Die Widerklage (§ 33 ZPO) – Aufbau und Prüfung

Der Artikel soll den Studenten und Referendar mit dem Aufbau einer Widerklage im Gutachten und im Urteil vertraut machen. Ein Schwerpunkt wird auf die examensrelevanten Probleme der Konnexität und der Drittwiderklage gelegt. Ferner werden besondere Arten der Widerklage aufgezeigt.

A. Einleitung

Dem Beklagten stehen im Prozess mehrere taktische Möglichkeiten offen, um sich gegen eine Klage zu wehren. Neben den regulären Verteidigungsmitteln (Erheben von Einreden und Einwendungen oder Erklären der Aufrechnung) ist es dem Beklagten auch möglich zum Gegenangriff überzugehen. Hierfür steht ihm die Widerklage zur Verfügung. Diese stellt eine echte Klage der besonderen Art dar. Sie kann unmittelbar im vom Kläger angestrengten Verfahren gegen diesen erhoben werden und führt zu umgekehrten Parteirollen. Im Rubrum sind die Parteien in diesem Fall als Kläger und Widerbeklagter sowie Beklagter und Widerkläger zu bezeichnen.

Die Widerklage ist kein Angriffs- und Verteidigungsmittel im Sinne des § 282 Abs. 1 ZPO. Sie ist vielmehr der Angriff selbst. Folglich findet auch der § 296 ZPO keine Anwendung.

Die wesentlichen Vorteile einer Widerklage sind:

– Es steht ein zusätzlicher Gerichtsstand zur Verfügung (§ 33 ZPO).

– Beweise können im selben Verfahren eingeholt werden. Die Führung eines weiteren Prozesses ist insoweit nicht nötig. Dies führt zu einer Geld- und Zeitersparnis.

– Da Klage und Widerklage in einem Prozess erhoben werden, sind die anfallenden Gebühren geringer. Zwar werden die geltend gemachten Ansprüche zusammengerechnet, sofern sie wirtschaftlich verschieden sind, vgl. § 45 Abs. 1 Satz 1, 3 GKG. Jedoch fallen diese infolge des Grundsatzes der Gebührendegression geringer aus, als wenn beide Ansprüche einzeln geltend gemacht werden. Bei wirtschaftlich identischen Ansprüchen ist sogar nur der höhere Einzelwert einschlägig (§ 45 Abs. 1 Satz 3 GKG).

– Ferner dient die Widerklage auch der Prozessökonomie. Klagen, die im Zusammenhang stehen, sollen auch gemeinsam verhandelt und entschieden werden. Dies spart Ressourcen und verhindert sich widersprechende Entscheidungen.

 

B. Die Voraussetzungen der Widerklage

I. Zulässigkeit der Widerklage

1. Allgemeine Prozessvoraussetzungen

a. Ordnungsgemäße Klageerhebung gemäß § 261 Abs. 2 ZPO

Die Widerklage kann durch Schriftsatz, der zuzustellen ist (§ 253 ZPO), oder bis zum Ende in der mündlichen Verhandlung geltend gemacht werden (§ 297 ZPO). Bzgl. der Berufungsinstanz ergeben sich allerdings Einschränkungen gemäß § 533 ZPO.

b. Örtliche Zuständigkeit

Zunächst sind die regulären Zuständigkeitsnormen zu prüfen (§§ 12 ff. ZPO). Liegen diese vor, so ist ein Rückgriff auf den zusätzlichen Gerichtsstand nach § 33 ZPO entbehrlich. Jedoch ist zu beachten, dass die umstrittene Voraussetzung der Konnexität in jedem Fall in den „Besonderen Prozessvoraussetzungen“ anzusprechen ist. Dies gilt auch, wenn der örtliche Gerichtsstand nicht nach § 33 ZPO geltend gemacht wird.

Beruft sich der Widerkläger allerdings auf den zusätzlichen Gerichtsstand nach § 33 ZPO, muss Konnexität (= ein rechtlicher Zusammenhang) vorliegen.

Dies ist der Fall, sofern sich Anspruch und Gegenanspruch „aus demselben rechtlichen Verhältnis“ ergeben und ihnen ein innerlich zusammengehöriges, einheitliches Lebensverhältnis zugrunde liegt. In § 273 BGB wird Konnexität ebenfalls vorausgesetzt. Die dortigen Grundsätze können hier entsprechend herangezogen werden. Ein synallagmatisches Abhängigkeitsverhältnis von Klage und Widerklage ist demnach nicht erforderlich. Letztlich muss die Widerklage mit dem Streitgegenstand der Klage oder mit dem Verteidigungsmittel (= Einwendungen und Einreden/keine Beweismittel) im rechtlichen Zusammenhang stehen.

Beispiel für einen rechtlichen Zusammenhang der Widerklage mit dem Streitgegenstand der Klage:

Klage auf Kaufpreiszahlung und Widerklage auf Schadensersatz wegen Pflichtverletzung aus dem Kaufvertrag.

Beispiel für nicht im rechtlichen Zusammenhang stehende Klagen:

Klage auf Kaufpreiszahlung und Widerklage auf Mietzinszahlung.

Beispiel für einen rechtlichen Zusammenhang der Widerklage mit Verteidigungsmitteln gegen die Klage:

K klagt € 10.000 gegen B ein. B rechnet aus einer Forderung in Höhe von € 20.000 gegen den K auf und macht die restlichen € 10.000 im Rahmen der Widerklage geltend. Hier besteht der Zusammenhang über §§ 387 ff. BGB als Verteidigungsmittel.

Ein rügeloses Einlassen durch den Kläger (§ 39 ZPO) ist immer möglich.

 

c. Sachliche Zuständigkeit gemäß §§ 23 Nr. 1, 71 GVG

Der Zuständigkeitsstreitwert richtet sich nach § 5 2. Hs. ZPO. Eine Addition der Ansprüche aus Klage und Widerklage findet insoweit nicht statt.

Es sind drei Konstellationen zu beachten:

– Klage über € 4.000 und Widerklage über € 2.000. Da keine Addition stattfindet, bleibt das Amtsgericht gemäß §§ 23 Nr. 1, 71 GVG zuständig.

– Klage über € 3.000 und Widerklage über € 10.000. Nun muss der Amtsrichter auf die sachliche Zuständigkeit des Landgerichts hinweisen (§ 504 ZPO). Stellt eine Partei einen entsprechenden Antrag, so muss verwiesen werden (§ 506 ZPO).

– Klage über € 6.000 und Widerklage über € 6.000 aus Wohnraummiete. Gemäß § 23 Nr. 2a GVG ist das Amtsgericht sachlich ausschließlich zuständig. Es kommt zu einer Trennung beider Klagen und Verweisung der Widerklage an das Amtsgericht, §§ 145 Abs. 1, 281 ZPO.

Exkurs Gebührenstreitwert: Der Zuständigkeits- und der Gebührenstreitwert sind strikt voneinander zu trennen. Der Gebührenstreitwert richtet sich nach § 45 Abs. 1 GKG bzw. nach § 23 Abs. 1 Satz 1 RVG. Bzgl. des Gebührenstreitwerts kann es im Gegensatz zum Zuständigkeitsstreitwert zu einer Addition der Ansprüche kommen, sofern diese wirtschaftlich verschieden sind (§ 45 Abs. 1 Satz 1, 3 GKG). Sind sie jedoch wirtschaftlich identisch, ist der Wert des höheren Anspruchs maßgebend (§ 45 Abs. 1 Satz 3 GKG).

Auch bzgl. der sachlichen Zuständigkeit kann § 39 ZPO zur Anwendung kommen, sofern sich der Kläger rügelos auf die Widerklage einlässt und keine ausschließliche anderweitige Zuständigkeit vorliegt (§ 40 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Satz 1 Nr. 2 ZPO).

 

d. Keine anderweitige Rechtshängigkeit gemäß § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO

Hauptklage und Widerklage dürfen keinen identischen Streitgegenstand haben. Daher ist eine reine Negation nicht möglich.

Beispiel: Klage auf Kaufpreisforderung sowie Widerklage auf Feststellung der Unwirksamkeit des Kaufvertrags ist grundsätzlich nicht möglich.

Vgl. hierzu BGH NJW 1989, 2064: Der Streitgegenstand der Leistungsklage umfasst bereits den der negativen Feststellungsklage. Denn der Antrag auf Verurteilung zur Leistung enthält den engeren Feststellungsantrag. Anders liegt der Fall, wenn die Klage zunächst auf Feststellung des Bestehens eines Rechtsverhältnisses gerichtet ist und sodann im Wege der Widerklage auf Leistung aus diesem Rechtsverhältnis geklagt wird.

 

2. Besondere Prozessvoraussetzungen

a. Rechtshängigkeit der Hauptklage

Notwendig bei der Erhebung der Widerklage ist die Rechtshängigkeit der Hauptklage. Allerdings ist es unschädlich, ob die Hauptklage später bestehen bleibt. Daher wird die Hauptklage auch als das „Sprungbrett“ der Widerklage bezeichnet.

 

b. Kein Ausschluss der Widerklage kraft Gesetz

Ein Ausschluss kann sich aus § 595 Abs. 1 ZPO (Urkundenprozess) sowie aus den Normen des Familienrechts ergeben.

 

c. Parteiidentität

Grundsätzlich müssen die Parteien der Widerklage auch an der Hauptklage beteiligt sein. Stark umstritten ist allerdings, ob Dritte im Wege der Widerklage mit in den Rechtsstreit einbezogen werden dürfen. Hierzu näher unter Buchst. G Ziff. IV. des Artikels.

 

d. Konnexität

Es ist umstritten, ob die geforderte Konnexität des § 33 ZPO eine besondere Prozessvoraussetzung ist.

aa. Herrschende Meinung in der Literatur

Nach der h.M. in der Literatur begründet die Vorschrift lediglich einen zusätzlichen besonderen Gerichtsstand. Dies ergebe sich aus dem Standort des § 33 ZPO innerhalb der Gerichtsstandsvorschriften und aus dessen Wortlaut.

Die Rechtsfolgen dieser Ansicht sollen anhand von Beispielsfällen veranschaulicht werden:

Beispiel 1: Klage auf Kaufpreiszahlung und Widerklage auf Schadensersatz wegen Pflichtverletzung aus dem Kaufvertrag.

Lösung: Unterstellt, das Gericht der Klage ist für die Widerklage nicht bereits aufgrund allgemeiner Vorschriften (§§ 12 ff. ZPO) zuständig, so ergibt sich die örtliche Zuständigkeit des Gerichts hier jedenfalls aus § 33 ZPO, da die Klagen im rechtlichen Zusammenhang stehen. Einer späteren Prüfung der Konnexität als besonderer Voraussetzung bedarf es dann nicht mehr.

Beispiel 2: Der Kläger klagt eine Kaufpreisforderung gegen B ein und B klagt daraufhin eine Mietzinsforderung gegen K ein.

Lösung: Zwischen den Klagen liegt kein rechtlicher Zusammenhang vor, sodass sich das örtlich zuständige Gericht nicht aus § 33 ZPO ergeben kann. Da § 33 ZPO jedoch nur einen besonderen Gerichtsstand begründet, muss zunächst geprüft werden, ob das vom Kläger angerufene Gericht aufgrund einer anderen Norm über die örtliche Zuständigkeit auch für die Widerklage zuständig ist. Ist dies der Fall, so ist die Widerklage nach dieser Auffassung ohne weiteres zulässig. Auf das Erfordernis der Konnexität als besonderer Prozessvoraussetzung wird verzichtet.

bb. Ansicht des BGH

Nach der Rechtsprechung des BGH und Teilen der Literatur regelt § 33 ZPO hingegen sowohl die örtliche Zuständigkeit als auch die Konnexität als besondere Prozessvoraussetzung. Die Rechtsprechung will mit dieser Vorgehensweise vermeiden, dass nicht konnexe Klagen zusammen verhandelt werden. Ferner würde sich der Mehraufwand für das Gericht, zwei unterschiedliche Sachverhalte zu prüfen, nicht in den Einnahmen der Justiz niederschlagen. Denn die Gebühreneinnahmen bei der Widerklage sind immer geringer. Daher muss die Konnexität der beiden Klagen als besondere Prozessvoraussetzung gegeben sein. Jedoch lässt die Rechtsprechung eine Heilungsmöglichkeit zu, sofern ein rügeloses Einlassen (§ 295 Abs. 1 ZPO) vorliegt.

Der Streit sollte nur dann in aller Breite dargestellt werden, wenn eine nicht konnexe Widerklage besteht (Beispiel 2). Bei einer konnexen Widerklage kommen beide Ansichten immer zum gleichen Ergebnis.

 

II. Begründetheit der Widerklage

Die Widerklage ist begründet, sofern der geltend gemachte Anspruch besteht.

C. Rubrum (Beispiel)

AZ, Datum

Landgericht X

 

In dem Rechtsstreit

des Herrn X, (Adresse)

Kläger und Widerbeklagter

Prozessbevollmächtigte: RA1

gegen

Frau Y, (Adresse)

Beklagte und Widerklägerin

Prozessbevollmächtigte: RA2

hat die X. Kammer des Landgerichts X durch den Vorsitzenden am Landgericht Mustermann als Einzelrichter aufgrund der mündlichen vom [___] für Recht erkannt:

D. Tenor

Die Klage und die Widerklage sind getrennt zu tenorieren.

1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Auf die Widerklage hin wird der Kläger verurteilt an den Beklagten X € zu zahlen.

Jedoch erfolgt eine einheitliche Kostenentscheidung (Grundsatz der Kosteneinheit)

3. Der Kläger trägt die Kosten des Rechtstreits.

Die Vollstreckbarkeit wird für jeden einzeln festgelegt.

E. Tatbestand

Bei dem Aufbau des Tatbestands ist zwischen einem zusammenhängenden Sachverhalt und verschieden Sachverhalten zu unterscheiden.

I. Zusammenhängende Sachverhalte sind im Tatbestand wie folgt aufzubauen:

– Einleitung bzgl. Klage und Widerklage

– Unstreitiges zur Klage und Widerklage

– Prozessgeschichte I

– Streitiger Klägervortrag zur Klage

– Klageantrag zur Klage

– Klageabweisungsantrag

– Widerklageantrag

– Widerklageabweisungsantrag

– Streitiger Beklagtenvortrag als Klagerwiderung und darauffolgend die Rechtfertigung der Widerklage

– Mögliche Entgegnung des Klägers zur Widerklage

– Prozessgeschichte II

 

II. Verschiedene Sachverhalte sind im Tatbestand wie folgt aufzubauen:

– Einleitung bzgl. Klage und Widerklage

– Unstreitiges zur Klage

– Streitiger Klägervortrag zur Klage

– Klageantrag zur Klage

– Klageabweisungsantrag

– Streitiger Beklagtenvortrag zur Klage

– Unstreitiges zur Widerklage

– Streitiger Vortrag des Widerklägers

– Widerklageantrag

– Widerklageabweisungsantrag

– Streitiger Vortrag des Widerbeklagten

 

F. Die Prüfungsreihenfolge im Urteil

Ergebnis zur Klage und Widerklage

I. Klage

1. Zulässigkeit der Klage

2. Begründetheit der Klage (incl. Nebenforderung)

II. Widerklage

1. Zulässigkeit der Widerklage

2. Begründetheit der Widerklage (incl. Nebenforderung)

III. Nebenentscheidung

1. Kosten (§§ 91 ff. ZPO)

2. Vorläufige Vollstreckbarkeit (§§ 708 ff. ZPO)

IV. Unterschrift des Richters

 

G. Die Sonderformen der Widerklage

 I. Die petitorische Widerklage

In dieser Konstellation ist in der Zulässigkeit der (petitorischen) Widerklage zu prüfen, ob der Beklagte diese gegen einen possessorischen Anspruch (§ 861 BGB) geltend machen kann.

Die Literatur hält dies wegen des Wortlauts des § 863 BGB für unzulässig. Es erfolgt eine Abweisung oder Abtrennung (§ 145 ZPO) der Widerklage.

Der BGH hält diese Konstellation jedoch für zulässig, sofern die Widerklage entscheidungsreif ist. Würde man der Literatur folgen, so erfolgte eine Abtrennung der Klagen, die am Ende auf das gleiche Ergebnis oder auf divergierende Entscheidungen hinauslaufen würde. Aus Gründen der Rechtssicherheit und der Prozessökonomie ist daher der Ansicht des BGH zu folgen.

 

II. Zwischenfeststellungswiderklage gemäß § 256 Abs. 2 ZPO

Die Zwischenfeststellungsklage ermöglicht die Feststellung, ob ein im Prozess streitig gewordenes Rechtsverhältnis besteht ob nicht besteht. Dadurch wächst neben dem Leistungsbefehl (z.B. B wird verurteilt 1.000 € nebst Zinsen an K zu zahlen) auch das Rechtsverhältnis in Rechtskraft (z.B. es wird festgestellt, dass ein Mietvertrag besteht). Hierzu müsste das Rechtsverhältnis allerdings für die Hauptklage vorgreiflich und über das Ergebnis der Hauptklage hinausreichen.

Die Vorgreiflichkeit ist gegeben, sofern das Rechtsverhältnis für die Hauptklage entscheidend ist (im Rahmen der Ausbildung wird oft der Verkehrsunfall abgeprüft, der ein deliktisches Rechtsverhältnis darstellt).

Über das Ergebnis in der Hauptklage hinaus reicht das Rechtsverhältnis, sofern dieses auch noch für zukünftige Ansprüche relevant ist. Besteht z.B. ein deliktisches Rechtsverhältnis durch einen Verkehrsunfall, so könnten weitere Schadensersatzforderungen auf den Schädiger zukommen.

 

III. Widerklage und Aufrechnung in einem Prozess

Die Widerklage ist eine eigenständige Klage, während die Aufrechnung nur ein Verteidigungsmittel ist und zum Erlöschen des Anspruchs des Klägers führt. Daher führt die Aufrechnung nicht zur Rechtshängigkeit und kann gleichzeitig mit der Widerklage geltend gemacht werden. Hierbei sind verschiedene Konstellationen denkbar.

1. K klagt 1.000 € gegen B ein. B hat einen Anspruch auf 3.000 € gegen K. Somit kann B die Forderung des K in Höhe von 1.000 € zum Erlöschen bringen und weitere 2.000 € durch die Widerklage einklagen.

2. K klagt 1.000 € gegen B ein. Die Klage basiert auf einem Kaufvertrag, der gemäß §§ 142, 104 ff. BGB nichtig ist. B hat einen Anspruch auf 3.000 € gegen K. In diesem Fall wäre es sinnlos in Höhe von 1.000 € aufzurechnen. Denn der Kaufvertrag ist ohnehin nichtig und es muss nicht auf ihn geleistet werden. Somit ist es für B vorteilhafter Eventualaufrechnung und Eventualwiderklage zu erklären, die jeweils unter den Bedingungen stehen, dass die Klageforderung unbegründet ist. Somit wird K schlussendlich auf Zahlung von 3.000 € gegen B verurteilt.

3. Sollte der B sich nicht sicher sein, ob seine Aufrechnung noch zulässig ist, so kann er natürlich auch die Eventualwiderklage unter die Bedingung stellen, dass die Klage aufgrund der unzulässigen Aufrechnung Erfolg hat.

 

IV. Drittwiderklage

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich gegen einen Dritten im Prozess Widerklage zu erheben. Examensrelevant in dieser Konstellation ist der Verkehrsunfall, in dem der Beklagte sowohl gegen den Kläger als auch gegen dessen Haftpflichtversicherung (Dritt-)Widerklage erhebt.

Nach welchen Regeln dies zulässig ist, ist umstritten.

Der BGH verlangt hier, dass nachfolgende Voraussetzungen gegeben sein müssen:

1. Die Widerklage muss durch den Beklagten erhoben werden.

2. Sie muss sich zumindest auch gegen den Kläger richten. Eine Widerklage, die sich nur gegen einen Dritten richtet, ist nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich (isolierte Drittwiderklage).

3. Ferner müssen die Voraussetzungen der nachträglichen subjektiven Klagehäufung vorliegen (§§ 263 ff. ZPO analog). Dies ist entweder bei Einwilligung des Dritten möglich oder durch bei „Sachdienlichkeit“ im Sinne des § 263 ZPO. Im Rahmen der Verkehrsunfallkonstellation wird die „Sachdienlichkeit“ aufgrund der Gesamtschuldnerschaft der Haftpflichtversicherung mit dem Schädiger gemäß § 115 Abs. 1 Satz 4 VVG angenommen.

4. Zu beachten gilt es auch, dass für die Drittwiderklage nicht die zusätzliche örtliche Zuständigkeit nach § 33 ZPO gilt. Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich damit nach den allgemeinen Bestimmungen (§§ 12 ff. ZPO) und der rügelosen Einlassung (§ 39 ZPO).

Die Literatur ist hingegen der Ansicht, dass es sich bei der Drittwiderklage um eine Streitgenossenschaft nach §§ 59 f. ZPO handelt. Liegen die Voraussetzungen einer Streitgenossenschaft nicht vor, so erfolgt eine Abtrennung (§§ 145, 147 ZPO).

 

V. Isolierte Drittwiderklage

Bei dieser Form der Widerklage wird jene nur gegen einen Dritten gerichtet. Unter sehr engen Voraussetzungen ist dies nach dem BGH möglich:

1. Es muss eine enge Verbindung zwischen den Klagen bestehen. Der Sinn der Prozessökonomie ist nur erfüllt, sofern Ansprüche im Zusammenhang zueinander stehen.

2. Der isolierte Drittwiderbeklagte darf nicht in schützenswerten Interessen verletzt werden.

3. Ferner müssen die Voraussetzungen der nachträglichen subjektiven Klagehäufung vorliegen (§§ 263 ff. ZPO analog).

Beispiel:

Der wohl examensrelevanteste Fall ist wiederum ein Verkehrsunfall:

K stehen Schadensersatzansprüche gegen B aus einem Verkehrsunfall zu. Damit K seine Parteistellung verliert und als Zeuge vernommen werden kann, tritt er seine Ansprüche an seinen Sohn S ab. In einem zweiten Schritt erhebt S Klage gegen B, sodass er K als Zeugen nutzen kann. Um jedoch Waffengleichheit herzustellen, muss es dem B möglich sein, die isolierte Drittwiderklage zu erheben. Dies hätte zur Folge, dass K im Rahmen der Parteierweiterung wieder Partei würde. Er verlöre seine Zeugenstellung. Bei diesem Fall besteht eine enge Verknüpfung der Ansprüche zueinander. Ferner kann K auch keine schützenswerten Interessen geltend machen. Denn er hat diese Situation selbst hervorgerufen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Dieser Vorteil (Zeugenstellung) wird im Rahmen der Waffengleichheit wieder angepasst, sodass er B gleichwertig gegenübersteht. Ferner ist die Parteierweiterung analg §§ 263 ff. ZPO auch sachdienlich. Es wäre prozessökonomische unvorteilhaft, zwei (künstliche) Prozesse zu führen.

 

VI. Widerklage im Rahmen eines Versäumnisurteils

Die Vorschriften über das Versäumnisurteil gelten auch im Rahmen der Widerklage (§ 347 Abs. 1 ZPO).

Hierbei muss grundsätzlich beachtet werden, dass gegen eine säumige Partei zwei Versäumnisurteile ergehen können. Ist der Beklagte säumig, so kann ein Versäumnisurteil gegen den Beklagten und ein weiteres gegen ihn als Widerkläger ergehen. Beim säumigen Kläger ergeht ein Versäumnisurteil gegen den Kläger und Widerbeklagten.

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  1. Laz

    17.04.2013, um 20:24 Uhr

    eine sehr schöne und verständliche Zusammenfassung!

  2. timo

    03.02.2015, um 13:32 Uhr

    super gemacht!

  3. Peters

    08.04.2015, um 14:00 Uhr

    Ich fand die Zusammenfassung sehr verständlich. Diese verschafft ohne Mühe guten Überblick!

  4. Leni

    05.05.2015, um 17:31 Uhr

    Super Artikel,sehr gut erklärt, vielen Dank und weiter so :-)

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