Konzentration im Jura-Studium

Aufgrund seines oft hohen Abstraktionsgrades und der Natur der Ausbildung, die für etliche Studenten nicht so viele Erfolgs- und Aha-Erlebnisse bereithält, kann Konzentration im juristischen Studium durchaus zum Problem werden. Insbesondere Anfänger tun sich oft schwer mit den in der Juristerei üblichen Formulierungen, Denk- und Arbeitsweisen, die mit der Gedanken- und Vorstellungswelt Normalsterblicher auf den ersten Blick wenig gemein hat. Kommen dann womöglich noch schlechte Noten und andere Misserfolge hinzu, trägt das wenig zur Motivation bei, die schwer verdauliche Materie zu meistern. Nicht nur deswegen ist die Fähigkeit zu konzentriertem Denken und Arbeiten sehr wichtig.

Leider ist das oft nicht so einfach, wie man denkt. Die wenigsten angehenden Juristen verfügen von Beginn an über die notwendigen Fähigkeiten zum Differenzieren, Abstrahieren und Subsumieren, die das Lösen einer Fallkonstellation oft erst ermöglichen, und entwickeln sie erst mit der Zeit. Bis dahin sorgt der für Uneingeweihte seltsam anmutende Denk- und Arbeitsansatz oft dafür, dass die Gedanken von der Aufgabe abgleiten wie Klingen von einer Rüstung. Der wenig eingängige und trockene Stoff und die oft miserable allgemeine Ausbildungsqualität machen es nicht besser, so dass es oft schwer fällt, bei der Sache zu bleiben. Kommen dann noch geräuschintensive Umgebungen, Hustenanfälle oder Nervosität dazu, kann es zur echten Herausforderung werden.

Bei so durchwachsenen Startbedingungen kann es keinesfalls schaden, die Konzentration zu schärfen und/oder unerwünschte Störquellen draußen zu halten, um auch unter schwierigen Bedingungen arbeiten zu können.

Das Lernen

Schon beim Lernen fällt es oft nicht leicht, die Gedanken nicht schweifen zu lassen, da es scheinbar so viel Interessantes zu sehen und zu tun gibt, was gerade viel attraktiver scheint als das Lernen. Am besten kann man diesem Problem Herr werden, indem man einen nüchternen und ruhigen Ort aussucht und sich feste Zeiten und Ziele setzt. Geeignet ist z.B. die Bibliothek, die außerdem den Vorzug bietet, dass sich die meisten zum Lernen benötigten Bücher ebenfalls dort befinden. Falls man lieber zu Hause bleibt, muss möglichst ein Ort her, der einen nicht daran erinnert, was man sonst alles noch tun könnte und sollte – also möglichst nicht die Küche, das Wohnzimmer oder Schlafzimmer, da sonst z.B. zu spülendes Geschirr, der Fernseher, diverse Bücher, der Computer, das Telefon oder Bett um die Aufmerksamkeit buhlen.

Aber nicht nur äußere Einflüsse können sich als schwierig erweisen. Gerade phantasiebegabte Individuen stellen oft fest, dass die Gedanken nicht bei der Aufgabe bleiben wollen, sondern in alle möglichen Richtungen zu interessanteren Orten davoneilen. Hinzu kommt dann die Verlockung, es lieber ganz bleiben zu lassen, da man sich ja offenbar doch nicht konzentrieren kann – und aus ist es mit dem Arbeiten. Das ist eine der schwierigsten Situationen, da man hier kaum technische Maßnahmen ergreifen kann. Hier hilft leider nur eiserne Disziplin. Man darf den wandernden Gedanken nicht nachgeben, da das Problem sonst weiterbesteht und ein konzentriertes Arbeiten auch in Zukunft schwierig macht.

Ein gängiges Problem sind akustische Störquellen, die gerade dann am meisten nerven, wenn man unter Druck steht. Egal ob sich die Kommilitonen in der Bibliothek unterhalten, mal wieder die Straße aufgerissen wird oder der Nachbar den ganzen Block an seinem Musik- oder Erotikgeschmack teilhaben lässt – oft ist es schwer, sich der intrusiven Qualität vieler Geräusche zu erwehren. Manchmal muss es gar nichts Lautes oder Spektakuläres sein, auch leise Geräusche können extrem störend wirken, z.B. ungeputzte Nasen, Kaffeeschlürfen, Blätterrascheln, leises Kichern und Blödeln, unbewusstes Summen oder Schmatzen – die Liste ist sehr lang, und manchmal ist die Störung weniger durch das Geräusch selbst bedingt, sondern durch die eigene mentale Dünnhäutigkeit in stressigen Situationen. Problematisch ist dabei, dass man nicht jedes Geräusch im Umkreis eliminieren kann, insbesondere solche, die unvermeidlich oder legitim sind, und durch übertriebene Mäkeligkeit womöglich die Umgebung gegen sich aufbringt.

Hier kommt nur der Einsatz von Hilfsmitteln oder mentalen Techniken in Frage. Ein nützliches Hilfsmittel sind Ohrstopfen wie z.B. Ohropax, die bei fast allen außer den lautesten und eindringlichsten Geräuschen für Ruhe sorgen. Leider sind diese manchmal nicht gerade bequem zu tragen, doch sind die Alternativen eher dünn gesät. Hilfreiche mentale Techniken umfassen autogenes Training und Autosuggestion, mit deren Hilfe man die Störquellen außen vor lassen kann und die auch der Konzentration auf die Sprünge helfen.

Mit am wichtigsten ist – wie so oft – der Übungseffekt. Je öfter es gelingt, trotz aller möglichen Störungen und Ablenkungen konzentriert zu arbeiten, desto leichter fällt es den Gedanken, sich ein Bett zu graben, aus dem sie nicht mehr so leicht herauszubringen sind.

Ansonsten gelten viele altbekannte Regeln: genug Schlaf und Bewegung, Ausgleich durch Sport und andere Tätigkeiten, und nicht zu viel saufen – ihr braucht die Gehirnzellen noch.

Die Klausur

Klausuren bieten im Vergleich zum bloßen Lernen einige zusätzliche Herausforderungen, deren Namen Prüfungsangst und Zeitdruck lauten. Doch Klausuren gehören nun mal zu den Standardaufgaben eines Jurastudenten. Über das Studium verteilt müssen in Übungen und Prüfungen Dutzende – besser Hunderte – Klausuren geschrieben werden. Sowohl wegen ihrer großen Bedeutung als Punktelieferant als auch wegen der mit ihr verbundenen Probleme ist die Klausur als die Königsdisziplin des Studiums anzusehen, und wer gut Klausuren schreiben kann, hat meist auch im Examen gute Karten.

Natürlich gehört dazu auch die Fähigkeit, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Die Klausursituation schafft jedoch neue Probleme, denen man sich zu stellen hat: der mit der Prüfung verbundene Druck, der zumindest teilweise als Auslesemechanismus bewusst geschürt wird, Versagensängste und natürlich der Zeitdruck. Die Atmosphäre des Prüfungsraums, die verhaltene Panikstimmung, die magischen Worte „Sie dürfen die Blätter jetzt umdrehen“, gefolgt von der Erkenntnis, dass man die Wiederholung vielleicht besser doch nicht hätte aufschieben sollen… wer kennt das nicht? Oft drängt sich auch der Eindruck auf, dass man das ja ohnehin nicht schaffen wird und dass Zeit und Arbeit hier nur vergeudet sind – denn natürlich wird man nicht genug Punkte sammeln und wieder mal in der Nachbesprechung wie der Ochs vorm Scheunentor sitzen. Doch weit gefehlt! Es kommt zwingend darauf an, sich der Herausforderung zu stellen, die Klausur zu Ende zu schreiben und sie auch abzugeben, damit sie korrigiert werden kann – anders geht es einfach nicht. Denn wenn man sich nicht einmal überwinden kann, die Klausur auch zu Ende zu schreiben, hat man nur noch weniger Chancen, Punkte zu sammeln. Wer kämpft, kann verlieren – aber wer nicht kämpft, hat schon verloren. Deshalb muss man versuchen, die nagenden Versagensängste auszublenden und stur weiterzuschreiben, bis entweder die Zeit abgelaufen oder die Klausur vollständig ist. Die Bewältigung der Prüfungsängste ist manchmal ein hartes Stück Arbeit, doch in manchen Fällen von entscheidender Bedeutung. Denn im Extremfall kann sie sich so stark auswirken, dass die Fähigkeit, überhaupt die Konzentration und Motivation aufzubringen, um eine Klausur erfolgreich zum Abschluss zu bringen, ernsthaft beeinträchtigt werden kann – was ich selbst aus leidvoller Erfahrung weiß.

 

Viel Glück!

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