Uni Bonn Jura

Der folgende Beitrag soll einen Einblick in das Alltagsleben eines Jurastudenten an der Bonner Fakultät bieten. Wir wollen die Stadt Bonn kurz skizzieren und Ihnen anschließend die Universität sowie insbesondere die juristische Fakultät vorstellen.  

I Die Stadt Bonn

Bonn ist eine kreisfreie Großstadt und fällt in den Regierungsbezirk Köln. Als Bundesstadt ist Bonn zweiter Regierungssitz und Verwaltungszentrum des Bundes. Die Einwohnerzahl beträgt derzeit 318.809, und so gehört Bonn zu den 20 größten Städten der Bundesrepublik. Die nächste Millionenstadt ist Köln in einer Entfernung von 30 Kilometer.

Neben der Oper, einer regen Theaterszene und spannenden Ausstellungen in Museen mit unterschiedlicher Trägerschaft, ist Bonn aber auch von einer hohen Dichte an Cafés, Kneipen und Bars geprägt. Individuelle Projekte wie das Stummfilmkino im Uni-Innenhof mit seiner romantischen Atmosphäre unter freiem (Sternen-) Himmel bereiten einem unvergessliche Momente. Insgesamt sorgt der Status Bonns als Studentenstadt (35.600 Studenten) für ein lebendiges und angenehmes Flair.

Bonn ist zudem seit 1951 der Sitz zahlreicher Organisationen der Vereinten Nationen und erhält so einen gewissen internationalen Anstrich. Das erfährt man schon, wenn man durch die Straßen oder die City flaniert; Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Sprachen aus fremden Kulturkreisen, gleich ob asiatisch, afrikanisch, südamerikanisch, osteuropäisch, aus Nahost oder auch aus anderen westlich-europäischen Staaten; hier ist viel vernetzt.

Was das Stadtbild angeht, so kann man insgesamt sagen, dass die Stadt sehr grün ist. So gibt es Naherholungsgebiete wie das Siebengebirge, die Rheinauen, den Kottenforst, und wen es aufs Land zieht, der kann einen Ausflug in das Rheinische Schiefergebirge (die Eifel) unternehmen. Schließlich gibt es natürlich den sagenumwobenen Rhein, der schon viele Künstler inspiriert und in seinen Bann gezogen hat

 

II Die Universität Bonn

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zählt zu den renommierten Unis in Deutschland. Sie nimmt im bundesweiten Ranking Platz 8 ein und schafft es im europaweiten Vergleich unter den 200 besten Unis auf Platz 39. Die Uni wurde im Jahre 1818 gegründet und trägt den Namen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.

Schillernde historische Persönlichkeiten wie Karl Marx (Jura), Friedrich Nietzsche und Konrad Adenauer haben in Bonn studiert.
Die Universität ist in 7 Fakultäten zergliedert. Ein Campus existiert nicht; die Institute sind über die Stadt verteilt. Das imposante Universitätshauptgebäude, die einstige kurfürstliche Residenz, befindet sich zentral im Stadtkern und vermittelt zusammen mit der weitläufigen Hofgartenwiese einen Eindruck vergangener glanzvoller Zeiten.

Das Juridicum, das Gebäude der juristischen Fakultät, ist vom Hauptgebäude aus leicht in 5 Minuten Fußweg erreichbar und liegt damit noch recht zentral. Eine der Mensen der Stadt, die Nassemensa, liegt etwa 2 Minuten vom Juridicum entfernt und ist mit fast 4.000 Gästen täglich die größte in Bonn. Gleich im selben Gebäude befindet sich das Cafeleven, welches vom Studentenwerk Bonn betrieben wird. Das Cefeleven ist sowohl Café (nach dem Mittagstisch) als auch Fußballkneipe. Endlich liegt auf dem Weg vom Juridicum zur Mensa noch das Café Friedrichs, das eine gute Kaffeekultur pflegt.

 

III Die juristische Fakultät

1) Allgemeines

Im deutschen Gesamtranking rangiert die Bonner Fakultät aktuell auf Platz 3. Kriterien dieser Erhebung sind dabei die Qualität von Lehre und Forschung.
Die Rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät ist 1967 gegründet worden. Das Gebäude basiert architektonisch auf Planungen, die 1957 schon begannen. Insgesamt ein trostloser, fader und wenig erfreulicher Bau; eine gewisse Krönung des Juridicums stellt die Wandgestaltung von Victor Vasarely dar.

Die Bibliothek öffnet Montag bis Freitag von 8 bis 23 Uhr und Samstag von 8 bis 21 Uhr. Sämtliche Medien aller drei juristischen Disziplinen, namentlich das Zivilrecht, das Öffentliche Recht und das Strafrecht, sind für sich auf drei Etagen verteilt und systematisch geordnet. Der Bestand beläuft sich auf 110.000 Bücher und Bände. Im Gesamten Lesebereich herrscht zugunsten der Konzentration absolute Stille.

Das Juridicum verfügt selbstverständlich über einen Shop, in dem alle alltäglichen Nahrungsmittel erhältlich sind. Diese kann man dann in der Cafete verzehren.
Viele Studenten, die bezüglich Umfeld und Atmosphäre eine Abwechslung suchen, weichen zum Lernen in die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) mit ihrem malerischen Ausblick auf den Rhein aus. Sie liegt wie das Juridicum an der B 9 und ist folglich mit einem Katzensprung erreichbar.

Die Bonner Fakultät kann sich damit rühmen, Lehrstühle mit glanzvollen Koryphäen besetzt zu haben. Zu nennen ist insbesondere Herr Emeritus Prof. Dr.Dr.h.c. Josef Isensee, der schon mal in den Nachrichten auftaucht, wenn jemand zu einem aktuellen politischen Thema eine rechtliche Einschätzung wagen soll. Herr Isensee ist ein bedeutender Staatsrechtler und hat zusammen mit Paul Kirchof das elementare, 13-bändige „Handbuch des Staatsrechts der BRD“ herausgegeben. Auch Prof.Dr.Dr. Udo di Fabio, derzeit am Institut für Öffentliches Recht (Abteilung Staatsrecht), stellt eine solche namhafte Persönlichkeit dar; nicht zuletzt, weil er Richter am höchsten deutschen Gericht, dem Bundesverfassungsgericht, tätig war. Unbedingt gehört auch Herr Prof.hon.mult.Dr.Dr.h.c.mult. Günther Jakobs zu den Großen am Himmel der Rechtswissenschaft. Er ist Strafrechtler und Rechtsphilosoph. Er hat mit seinem Konzept des sogenannten Feindstrafrechts für Aufsehen gesorgt.
Von 30 Professoren sind gerade mal zwei weiblich.

 

2) Wesen und Organisation des Jurastudiums.

a) Schon zu Beginn des Studiums macht es Sinn, sich zu vergegenwärtigen, was eigentlich das Ziel des Jurastudiums ist. Laut § 1 S. 1 der Studienordnung soll der Student der Rechte (lat. jura; plural von ius) Rechtskenntnis und die Fähigkeit zu wissenschaftlichen Umgang mit dem Recht erwerben. Das deutet schon den Zweischritt an. Zunächst gilt es, den Stoff zu verinnerlichen. Das ist schon eine Herausforderung; das Jurastudium ist ein absolut notorisches Fleißfach. Sodann muss man den Gutachtenstil internalisieren. Das Gutachten ist die Form, in die die rechtliche Erörterung eines rechtlichen Problems gegossen wird. Ein gutes Gutachten zu scheiben ist eine hohe Kunst. Es setzt voraus, dass der Autor das Problem des Falles erkennt und es ansprechend, konzise und überzeugend diskutiert. Überflüssiges ist so falsch wie etwas nicht erkannt zu haben. Die Stofffülle und das Erspüren der rechtsanwendenden Methodik stellen eine hohe Hürde dar; man sollte daher wissen, ob man das Studium wirklich machen will. Aber es ist und bleibt zweifelsohne ein spannendes Fach! Die Juristerei hat in Bezug auf ihr kohärentes System ihre eigene Ästhetik. Und man öffnet sich mit den Examina Türen zu extrem interessanten Tätigkeitsfeldern. Für Interessierte und Begeisterte lohnt sich der Aufwand mit Sicherheit!

b) Das Studium gliedert sich in ein Grundstudium, ein Hauptstudium und ein Schwerpunktstudium (§ 2 II 1 der Studienordnung).

Das Grundstudium erstreckt sich über zwei Semester und endet mit dem Bestehen der Zwischenprüfung (§ 2 II 2 StudO). Hier soll das Grundwissen in den Pflichtfächern (ZivilR, Öffentl. R, StrafR) und den Grundlagenfächern erworben werden.

Das Hauptstudium dient der Ergänzung und Vertiefung (vgl. § 2 II 4StudO), während der Schwerpunkt dem Erwerb spezieller Kenntnisse dient. Es stehen 10 Schwerpunktbereiche zur Option (etwa Kriminalwissenschaften, Grundlagen des Rechts oder Arbeit und Soziales). Das Schwerpunktstudium ist außerordentlich zeitintensiv und hier kann je nach Lehrstuhl auch ein rauer Wind wehen. Es lohnt sich demnach, die Wahl des Bereichs reflektiert zu treffen. Es gab schon Studenten, die extra nach Köln wechselten, weil dort (angeblich) der Schwerpunkt sehr viel angenehmer sei.

Im Rahmen des Studiums sind Vorlesungen, Arbeitsgemeinschaften, Übungen sowie Seminare und Proseminare vorgesehen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmerzahl überschaubar ist, effizienter sind, weil hier häufig interaktiv gearbeitet wird und die Atmosphäre etwas familiärer ist. Im Rahmen des Studiums sind noch ein Grundlagenfach (etwa Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte oder Methodenlehre) und eine Fremdsprachenausbildung (etwa Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Russisch oder Türkisch) abzudecken.

Wenn Sie sich gezielt für Details interessieren, so recherchieren Sie bitte in der entsprechenden Studienordnung (vom 04.09.2015) nebst Anhang I, der Zwischenprüfungsordnung (vom 04.09.2015), oder der Prüfungsordnung für den Schwerpunktbereich (ebenfalls vom 04.09.2015). Suchen Sie einfach „studienordnung jura bonn“ und gehen Sie dann auf „Rechtsgrundlagen“.
Am Ende der universitären Ausbildung sieht das JAG NRW eine staatliche Prüfung vor (das Staatsexamen), welche in nächster Nähe vom OLG Köln durchgeführt wird. Hier wird der gesamte Pflichtfachstoff vorausgesetzt. Dass dies ein großes Unterfangen ist, liegt auf der Hand. Es ist daher schon seit jeher usus, dass man vor dem ersten Staatsexamen mindestens 1 Jahr lang einen Repetitor besucht, der einem den gesamten Stoff noch einmal systematisch vermittelt, das Gespür für ein rechtliches Problem schult und das Lösen von Fällen trainiert. Der Kandidat soll befähigt werden, Recht wissenschaftlich-praktisch anzuwenden. Im Alleingang oder im Rahmen einer privaten AG kann man schon mal eine Bauchlandung machen, weil der objektive Maßstab fehlt. Eine professionelle Begleitung in Form eines Repetitoriums ist aus diesem Grunde dringend anzuraten. Erwägen Sie dabei unbedingt auch unser Konzept des Einzelunterrichts. Nur die individuelle Begleitung und das auf persönliche Schwächen abgestimmte didaktische Geschick bringen Ressourcen effizient zur Entfaltung.

 

IV Sonstiges

1) Auslandsaufenthalte

Für diejenigen, die sich gerne Neues oder Fremdes erschließen, gibt es gute Möglichkeiten, einen Aufenthalt im Ausland zu organisieren oder an einem Austausch- und Förderprogramm (Erasmus) teilzunehmen. Es muss nicht notwendigerweise ein Studium sein; man kann auch einfach nur ein Praktikum absolvieren. Die Uni Bonn hat rund 300 Partnerhochschulen europaweit! Ein solcher Aufenthalt ist mit Sicherheit eine persönliche Bereicherung; sowohl in der eigenen Entwicklung als auch in sprachlicher und damit beruflicher Hinsicht.

2) Wohnungsmarkt

Der Mietspiegel in Bonn ist im Vergleich zu NRW und der BRD relativ hoch. Der Mietpreis pro Quadratmeter liegt zwischen 7,42 € und 11,53 € und hängt natürlich von der Attraktivität des Viertels ab. Beliebte Wohngegenden sind etwa die Südstadt, die architektonisch vom Jugendstil der Gründerzeit geprägt ist, und die links-alternative, lebendige Altstadt mit ihren unzähligen Kneipen, Dönerbuden und Lebensmittelläden.

Sinn macht es auch, in einem Studentenwohnheim zu leben. Das Bonner Studentenwerk verfügt über 30 Heime. Die Mieten divergieren zwischen 184,00 € und 492,00 €. Auch hier gilt selbstverständlich, dass die Wohnqualität ausschlaggebend ist. Der Vorteil eines Heimes ist, dass hier gegebenenfalls viele unterschiedliche Menschen unterschiedlichster kultureller Zugehörigkeit aufeinandertreffen und sich eine heterogene Gemeinschaft herausbilden kann.
Alternativ gibt es auch Studentenverbindungen (christlicher oder politischer Prägung), die bisweilen sehr erschwingliche Wohneinheiten anbieten; dafür wird aber auch verlangt oder erwartet, dass man sich der Gemeinschaft fügt.

3) Aktivitäten und Fachschaft

Das Leben eines Studenten in Bonn kann auch an der Uni spannend sein. Es gibt ein vielfältiges kulturelles Angebot, vom gemeinschaftlichen Musizieren bis hin zum Hochschulsport, der für sich wiederum breit gefächert ist. Auf diese Weise lernt man schnell Kommilitonen oder gar Freunde kennen.
Wer sich gerne engagiert, kann als studentische(r) Mitarbeiter(in) die Fachschaft unterstützen. Hier herrscht in der Regel eine angenehme Atmosphäre; vielleicht, weil sich hier häufig Juristen finden, die die Juristerei aus einem ideellen Grund betreiben.

4) Homepage

Die Homepage des Bonner Fachbereichs Rechtswissenschaft finden Sie unter https://www.jura.uni-bonn.de.

 

5) Persönliches Fazit

Im Ergebnis ist das Studium an der Bonner Fakultät absolut empfehlenswert. Bonn ist eine Studentenstadt, und das merkt man auch. Es gibt kulturell viel zu erleben und das Nachtleben ist für eine Stadt dieser Größe facettenreich.
Bonn ist eine schöne, beschauliche Stadt, in der man sich wirklich wohlfühlen kann; und mit dem Fahrrad ist das Wichtigste leicht zu erreichen.
Darüber hinaus ist Bonn als Bundesstadt und als UN-Stadt nach wie vor ein wichtiger politischer Standort.
Das Renommee der juristischen Fakultät spricht dabei natürlich für sich. Das Studium ist hart; doch wer wirklich weiß, dass er Jura studieren will, wird mit entsprechenden Aufwand auch an dieser prestigeträchtigen Uni Erfolg haben.

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