Lernplan-Baukasten – Examensvorbereitung

Die Vorbereitung auf das Examen ist ein enormer Kraftakt. Praktisch der gesamte Inhalt des Studiums kann zum Prüfungsgegenstand werden, und die Klausuren wollen ebenfalls vorbereitet sein, so dass man selbst im günstigsten Fall ein enormes Pensum zum Wiederholen und Lernen vor sich hat. Ein solches Pensum arbeitet man am besten mit Hilfe eines strukturierten Lernplans ab. Doch dank der schieren Stoffmasse scheint das gar nicht so einfach. Was ist also zu tun? Ein Lernplan muss her, und ein einfacher und doch flexibler Lernplan lässt sich verhältnismäßig leicht nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen.

Zeitliche Strukturen und inhaltliche Schwerpunkte

Zunächst einige Tipps zu zeitlichen Strukturen. Da man sich ohnehin auf eine längere Vorbereitungsphase einrichten muss, kann man gleich etwas langfristiger planen. Von einer allzu ausufernden Vorbereitung sollte man jedoch ebenso absehen, da man sonst leicht zu viel bereits Bearbeitetes vergisst und Gefahr läuft, eine Aufschieberitis zu entwickeln. Ein brauchbares tägliches Arbeitspensum besteht aus zwei bis vier Stunden, wobei ein ruhiger Lernort und eine tägliche Routine vorhanden sein sollten. Der zu wählende Themenkreis ist dabei frei, jedoch kann es nicht schaden, an ein und demselben Tag Aufgaben aus mehr als einem Rechtsgebiet zu behandeln. Zur Kernvorbereitung eignet sich am ehesten das Lernen Strukturen und Schemata sowie das Lösen entsprechender Aufgaben, denn nur das Wissen, das in anwendbarer Form zur Verfügung steht, ist examenstauglich. Doch Achtung: Jede Woche MUSS mindestens eine Klausur geschrieben werden, ganz gleich ob nun beim Repetitor, im Klausurenkurs oder wo auch immer, denn ohne das Trainieren des Klausurenschreibens sowie die Anwendung des Gelernten beim Schreiben einer Klausur hat die ganze Vorbereitung keinen Zweck.

Die Auswahl der Schwerpunkte für die Vorbereitung richtet sich vor allem nach der Anzahl der Klausuren, die geschrieben werden, sowie des voraussichtlichen Inhalts der mündlichen Prüfung, d.h. die Fachgebiete Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht sowie ein oder mehrere Wahlfächer. Im Examen nimmt das Zivilrecht stets den Löwenanteil in Anspruch, wobei Allgemeiner Teil, Schuldrecht und Sachenrecht wiederum am häufigsten gefragt sind, Familien– und Erbrecht hingegen eher ein Schattendasein führen. Entsprechend sollte der Schwerpunkt auf den drei ersten Büchern des BGB und den dazugehörigen Nebengesetzen liegen. An zweiter Stelle steht meist das Öffentliche Recht, und das Strafrecht bildet aufgrund seines etwas bescheideneren Umfangs den Schluss. Naturgemäß sollte man damit den Schwerpunkt bei der Vorbereitung nach dem Zivilrecht eher auf das komplexere Öffentliche Recht legen, doch lassen sich bei entsprechender Neigung im Strafrecht verhältnismäßig einfach ein paar Punkte abstauben. Die Nebengebiete, sofern für sie eine Klausur vorgesehen ist, bilden meist das Schlusslicht, in vielen Bundesländern wurden sie jedoch aus dem eigentlichen Staatsexamen ausgeklammert und in die Schwerpunktbereichsprüfung verlegt.

Ein Beispiel für das erste Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen: hier werden sechs Klausuren geschrieben, drei im Zivilrecht, zwei im Öffentlichen Recht und eine im Strafrecht. Entsprechend ist die Gewichtung bei der Vorbereitung: 1/2 Zivilrecht, 1/3 Öffentliches Recht und 1/6 Strafrecht. Dieser Schlüssel ist für abweichende Klausurenaufteilungen in anderen Ländern entsprechend abzuändern.

Die Anzahl der Klausuren ist jedoch nicht die einzige Erwägung bezüglich der zu wählenden Schwerpunkte. Auch Vorlieben und Abneigungen spielen eine Rolle, und gemäß der Devise „Tu, was du hasst“ sollte den Gebieten, die einem schwerer fallen, mehr Zeit und Mühe eingeräumt werden.

Ein Lernplan aus dem Baukasten

Mit Hilfe dieser Maximen lässt sich verhältnismäßig leicht ein Wochen-Lernplan aufstellen, der sich mit verschiedenen Inhalten fast beliebig oft wiederholen lässt. Die tägliche Arbeitszeit kann in mehrere Lektionen unterteilt werden, zwischen denen mindestens eine Pause liegen sollte. Keinesfalls sollte die tägliche Arbeitszeit sechs Stunden übersteigen, und man muss für Ausgleich sorgen, der nach Möglichkeit nichts mit alltäglichen Verrichtungen, Lernen etc. zu tun haben darf und nicht allein oder zu Hause genossen werden sollte – Sport, Kneipe oder Kino bieten sich hier an. An Klausurentagen wird nicht gelernt, und mindestens ein Tag in der Woche sollte ganz frei sein.

Für die Examensvorbereitung sollte man sich mindestens ein halbes Jahr Zeit nehmen, maximal neun Monate. Diese Zeit kann man in Blöcke oder auch Module zu je einem Monat aufteilen, die wiederum in Untermodule zu je einer Woche zerlegt werden können. Im Vorfeld sollte man eine Marschroute festlegen, in welcher Woche man welche Rechtsgebiete durchnimmt, damit man etwas mehr Struktur hat und sich an einer Art Leine entlanghangeln kann. Diese Marschroute sollte jedoch flexibel sein, damit man sich je nach Bedarf mehr Zeit für bestimmte Themen nehmen kann. Grundsätzlich fährt man wohl am besten, wenn man die Wiederholung in der gleichen Reihenfolge vornimmt, in der die entsprechenden Gebiete auch im Studium Thema waren, da man so keine eigene didaktische Struktur zu entwickeln braucht und einfach dem Strom des bereits Bekannten folgen muss – das spart Zeit und Hirnschmalz.

Mit Hilfe dieser einfachen Regeln lässt sich bereits ein brauchbarer Lernplan für die Examensvorbereitung erstellen. Wer mag, kann sich ein eigenes Punktesystem als Anhalt für die zu leistende Arbeit zusammenstellen. Ein Beispiel: jede Woche müssen mindestens 30 Punkte abgearbeitet werden. Jede Stunde Lernen bringt einen Punkt, jede Klausur zehn Punkte, wobei eine Klausur pro Woche Pflicht ist. Zugleich sollte man aber ein Minimum von fünf bis zehn Ausgleichspunkten (für je eine Stunde) einplanen, die für je eine Stunde lernfremde Ausgleichsaktivitäten stehen.

Und nun alles Gute und viel Erfolg!

Anmerkungen

siehe auch: Lernplan Jura – Das erste Semester; Lernplan Jura – Zwischenprüfung; Lernplan Jura -Examensvorbereitung

Jura Individuell informiert Sie über das erste Staatsexamen. Lesen Sie daher unsere nützlichen Artikel zur Motivation im Studium, über die Organisation und Struktur im Jura-Studium, über die Überwindung von Prüfungsangst und was man gegen Lernprobleme machen kann. Außerdem beschäftigen sich unsere Artikel mit den Themen  des richtigen Lernens im Studium und dem Schutz gegen Überarbeitung  (Burnout).

Des weiteren erhalten Sie Hilfestellungen bei der Vorbereitung und Anfertigung eines Lernplanes für das  Staatexamen (Ablauf, mündliche Prüfung, Die Klausuren, Die Vorbereitung, Examen im Zivilrecht, Examensplan).

Erfahren Sie mehr über die Tradition der Repetitorien, die Geschichte der modernen Universität, die Notwendigkeit der Repetitorien bei der Klausur- und Examensvorbereitung, die verschiedenen Formen von Repetitorien, den Ablauf des Individualunterrichtes sowie den Nutzen von ergänzenden juristischen Privatunterricht.

Wir informieren Sie ebenfalls über Crashkurse zur Vorbereitung auf Klausuren und das Referendariat (Der erste Tag, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz).

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  1. Jurist

    02.10.2017, um 15:21 Uhr

    2-4 Stunden pro Tag lernen?
    Maximal 6 Stunden pro Tag?
    6-9 Monate Vorbereitungszeit?

    Ist das Satire?
    Das ist völlig unrealistisch. Egal wie gut man mitgearbeitet hat braucht man mindestens
    4-6 Stunden pro Tag (mit Rep) 6-8 Ohne Rep
    Maximal 8-9 Stunden kommt hin.
    12-18 Monate Vorbereitungszeit ist die Regel!

  2. Alexandra Senske

    09.10.2017, um 12:16 Uhr

    Es ist sicherlich eine Typfrage, wieviel man am Tag lernt und hängt schließlich auch davon ab, wie viel man während des Studiums getan hat. Die angegebenen Zeiten sind Richtwerte und beschreiben die „reine“ Lernzeit, also die Zeit, die man wirklich mit Lernen verbringt und sich nicht vom Handy, dem Umfeld, Träumereien oder ähnlichem ablenken lässt (da muss man leider ehrlich zu sich selbst sein, das geht schnell und kostet Zeit). Man kann die reine Lernzeit mal mit einer Stoppuhr stoppen, es ist teils erschreckend, wie lange man zwar in der Bibliothek saß und letztlich trotzdem kaum gelernt hat. Erreicht man die 6 Stunden, geht auch meistens nichts mehr in den Kopf.
    Die Dauer der Vorbereitungszeit ist sehr individuell. Insbesondere gehen die meisten kommerziellen Reps 12 Monate, wobei auch dort die Möglichkeit besteht es zu verkürzen! Man darf sich von der Regel nicht verunsichern lassen, jeder muss die Dauer für sich selbst festlegen und sich fragen, ob die Motivation 6, 9, 12, 18 Monate lang hält und das Durchhaltevermögen für die lange Zeit beibehalten werden kann.

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