Uni Leipzig Jura

Die Stadt Leipzig, auch „better Berlin“ genannt, gehört mit ihrer Universität und den 30.0000 Studierenden zu einer der größten Hochschulstädte in Sachsen. Der folende Artikel gibt einen Überblick über das Studentenleben in Leipzig.

I. Leipzig – die größte Stadt im Freistaat Sachsen

Leipzig ist eine kreisfreie Stadt und mittlerweile mit ihren mehr als 570.000 Einwohnen die Größte in Sachsen. Innerhalb Deutschlands ist Leipzig die am schnellsten wachsende Großstadt und die zehntgrößte Stadt. Für Mitteldeutschland stellt „Leib‘zsch“ ein historisches Zentrum der Wirtschaft, des Handels, des Verkehrs sowie der Kultur und Bildung dar. Insbesondere findet man eine ausgeprägte kreative Szene.

II. Die Universität

Gegründet wurde die Universität im Jahre 1409. Mit einer über 600 Jahre andauernden Geschichte ist sie die zweitälteste Uni Deutschlands. Die Geschichte der Uni ist eng verknüpft mit der Prager Universität. Im Jahre 1409 wurden in Prag die Statuten der Universität verändert, sodass sich Studierende und Lehrende stark benachteiligt fühlten und die Uni verließen. Ein Teil von ihnen ging nach Leipzig, um die Universität neu zu gründen. Als Erstes entstand eine Artistenfakultät. Darauf folgten die medizinische sowie die juristische Fakultät.

Heute gibt es insgesamt 14 Fakultäten, wobei sich die Lehr- und Studienenorte über das gesamte Stadtgebiet verteilen. Trotz allem kommt man zu Fuß, mit dem Rad sowie Bus und Bahn schnell von A nach B. Der „Hauptcampus“  mit dem Neuen Augusteum und dem Paulinum (Aula und Universitätskirche St. Pauli) befinden sich zentral am Leipziger Augustusplatz.

III. Die juristische Fakultät

 1. Das Gebäude

Die Juristenfakultät liegt in der Burgstraße, ungefähr 5 Minuten vom Hauptcampus entfernt und mithin auch im Zentrum Leipzigs. Hier befinden sich die Lehrstühle sowie das Dekanat. Die juristische Fakultät hat zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeit und Erörterung verschiedener Rechtsgebiete zehn Institute gegründet, die sich auch im Fakultätsgebäude befinden.

In der Burgstraße gibt es Seminarräume, wo unter Umständen Vorlesungen mit kleiner Teilnehmerzahl und Seminare stattfinden. Die meisten Vorlesungen werden jedoch im Hörsaalgebäude in der Universitätsstraße oder im Audimax des Neuen Augusteum gehalten.

Das Juridicum befindet sich im Petersbogen, ebenfalls in der Burgstraße, oberhalb des Spielcasinos und des Kinos.

Diese ist eine allgemein zugängliche Präsenzbibliothek mit ca. 141.000 gedruckten Werken. Des Weiteren gibt es einen Zugang zu Fachdatenbanken. Insgesamt stehen über 445 Arbeitsplätze zur Verfügung, an denen Studenten und Mitarbeiter das WLAN der Uni nutzen können. Geöffnet ist die Bibliothek von Montag bis Freitag von 08.00 bis 22.00 Uhr sowie am Samstag von 10.00 bis 22.00 Uhr. Juristische Bücher zum Ausleihen findet man in der Campusbibliothek. Diese ist eine 24 Stunden Bibliothek mit 550 Arbeitsplätzen, WLAN, Selbstbedienungsterminals und Gruppenarbeitsräumen.

2. Zahlen, Daten, Fakten

An der juristischen Fakultät der Uni Leipzig gibt es mittlerweile 20 Lehrstühle. Ebenfalls gehören momentan zwei außerplanmäßige Professoren sowie sieben Honorarprofessoren der Fakultät an.

Im Wintersemester 2015/2016 waren 2554 Studenten an der juristischen Fakultät immatrikuliert.  Es ist demnach ein Zuwachs von 3% zum Vorjahr zu verzeichnen.

3. Organisation des Jurastudiums

a) Anfangsphase und Kleine Scheine

Im ersten Semester beschäftigt man sich an der Uni Leipzig mit Zivilrecht, insbesondere dem BGB AT, im Öffentlichen Recht mit dem Staatsrecht und im Strafrecht mit dem StGB AT. Für einen erfolgreichen Abschluss des ersten Semesters wird je Gebiet eine Klausur geschrieben, die zwei Stunden dauert. In den Semesterferien wird eine Hausarbeit in einem der Rechtsgebiete geschrieben. Zusätzlich muss eine Klausur in einem der Grundlagenfächer geschrieben werden, um erfolgreich seinen Grundlagenschein zu erwerben. Diese dauert ebenfalls zwei Stunden und der Student kann wählen, in welchem Fach er sich prüfen lassen möchte. Angeboten werden z.B. Kriminologie, Verfassungsgeschichte oder Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte.

Es bietet sich an, den bis zum Examen erforderlichen Fachsprachenschein im ersten Semester zu erwerben, um sich später auf die juristischen Themen konzentrieren zu können. Neben den Vorlesungen können fakultativ zum besseren Verständnis des Stoffs und Durcharbeiten von Fällen verschiedene Arbeitsgemeinschaften besucht werden.

Im zweiten Semester werden vier Abschlussklausuren auf den Gebieten BGB II, Familienrecht, Staatsrecht und Strafrecht AT geschrieben. Eine Hausarbeit ist freiwillig. Im dritten Semester beschäftigt man sich mit den Vorlesungen BGB III, Gesetzliche Schuldverhältnisse, Allgemeines Verwaltungsrecht I sowie Strafrecht BT 1. Es werden hier vier Abschlussklausuren geschrieben.

Um das Zwischenprüfungszeugnis zu erreichen, müssen somit drei Klausuren auf dem Gebiet des BGB, zwei Klausuren im Öffentlichen Recht sowie zwei im Strafrecht bestanden werden. Der Grundlagenschein muss erworben und eine Hausarbeit bestanden sein. Bei erfolgreichem Bestehen ist nun der Grundstein für die Teilnahme an Übungen für Fortgeschrittene gesetzt.

Nach dem dritten Semester kann  mit dem ersten Praktikum begonnen werden. Insgesamt müssen 90 Tage unter Betreuung eines Volljuristen absolviert werden. Die praktische Studienzeit kann bei der Justiz, bei der Verwaltung, bei einem Rechtsanwalt oder bei einer sonstigen geeigneten Stelle im In- und Ausland abgeleistet werden.

b) Große Scheine

Mit gelungenem Abschluss der Zwischenprüfung folgen die Übungen für Fortgeschrittene. Diese sind jeweils auf den Rechtsgebieten des BGB, des Strafrecht und des Öffentlichen Rechts, bei Letzterem insbesondere Polizeirecht, Kommunalrecht und Baurecht. Es empfiehlt sich, diese im vierten bis sechsten Semester zu absolvieren. Sie bestehen wieder aus einer Klausur und jeweils einer Hausarbeit. In dieser Zeit sollte auch die praktische Studienzeit beendet werden.

Die Vorlesungen befassen sich weiterhin mit dem Stoff des Zivilrechts, Strafrechts und Öffentlichen Rechts.

c) Schwerpunktstudium

Mit dem Schwerpunktstudium wird optional im fünften oder im siebten Semester begonnen. Die Prüfung des SPB besteht aus einer Klausur und einem Prüfungsseminar. Die Klausur zählt für die Bildung der Endnote 1/3 und das Prüfungsseminar 2/3.

Um zur Prüfung zugelassen zu werden, müssen Veranstaltungen im Umfang von 14 SWS besucht werden, wobei drei davon Pflichtveranstaltungen sind. Darüber hinaus muss ein Zulassungsseminar bewältigt werden. Es empfiehlt sich, dieses während des Schwerpunktstudiums zu absolvieren. Zum Einen ist es besser, sich auf ein Thema zu konzentrieren, als wenn schon mit dem Repertorium angefangen wurde, und zum Anderen kann noch herausgefunden werden, ob der Schwerpunktbereich einem wirklich liegt.

In Leipzig gibt es elf Schwerpunktbereiche. Die Teilnehmerzahl ist dabei sehr unterschiedlich und bei einigen kann dadurch eine Vorlesung in einem kleinen und effektiven Teilnehmerkreis angeboten werden. Gewählt werden kann zwischen:

  1. Grundlagen des Rechts
  2. Staat und Verwaltung- Umwelt, Bauen, Wirtschaft
  3. Internationaler und Europäischer Privatrechtsverkehr
  4. Europarecht-Völkerrecht-Menschenrechte
  5. Bank- und Kapitalmarktrecht
  6. Kriminalwissenschaften
  7. Medienrecht
  8. Rechtsberatung-Rechtsgestaltung-Rechtsdurchsetzung
  9. Unternehmensrecht
  10. Arbeitsrecht
  11. Steuerrecht

d) Examensvorbereitung und Examen

Will man den sogenannten Freiversuch nutzen, sollte man im 6. Semester mit der Examensvorbereitung beginnen. Neben den kommerziellen Repetitorien bietet auch die Uni Leipzig seit dem Sommersemester im Jahre 2000 ein universitäres Examensrepetitorium an. Dabei handelt es sich um die „Leipziger Examens Offensive“, kurz auch „LEO“ genannt. Hier gibt es ein umfassendes Lehrangebot, welches zur Verbesserung der Vorbereitung auf die erste juristische Prüfung beitragen soll. Inhaltlich werden die examensrelevanten Themen auf den Gebieten des Zivil-, des Straf- und des Öffentlichen Rechts behandelt. Die Lehrveranstaltungen finden, bis auf eine zweiwöchige Pause,  ganzjährlich statt. Zusätzlich werden noch wöchentlich Klausurenkurse angeboten. Diese erweisen sich als sinnvolle Ergänzung, um sein gelerntes Wissen in Fällen richtig anzuwenden. In den letzten Jahren konnten mit dem Universitätsrepetitorium „LEO“  vielfach Prädikatsexamen erzielt werden. Im Jahre 2011 gab es 12,2% Prädikatsexamen. Die Durchfallquote lag jedoch bei rund 39% und damit im bundesweiten Vergleich recht hoch. Woran das lag, lässt sich nicht pauschal sagen. Um die mündliche Prüfung souverän zu bewältigen, gibt es auch hierfür einen speziellen Vorbereitungskurs durch die Uni Leipzig. Beim FSR gibt es die Möglichkeit, sich die Prüfungsprotokolle der vergangenen Jahre gegen eine Kaution auszuleihen.

4. Sonstiges

a) Auslandsstudiumsangebote und Moot Courts, Seminare

An der Universität Leipzig besteht die Möglichkeit, einen Teil seines Studiums im Ausland zu verbringen. Dafür kooperiert die Uni mit der EU-Kommission, um Partnerschaften mit anderen Unis im Rahmen des Erasmus-Programms zu gründen. Die Juristenfakultät kann dabei auf Partnerschaftsbeziehungen in nahezu allen EU Ländern zurückgreifen. Es fallen dabei keine gesonderten Studiengebühren an, sondern es erfolgt eine finanzielle Förderung durch die EU  für die Abdeckung von Mehrkosten der Studierenden.  Zu empfehlen ist ein Auslandsaufenthalt für Studenten ab dem vierten Semester.

Wen es nicht ins Ausland zieht, dafür aber vor Gericht, der kann an einem Moot Court teilnehmen. Dies ist eine simulierte Gerichtsverhandlung, in der Jurastudenten als Vertreter fiktiver Prozessparteien einen Fall verhandeln, um auf den Ernstfall vorbereitet zu werden. In der Uni Leipzig werden diese von ELSA (The European Law School Association) jährlich organisiert.

Jährlich wird auch ein sogenanntes „Miami-Leipzig-Seminar“ angeboten. Zwischen der Juristenfakultät  der Uni Leipzig und der University of Miami-Law School besteht seit einigen Jahren eine Kooperation.  In deren Rahmen werden Gastvorlesungen und Seminare gehalten. Es beginnt im Januar in Miami und wird im Mai in Leipzig mit neuen Diskussionsthemen fortgesetzt. Dabei besteht das Programm nicht nur aus Vorträgen, sondern es gibt auch einen kulturellen Abend und an einem vortragsfreien Tag können Sehenswürdigkeiten des Gastlandes erkundet werden.

b) „Wohlfühlfaktor“ und Angebote neben dem Studium

Der „Wohlfühlfaktor“ wird in Leipzig auf jeden Fall ganz groß geschrieben. An der Uni gibt es ein umfangreiches Programm an Hochschulsport, aber auch an Meinungsdiskursen und Vorträgen mangelt es nicht. Neben den vielen Angeboten an der Uni gibt es ein wahnsinnig tolles außeruniversitäres kulturelles Angebot in Leipzig. Hierbei kann das zahlreiche Programm an Theater, Konzerten und Kunst hervorgehoben werden. Das Gewandhaus zeigt seit mehr als 250 Jahren die musikalische Seite Leipzigs. Jährlich finden das Bachfest, die Leipziger Jazztage und das Wave Gotik Treffen statt. Ebenfalls gibt es zahlreiches Kabaretts und Kleinkunstbühnen. Besonders lebendig ist auch die Kunstszene – eine Vielzahl an Museen, Galerien und Ausstellungen stehen dem Kunstliebhaber dafür zur Verfügung. Insbesondere mit der Baumwollspinnerei hat Leipzig ein Kunstzentrum, in dem berühmte Maler wie Neo Rauch ihr Atelier haben. Zum Ausspannen sind die vielen Seen und Wälder rund um Leipzig, die alle gut mit dem Fahrrad oder per pedes zu erreichen sind, zu jeder Jahreszeit besonders schön. Auch wenn man mitten in der Stadt wohnt, hat man es meist nicht weit in den Wald. Auch für Fußball-Fans hat Leipzig jetzt mit dem Aufstieg von RB in die 1. Liga einiges an hochklassigen Fußballspielen zu bieten.

Insgesamt ist Leipzig eine sehr junge Stadt. Auf der beliebten Karl-Liebknecht Straße „Karli“ kann man besonders im Sommer gut flanieren und das Lebensgefühl der Stadt genießen. Das Nachtleben spielt sich ebenfalls im Umfeld der Karli ab, wo neben den vielen Bars und Studenten-Clubs bis in die Morgenstunden getanzt werden kann. Gerade im Sommer gibt es aber auch viele Open Airs in der Natur rund um Leipzig. Ein Symbol für das junge Leipzig ist mittlerweile die einst recht unscheinbare Sachsenbrücke geworden. Das Geländer wurde bunt bemalt, an warmen Tagen kann man Schwärme von Menschen auf der Brücke beobachten, die reden, zusammen trinken und Gitarre spielen.

c) Wohnungsmarkt

Noch ist der Wohnungsmarkt in Leipzig recht entspannt. Neben den Angeboten an Wohnheimen besteht die Möglichkeit, in einer WG oder alleine zu leben. Wenn man nicht mitten im Zentrum residieren möchte, sondern außerhalb, sind Wohnungen zu studentenfreundlichen Preisen zu finden. Da Leipzig auch flächenmäßig keine Riesenstadt ist, ist man bei einer Wohnlage leicht außerhalb des Zentrums trotzdem schnell im Geschehen. Dennoch sind ein Aufsteigen der äußeren Bezirke zu Szenevierteln und damit auch das Ansteigen der Mietpreise deutlich spürbar! Momentan werden viele Wohnungen saniert und die Mietpreise werden der Nachfrage angepasst. Trotzdem ist es noch nicht so schlimm wie in anderen Studentenstädten, in denen sich 50 Mietinteressenten für eine Wohnung bewerben.

d) Fazit

Ein Studium in Leipzig bietet zahlreiche Vorteile und lohnt sich durchaus. Die Stadt hat eine ansprechende Größe und bietet ein wunderbares Lebensgefühl aufgrund der ganzen jungen Menschen und  Aktivitäten. Da ich schon in einer anderen sächsischen Stadt studiert habe und somit einen Vergleich ziehen kann: Leipzig ist wohl die schönste Studentenstadt in Sachsen.

Die Fakultät ist groß, sauber und gut ausgestattet. Die Lehrkräfte sind zudem kompetent, freundlich und motiviert. Das Studium ist gerade in den Anfangssemestern straff organisiert, was jedoch wirklich ein Vorteil sein kann, da man seltener in ein faules Studentenleben abdriftet. Im Endeffekt liegt das natürlich auch an jedem selbst, wie ernst er das Studium nimmt und ob er sich von den zahlreichen anderen Angeboten in Leipzig ablenken lässt.

Auf jeden Fall bietet Leipzig das Potential, sich in diese Stadt zu verlieben!

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