erstellt wurde. Jedoch gibt es auch hier von extrem detaillierten Karteikarten bis hin zu sehr kurz Gefassten eine sehr große Auswahl. Es wird damit geworben, dass Sie definitiv alles wissen, wenn Sie alle Karten durchgearbeitet haben etc. Auch spielt hier natürlich der Kostenfaktor eine wichtige Rolle. Meist ist es möglich, sich die Karten vor dem Kauf einmal durchzusehen. Auch hier gilt: hat man einen groben Überblick über die Materie, ist es leichter die Qualität der Karteikarten zu beurteilen. Also bitte nicht einfach darauf loskaufen!

Generell ist gegen das Lernen mit Karteikarten nichts einzuwenden, denn sie sind vor allem in der „heißen Phase“ vor der Prüfung ein effizientes Mittel, um noch einmal die wichtigsten Punkte zu erfassen. Ob selbst geschrieben oder fertig gekauft ist Geschmackssache. Jedoch ist es wichtig wirklich zu verstehen, was hinter den wenigen Anhaltspunkten auf der Karteikarte steht und nicht nur stur das Geschriebene auswendig zu lernen. Nur so kann eine gute Klausur geschrieben werden.

Vor- und Nachteile des Lernens mit Skripten

Manche Studenten bevorzugen es mit Skripten zu lernen. Skripten bieten  eine knappere Darstellung der Materie und sind vor allem dann gut geeignet, wenn es gilt, sich einen Überblick über das Rechtsgebiet zu verschaffen. In Skripten werden zumeist die wichtigsten Probleme dargestellt und können daher als Anhaltspunkt benutzt werden, um sich die nötigen Karteikarten zusammenzustellen. Skripten bieten zusätzlich die Möglichkeit auftauchende Schwierigkeiten schnell nachzulesen, um sich wieder im „Großenganzen“ zu orientieren. Ebenfalls gibt es von verschiedenen Verlagen wie oben schon erwähnt die Möglichkeit „kleine Fälle“ zu bearbeiten. Diese sind ebenfalls sehr hilfreich, da man dort ein Gefühl für die Herangehensweise und die Formulierung eines Problems in der Klausur vermittelt bekommt. Auch beinhalten die Lösungen dieser kleineren Fälle viele Tipps bezüglich der Vertiefung des Lernstoffs oder Hinweise auf weitere, in diesem Kontext auftauchende, Probleme. Jedoch ist es ratsam, sobald bei auftauchenden Verständnisproblemen ein Lehrbuch zur Vertiefung hinzuzuziehen. Lesen Sie sich jedoch auf keinen Fall das Lehrbuch von vorn bis hinten durch. Kristallisieren Sie das Problem heraus, lesen sie die entsprechende Stelle im Lehrbuch und versuchen sie herauszufinden, wo dieses Problem in der Klausurstruktur zu verorten ist. Schließlich gilt es, die Klausur zu bestehen!

Andere Lehrmittel

Das isolierte Lernen mit Skripten oder Karteikarten scheint nicht ratsam, da es schnell geschehen kann, dass wichtige Elemente des Rechtsgebiets übersehen werden. Eine Kombination ist eine gute Sache, da Skripten bei Beginn des Lernens, und Karteikarten gerade kurz vor der Prüfung, sehr gute Lehrmittel darstellen. Auch können Sie natürlich selbst Skripten erstellen. Dies ist zwar am Anfang des Studiums schwierig, allerdings sind selbsterstellte Skripten leicht zu ändern oder auszubessern und helfen gerade kurz vor dem Examen ungemein, weil es wesentlich schneller geht diese nochmal schnell durchzuarbeiten.

Während der ersten drei Jahre des Studiums sollten aber auf jeden Fall auch die Hinweise der Professoren auf juristische Artikeln in Fachzeitschriften oder Lehrbüchern beherzigt werden, da gerade diese dabei helfen, im Studium Fuß zu fassen. Aber auch hier gilt: lesen Sie nicht alles ohne kritisch zu reflektieren, ob Ihnen das Gelesene für die Klausur und Ihr Verständnis etwas gebracht hat.

In der Vorbereitungsphase des Examens werden Examensklausuren angeboten. Sie sollten definitiv einige Examensklausuren vor dem Examen geschrieben haben, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Gerade Zeitmanagement und die Herangehensweise an die Klausur, wie Gliederung und Verortung von Problemen, sind von höchster Wichtigkeit. Es kursieren die verschiedensten Gerüchte, wie viele Klausuren man geschrieben haben sollte, bevor man zum ersten Versuch antritt. Hören Sie nicht auf diese, sondern vertrauen sie Ihrer eigenen Einschätzungsgabe und machen Sie sich nicht unnötig Druck. Wichtig sind diese examensgleichen Klausuren aber vor allem, um zu lernen, wie man eine Klausur richtig strukturiert und wie die gelernten Probleme zu verorten sind. Auch zeigt Ihnen die Lösung Ihre Stärken und Schwächen auf, die Sie zum jeweiligen Zeitpunkt noch haben.

Letztendlich gibt es für verschiedene Stadien des Studiums unterschiedlich geeignete Lehrmittel. Versuchen Sie frühzeitig die für Sie geeignete Kombination zu finden, denn das erspart Ihnen in der Vorbereitungsphase zum Examen erheblich Zeit.

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