Zweites Staatsexamen – Ablauf

Wird man zum zweiten Staatsexamen geladen so ist die Aufregung meist nicht mehr so hoch wie beim ersten Examen -schließlich hat man bereits eine Examenskampagne erfolgreich durchgestanden. Jedoch ist es auch beim zweiten Staatsexamen von Vorteil, sich im Vorfeld einen Überblick über den Ablauf verschaffen zu können. Hierzu dient der folgende Artikel.

1. Ladung

Je nach Bundesland werden die Klausuren des zweiten Examens in der Regel während oder nach der Anwaltsstation angefertigt, also gegen Ende des Referendariats. Man bekommt in der Anwaltsstation eine Mitteilung des Stammgerichts, dass man sich bis zu einem bestimmten Datum zum zweiten Examen anmelden muss. Hierbei müssen -je nach Ausbildungsland- auch das Wahlfach sowie die Lokalität, an denen man die Klausuren anfertigen und später die mündliche Prüfung ablegen möchte, angegeben werden. Nach fristgerechter Anmeldung werden die Teilnehmer durch das Prüfungsamt geladen. Die Ladung erfolgt in der Regel ca. 4 Wochen vor den Klausurterminen.

In anderen Bundesländern wie beispielsweise Bayern muss man sich gar nicht erst selbst anmelden. Man wird einfach während der Anwaltsstation zum Examenstermin geladen. Auf den Ort hat man dabei keinen Einfluss. Die Örtlichkeiten werden vom Landesjustizprüfungsamt dann zugeteilt.

Der Ladung ist auch die Kennziffer beigefügt, unter der man die Klausuren anfertigt. Es ist also unbedingt zu empfehlen, diese auch mit zum Examen zu nehmen. Weiterhin sind der Ladung die genauen Klausurtermine, Räume und Reihenfolge der Klausuren (in fast allen Bundesländern wird mit dem Zivilrecht begonnen, die weitere Reihenfolge variiert je nach Bundesland) genannt. Schließlich wird auch mitgeteilt, welche Gesetze und Kommentare zugelassen sind.

2.Vor der ersten Klausur

Sollten die Klausuren der Kampagne an einem Standort angefertigt werden, die dem Prüfling bislang unbekannt ist, so empfiehlt es sich einige Tage vor Beginn des Examens die Örtlichkeit aufzusuchen. Man kann sich so in Ruhe einen Überblick verschaffen über Parkmöglichkeiten, Aufzüge und Toiletten. Betritt man dann das Gebäude zur ersten Klausur ist man weniger aufgeregt. Darüber hinaus sollte die Wegstrecke möglichst zu den Examenszeiten getestet werden. Wie lange braucht man mit der Straßenbahn? Mit welchem Verkehr ist bei einer Fahrt mit dem Auto zu rechnen? Gibt es Parkmöglichkeiten?

Außerdem sollte man sich überlegen, wie die Gesetze und Kommentare transportiert werden sollen. Die meisten benutzen hierfür Rollkoffer. Besitzt man einen solchen nicht, ist nun die Zeit sich ggf. bei Familie/ Freunden einen auszuleihen oder zu erwerben. Außerdem sollte überprüft werden, ob alle erforderlichen Gesetze und Kommentare in der jeweils aktuellen Auflage vollständig sind und nicht unzulässig markiert sind. Schließlich ist auch darauf hinzuweisen, dass es- je nach Bundesland- auch erforderlich ist den Personalausweis/ Reisepass mitzubringen. Es ist also zu überprüfen ob dieser noch gültig ist. Nützlich ist es auch sich Wasserflaschen, Müsliriegel und Oropax zuzulegen. Abschließend sollte man über genügend Kugelschreiber verfügen. Klausurpapier wird wie beim 1. Staatsexamen auch vom Prüfungsamt gestellt.

Jura Individuell- Tipp: Gerade im zweiten Staatsexamen sind täglich eine Vielzahl von Kommentaren und Gesetzen mitzunehmen. In Bayern sind dies beispielsweise bei 11 Klausuren 16 Bücher, die mitzuschleppen sind. Es empfiehlt sich im Vorfeld eine Liste mit allen Büchern anzufertigen und diese dann an den Vorabenden vor den Klausuren nocheinmal genau abzuhaken. Nichts ist ärgerlicher und kostet mehr Stress als im Examen ein Hilfsmittel zu vergessen!

3. Die Klausuren

Am Abend vor den Klausuren sollte  man also nochmal checken, ob alle Gesetze und Kommentare eingepackt sind, Stifte und ggf. Oropax sowie Getränke und Snacks verstaut sind. Auch der Personalausweis und die Kennziffer aus der Ladung müssen mit eingepackt sein (am besten auch dies mit auf die Liste). Wichtig ist auch eine Armbanduhr mitzubringen. Handys und Smartwatches sind verboten am Arbeitsplatz. Diese müssen entweder bei der Aufsicht abgegeben werden oder in den Taschen abseits des Arbeitsplatzes aufbewahrt werden. Auch Jacken sind nicht am Arbeitsplatz erlaubt. Wichtig ist auch immer alle Gesetze und Kommentare mitzubringen, also auch den Palandt wenn zB. Öffentliches Recht oder Strafrecht geschrieben wird. Schnell kann im Strafrecht mal eine Eigentumslage innerhab eines Betruges oder zivilrechtlicher Einfluss im Staatshaftungsrecht eine Rolle spielen.
Im Klausursaal selbst hängen dann in der Regel Listen aus, welche jedem Prüfling einen Arbeitsplatz zuteilen. Dieser kann sich je nach Bundesland auch jeden Tag ändern. Vor Beginn der Klausur muss daran gedacht werden den Ausweis auf den Tisch zu legen, damit das Aufsichtspersonal diesen kontrollieren kann. Zuerst wird dann in der Regel die Anwesenheit festgestellt. Sodann werden die Sachverhalte ausgeteilt. Danach wird ein Seitenabgleich vorgenommen. Schließlich beginnt die 5 stündige Bearbeitungszeit. Während der Klausur ist es selbstverständlich möglich zur Toilette zu gehen. In einigen Bundesländern sind Raucherpausen erlaubt, in anderen wie z.B. Bayern streng untersagt. Hierzu muss man sich bei der Aufsichtsperson melden. Auch werden neuerdings -zumindest in Rheinland Pfalz–  stichprobenartig Scanner eingesetzt um zu überprüfen, ob die Prüflinge vielleicht doch ein Smartphone u.a. unter der Kleidung versteckt haben. Diese Überprüfung geschah in Rheinland Pfalz bisher immer vor der Bearbeitungszeit der Klausuren.

Die angefertigten Klausuren werden nach Ende der Bearbeitungszeit in die hierfür am Arbeitsplatz hinterlegten Mappen eingelegt. Es ist darauf zu achten, dass die Kennziffer auf der Mappe noch vom Prüfling einzutragen ist. Auch das Klausurpapier muss numeriert werden und mit der Kennzahl versehen werden. In Bayern gibt es diesen Vorgang seit Einführung von Prüfungsheften nicht mehr.
Dann werden die Mappen von den Aufsichtspersonen eingesammelt. Bei den nun noch nachfolgenden 7 Klausuren (Rheinland-Pfalz) läuft jeder Tag nun nach diesem Schema ab. Je nach Prüfungsort wird einem auch angeboten, die Arbeitsmaterialien für den nächsten Tag am Arbeitsplatz zu lassen.

4. Fazit

Der Ablauf des zweiten Examens unterscheidet sich nicht wirklich von dem des ersten Examens. Der erste Tag ist jedoch für jeden sehr aufregend, da man plötzlich wieder in der altbekannten Prüfungssituation angekommen ist. Von den äußeren Vorgaben darf man sich hierbei nicht aus der Ruhe bringen lassen. Bereits nach kurzer Zeit gibt diese Routine dem Prüfling auch Sicherheit und hilft dabei, die Kampagne gut zu überstehen.

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